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Weingut Kress – Burgunder und Müller-Thurgau vom Überlinger See

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
1. August 2026
kressbadenweißburgunder

Weingut Kress in Überlingen am Bodensee: rund 32,5 Hektar mit Burgundersorten, Müller-Thurgau und Auxerrois. Geschichte, Stil, Lagen und Steckbrief im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Familienweingut in Überlingen am Bodensee – in der südlichsten und höchstgelegenen Weinbauregion Deutschlands.
  • 2Rund 32,5 Hektar Rebfläche zwischen Überlingen und Hagnau, in Höhenlagen von etwa 400 bis 500 Metern.
  • 3Kristin und Thomas Kress machten sich 2001 selbstständig – nach Jahren im Winzerverein Hagnau.
  • 4Seit 2013 bewirtschaftet die Familie die historischen Rebflächen des Überlinger Spital- und Spendfonds.
  • 5Die Rotwein-Cuvée Fetter Schnitt wurde beim Concours International de Lyon 2021 als bester Wein des Wettbewerbs ausgezeichnet.

Steckbrief

Region
Baden – Bodensee, Überlingen, Deutschland
Gegründet
2001 als eigenständiges Weingut; Weinbau in der Familie seit drei Generationen
Inhaber / Winzer
Familie Kress – Kristin und Thomas Kress mit Viola, Johannes und Steffen Kress
Rebfläche
rund 32,5 Hektar zwischen Überlingen und Hagnau, etwa 400 bis 500 Meter Höhe
Leitrebsorten
Weißburgunder, Grauburgunder, Müller-Thurgau, Auxerrois, Spätburgunder, Chardonnay
Weinstile
überwiegend trockene Weiß-, Rosé- und Rotweine, dazu Sekt, Perlwein und Brände
Klassifikation
kein VDP, keine Bio-Zertifizierung; naturnahe Bewirtschaftung mit dauerhafter Begrünung
Besonderheit
Bewirtschafter der Spital-Rebflächen Überlingen; Rotwein-Cuvée Fetter Schnitt als bester Wein des Concours International de Lyon 2021

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Zusammenfassung

Das Weingut Kress in Überlingen am Bodensee ist ein Familienbetrieb im wohl ungewöhnlichsten Weinbaugebiet Deutschlands: Der Bodensee ist zugleich die südlichste und die höchstgelegene deutsche Weinbauregion. Auf rund 32,5 Hektar zwischen Überlingen und Hagnau wachsen vor allem Burgundersorten – Weißburgunder, Grauburgunder und Spätburgunder – dazu Müller-Thurgau, Auxerrois und Chardonnay. Kristin und Thomas Kress machten sich 2001 selbstständig; seit 2013 bewirtschaftet die Familie zusätzlich die historischen Rebflächen des Überlinger Spital- und Spendfonds. Der Stil ist handwerklich, trocken und sortentypisch – Weine, die die kühle, seenahe Handschrift ihrer Herkunft tragen.

Geschichte

Der Weinbau gehört bei den Kress seit drei Generationen zur Familie. Lange lieferten sie ihre Trauben an den Winzerverein Hagnau, eine der ältesten Winzergenossenschaften Badens. 2001 wagten Kristin und Thomas Kress den Schritt in die Selbstständigkeit und begannen, ihre Weine unter eigenem Namen auszubauen und zu vermarkten – zunächst von Hagnau aus.

Die entscheidende Weichenstellung kam 2013. Der Spital- und Spendfonds Überlingen, eine Stiftung des öffentlichen Rechts, schrieb die Bewirtschaftung seiner Rebflächen öffentlich aus. Es handelt sich um eine der größten zusammenhängenden Rebflächen der Bodenseestädte, deren Weinbautradition bis ins Mittelalter zurückreicht – mittelalterliche Kellergewölbe in der Überlinger Altstadt zeugen bis heute davon. Der Gemeinderat entschied sich nach festgelegten Kriterien für die Familie Kress. Seither firmiert der Betrieb von Überlingen aus; ein Teil der Weine wird als spitälischer Wein aus Überlingen vermarktet.

Mit dem Wechsel rückte auch die nächste Generation nach: Viola, Johannes und Steffen Kress arbeiten im Betrieb mit. Viola Kress verantwortet Verwaltung und Vertrieb und brachte dafür internationale Erfahrung aus Stationen in Hongkong und London mit. Die Vinothek in der Mühlbachstraße in Überlingen ist heute Anlaufstelle für Verkostungen und Beratung.

Lage & Terroir

Der Bodensee ist ein Sonderfall im deutschen Weinbau: südlichste und zugleich höchstgelegene Weinbauregion des Landes. Die Reben von Kress stehen in Höhen von etwa 400 bis 500 Metern – Lagen, die in anderen Anbaugebieten längst zu kühl wären.

Ausgleich schafft der See selbst. Die riesige Wassermasse wirkt als Wärmespeicher: Sie mildert Spätfröste im Frühjahr, hält die Nächte im Herbst länger warm und verlängert damit die Reifezeit. Hinzu kommt der Föhn, der warme Fallwind aus den Alpen, der für zusätzliche Sonnenstunden und trockene Luft sorgt. Das Ergebnis ist ein mildes, aber nie heißes Klima – ideal für Weine mit klarer Frucht und lebendiger Säure.

