Zusammenfassung
Das Weingut Leon Gold im Remstal ist eine der spannendsten jungen Adressen im Anbaugebiet Württemberg. Leon Gold hat den Betrieb 2015 in Gundelsbach bei Weinstadt aus dem Nichts aufgebaut – ohne Weinbau-Erbe, dafür mit einer klaren Idee: Wein soll das Ergebnis eines gesunden Bodens sein, nicht einer Rezeptur im Keller. Die rund 18 Hektar werden von Beginn an ökologisch und seit 2016 biodynamisch nach Demeter bewirtschaftet. Im Keller folgt konsequent wenig Eingriff: Spontangärung in Holz und Stahl, natürliche Klärung, minimaler Schwefeleinsatz. Herausgekommen ist ein Sortiment, das vom saftigen Trollinger bis zum Pet-Nat reicht – und Württemberg im internationalen Naturweinumfeld sichtbar gemacht hat.
Geschichte
Die Geschichte des Guts ist kurz – und ungewöhnlich. Leon Gold stammt nicht aus einer Winzerfamilie. Was ihn früh faszinierte, waren die Reben, die Weinberge und die Kreisläufe der Natur rund um seine Heimat im Remstal. Aus dieser Faszination wurde ein Berufswunsch: Gold absolvierte eine Ausbildung im Weinbau und anschließend die Weiterbildung zum Techniker für Weinbau und Önologie an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg, dazu Stationen in verschiedenen deutschen Weinregionen.
2015 machte er sich in Gundelsbach selbstständig und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum. Der Betrieb wuchs Schritt für Schritt: aus wenigen Parzellen wurden im Lauf der Jahre rund 18 Hektar. Prägend waren dabei die Vorbilder aus der biodynamischen Szene – Winzer wie Sven Leiner aus der Pfalz und Jochen Beurer, der nur wenige Kilometer entfernt im Remstal ebenfalls biodynamisch arbeitet. Schon 2016, also kaum ein Jahr nach dem Start, stellte Gold Weinberg und Keller vollständig auf biodynamische Arbeit um und ließ den Betrieb nach Demeter zertifizieren.
Lage & Terroir
Das Remstal ist ein Seitental des Neckars östlich von Stuttgart und eines der Kernstücke Württembergs. Die Rems hat sich hier tief in die Landschaft gegraben und dabei steile, nach Süden und Südwesten geneigte Hänge hinterlassen. Das Klima ist vergleichsweise warm und trocken – warm genug, um neben Riesling auch rote Sorten zuverlässig reif zu bekommen.
Gundelsbach selbst ist ein winziger Weiler im Nordosten der Gemarkung von Weinstadt, auf rund 275 Metern Höhe gelegen und umgeben von Weinbergen, Streuobstwiesen und Buchenwald an den Steilhängen der Buocher Höhe. Geologisch prägen wechselnde Schichten aus Gipskeuper und Sandstein die Parzellen. Diese Abfolge sorgt dafür, dass sich die Weine von Lage zu Lage deutlich unterscheiden – je nachdem, wie Exposition, Höhe und Hangneigung zusammenspielen. Genau diese Unterschiede will Gold in seinen Weinen hörbar machen, statt sie im Keller einzuebnen.
Stil & Philosophie
Der Leitsatz des Guts ist schlicht: Qualität entsteht im Weinberg. Entsprechend liegt der Schwerpunkt auf gesunden, humusreichen Böden. Auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel wird vollständig verzichtet; stattdessen kommen eigene Komposte und biodynamische Präparate zum Einsatz. Begrünung und Hecken fördern die Biodiversität, und die Arbeitsschritte im Jahresverlauf orientieren sich bewusst an den Mondphasen, weil Gold darin einen Einfluss auf Wuchs und Vitalität der Reben sieht.
Im Keller setzt sich diese Zurückhaltung fort. Die Moste vergären spontan mit den weinbergseigenen Hefen, ausgebaut wird in einer Mischung aus Holzfässern und Edelstahl. Geklärt wird auf natürlichem Weg, also durch Zeit und Absetzen statt durch technische Eingriffe. Geschwefelt wird – wenn überhaupt – nur minimal vor der Füllung. Das Ergebnis sind lebendige, oft leichtfüßige Weine mit klarer Frucht, spürbarer Salzigkeit und wenig Alkohol-Wucht: ein Gegenentwurf zum breiten, gefälligen Stil, der Württemberg lange geprägt hat.
Bekannte Lagen & Weine
Statt auf klassische Einzellagenhierarchien setzt Leon Gold auf ein Sortiment mit eigener Handschrift und viel Wortwitz rund um den Familiennamen. Zu den bekanntesten Weinen zählen:
- Gold Weiß und Gold Rosé – die trinkfreudigen Einstiegsweine des Guts
- Neon Gold – ein leichter, saftiger Trollinger, oft in der Literflasche
- Alte Reben Trollinger – die ambitionierte Variante der württembergischen Leitsorte
- Pink Gold und White Gold – Pet-Nats nach méthode ancestrale, in der Flasche fertig vergoren
- Cuvée Brut Nature – Flaschengärsekt ohne Dosage
- Pur Blanc – ein puristisch ausgebauter Weißwein
- Lunar Herbs – ein alkoholfreies Kräuter-Getränk aus der eigenen Produktion
Der Trollinger spielt dabei eine besondere Rolle: Die Sorte gilt vielen als schwäbischer Alltagswein, in Golds Interpretation wird daraus ein leichter, kühl servierbarer Rotwein, der international Aufmerksamkeit findet.
Auszeichnungen
Für ein Weingut, das erst 2015 gegründet wurde, ist die Resonanz beachtlich. Der Alte Reben Trollinger 2023 wurde von Falstaff-Kritiker Ulrich Sautter mit 93 Punkten bewertet – ein ungewöhnlich hoher Wert für diese Rebsorte. Die Cuvée Brut Nature 2019 kam auf 92 Falstaff-Punkte, und das alkoholfreie Lunar Herbs 2024 erreichte in der Falstaff-Trophy für alkoholfreie Getränke 95 Punkte.
Mindestens ebenso aussagekräftig ist die internationale Präsenz: Die Weine werden von spezialisierten Naturwein-Importeuren in den USA, Irland und weiteren Märkten geführt – für ein junges Gut aus dem Remstal keine Selbstverständlichkeit. Leon Gold gehört damit zu den Betrieben, die das Bild von Württemberg als Rotweinland behutsam neu zeichnen.