Die Weinberge verteilen sich auf mehrere voneinander getrennte Bereiche zwischen Überlingen und Hagnau, die sich in Bodenstruktur und Ausrichtung deutlich unterscheiden. Prägend sind die von den eiszeitlichen Gletschern hinterlassenen Moränenböden mit ihrem Gemisch aus Kies, Sand, Lehm und Geröll – Böden, die gut durchlüftet sind und Wasser dosiert abgeben.

Stil & Philosophie

Kress versteht sich als handwerklicher Familienbetrieb und stellt die Sortentypizität in den Mittelpunkt: Die Weine sollen zeigen, was Rebsorte und Bodensee-Herkunft hergeben, nicht was der Keller draufsetzt. Der weit überwiegende Teil des Sortiments ist trocken ausgebaut.

Im Weinberg setzt die Familie auf eine ausgeprägte Dauerbegrünung: Zwischen den Rebzeilen wächst nach eigener Darstellung eine breite Pflanzenvielfalt, die den Boden lockert, Stickstoff bereitstellt und Lebensraum für Insekten schafft. Eine formelle Bio-Zertifizierung führt das Gut nicht, wohl aber den Anspruch, im Einklang mit dem Naturraum Bodensee zu arbeiten. Selektive Lese und schonende Verarbeitung gehören zum Selbstverständnis.

Stilistisch stehen die Weißweine für Zug und Klarheit statt Opulenz – eine Handschrift, die der Weinkritiker Stuart Pigott mit den Begriffen Eleganz und Dichte beschrieben hat. Bei den Rotweinen, allen voran dem Spätburgunder, geht es um Frucht und feine Struktur, nicht um Wucht.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment ist überschaubar und klar sortiert. Den Kern bilden die Burgundersorten:

  • Weißburgunder und Grauburgunder – die Aushängeschilder des Guts, trocken und straff
  • Auxerrois – eine am Bodensee typische, mit dem Weißburgunder verwandte Spezialität
  • Müller-Thurgau – die klassische Bodensee-Sorte, leicht und fruchtbetont
  • Chardonnay, darunter ein Wein aus der Lage Goldbach
  • Spätburgunder als Rotwein und als Rosé
  • die Rotwein-Cuvée Fetter Schnitt
  • dazu Riesling, Sekt, Perlwein und Brände

Ergänzt wird das Angebot durch Lagenweine und Sonderabfüllungen; ein Teil der Weine trägt den Bezug zum Überlinger Spital.

Auszeichnungen

Der bislang größte internationale Erfolg gelang der Rotwein-Cuvée Fetter Schnitt: Sie wurde beim Concours International de Lyon 2021 aus mehreren tausend eingereichten Weinen als bester Wein des Wettbewerbs ausgezeichnet – eine seltene Auszeichnung für ein deutsches Weingut und erst recht für den Bodensee. Auch ein Chardonnay aus der Lage Goldbach des Jahrgangs 2015 wurde international hoch bewertet.

Darüber hinaus wird das Gut regelmäßig in den einschlägigen Weinführern und Wettbewerben geführt und gilt als eine der prägenden Adressen des Weinbaus am Überlinger See.

Häufige Fragen

Wo liegt das Weingut Kress?

Das Weingut hat seinen Sitz in Überlingen am nördlichen Ufer des Bodensees, im Anbaugebiet Baden. Die Weinberge verteilen sich zwischen Überlingen und Hagnau auf rund 32,5 Hektar und liegen in Höhen von etwa 400 bis 500 Metern – damit gehört das Gut zur höchstgelegenen und südlichsten Weinbauregion Deutschlands.

Welche Weine macht das Weingut Kress?

Der Schwerpunkt liegt auf den Burgundersorten – Weißburgunder, Grauburgunder und Spätburgunder – ergänzt durch Müller-Thurgau, Auxerrois, Chardonnay und Riesling. Neben trockenen Weiß-, Rosé- und Rotweinen entstehen Sekt, Perlwein und Brände.

Was hat das Weingut Kress mit dem Überlinger Spital zu tun?

Der Spital- und Spendfonds Überlingen, eine Stiftung des öffentlichen Rechts, besitzt eine der größten Rebflächen der Bodenseestädte. Nach einer öffentlichen Ausschreibung wählte der Überlinger Gemeinderat 2013 die Familie Kress als Bewirtschafter aus. Ein Teil der Weine wird seither als spitälischer Wein aus Überlingen vermarktet.

Ist das Weingut Kress ein VDP- oder Bio-Betrieb?

Nein, das Gut ist weder VDP-Mitglied noch als Bio-Weingut zertifiziert. Es arbeitet nach eigener Darstellung betont naturnah: Zwischen den Rebzeilen wächst eine vielfältige Begrünung, die den Boden lockert, Stickstoff liefert und die Artenvielfalt fördert.

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