Zusammenfassung
Cielo e Terra mit Sitz in Montorso Vicentino in der Provinz Vicenza gehört zu den größten und international bekanntesten Weinhäusern des Veneto. Was 1908 als kleiner Familienbetrieb begann, ist heute ein Unternehmen, das jährlich weit über 30 Millionen Flaschen verkauft – und zwar in einer Konstruktion, die es so nur selten gibt: Seit 1999 arbeitet die Familie Cielo mit der Winzergenossenschaft Cantine dei Colli Berici unter einem Dach. Der Name bringt das auf den Punkt: Cielo steht für die Familie, Terra für die Winzer, die den Boden bewirtschaften. Bekannt ist das Haus vor allem für zugängliche, fruchtbetonte Weine – allen voran Freschello – sowie für seinen Prosecco.
Geschichte
Die Geschichte beginnt 1908, als Giovanni Cielo in der Landschaft westlich von Vicenza einen kleinen Hof mit Weinbergen erwarb – unweit der beiden Burgen bei Montecchio Maggiore, die im Volksmund als Burgen von Romeo und Julia gelten. Aus dem Bauernbetrieb wurde über die Generationen ein Weinhaus.
Den entscheidenden Sprung machte die zweite und dritte Generation: Piero Cielo baute gemeinsam mit seinen drei Söhnen Giovanni, Renzo und Piergiorgio ab 1962 in Montorso Vicentino eine moderne Kellerei, mit der das Haus erstmals landesweit vertrieb. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Cielo zu einem der reichweitenstärksten italienischen Weinvermarkter.
Der zweite Wendepunkt kam 1999. Nach Jahren der Vertriebskooperation schlossen sich die Familienfirma Cielo und die 1951 gegründete Genossenschaft Cantine dei Colli Berici zusammen – aus den zwei Häusern wurde Cielo e Terra. Ziel war eine gerechtere und stabilere Wertschöpfungskette: Die Winzer bekamen einen verlässlichen Absatz, das Weinhaus eine gesicherte Traubenbasis. 2010 ging die Genossenschaft im größeren Verbund Collis Veneto Wine Group auf, zu dem auch Betriebe im Veronese gehören. 2021 erwarb das Unternehmen die Villa La Favorita, einen Landsitz im palladianischen Stil, und machte sie zum Firmensitz und Ort für Gäste. Heute führen Luca und Pierpaolo Cielo das Haus in vierter Generation.
Lage & Terroir
Montorso Vicentino liegt im Val d'Agno westlich von Vicenza, zwischen den Colli Berici im Süden und den Monti Lessini im Norden. Die Region ist geologisch bemerkenswert vielfältig: Die Colli Berici sind ein isoliertes Hügelmassiv aus Kalkstein mit eingelagertem Vulkangestein, während weiter östlich und nördlich – Richtung Gambellara und Soave – Basalt vulkanischen Ursprungs dominiert. Genau diese Böden geben der Garganega ihre salzige Frische und den typisch mandeligen Nachhall.
Auf den schwemmlandgeprägten Ebenen zwischen den Hügeln reifen die Sorten für die volumenstarken Linien: Pinot Grigio, Chardonnay, Merlot und Cabernet. Aus dem Veronese, also aus dem Valpolicella-Gebiet, stammen die Corvina und Rondinella für Ripasso- und Amarone-Weine. Das Klima ist gemäßigt-kontinental, mit dem mildernden Einfluss des Gardasees im Westen und der Voralpen als Wetterschutz im Norden.
Stil & Philosophie
Cielo e Terra verfolgt keinen Lagen-, sondern einen Markenansatz: Für jede Zielgruppe und Preislage gibt es ein eigenes Etikett, hinter dem eine klar definierte Stilistik steht. Gemeinsam ist allen Linien eine sehr saubere, technisch präzise Kellerarbeit mit früher Trinkreife, moderater Extraktion und viel Frucht. Reduktive Weißweinbereitung bei kontrollierter Temperatur ist der Standard, Holz spielt nur in den oberen Linien eine Rolle.
Der zweite Pfeiler ist Nachhaltigkeit – und hier geht das Haus weiter als die meisten Erzeuger dieser Größenordnung. Cielo e Terra ist als B Corporation zertifiziert, also nach einem Standard, der Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistung eines Unternehmens misst; hinzu kommt die italienische Weinbau-Zertifizierung VIVA. Dahinter steht die Logik des Zusammenschlusses: Wenn die Winzer Miteigentümer sind, lohnt sich langfristiges Denken im Weinberg.
Bekannte Lagen & Weine
Das Portfolio ist nach Marken gegliedert:
- Freschello – die bekannteste Linie des Hauses: leichte, unkomplizierte Weiß-, Rosé- und Rotweine, seit über drei Jahrzehnten am Markt
- Bericanto – die Prosecco-Marke aus der Zusammenarbeit mit den Winzern des Vicentino, mit dem Kalkstein der Berici als Namenspate
- Cielo 1908 – die historische Familienmarke mit stillen, perlenden und schäumenden Weinen
- Casa Defrà – Weine aus dem Kerngebiet der Colli Berici
- Baccolo, Gran Passaia und De Conti – kräftigere Rotweine im Appassimento-Stil, teils aus dem Valpolicella-Gebiet
- 3 Passo und Maestro – Linien aus Mittel- und Süditalien, unter anderem mit Primitivo und Negroamaro
- Pradio – ein Familiengut im Friaul
- Bella Storia – Bio-Weine, deren Erlös zum Teil in soziale und ökologische Projekte fließt
Große Einzellagen im klassischen Sinn spielen hier keine Rolle: Die Herkunft wird über die Appellation kommuniziert – Prosecco DOC, Colli Berici DOC, delle Venezie DOC, Valpolicella Ripasso DOC und Amarone della Valpolicella DOCG.
Auszeichnungen
Die Schaumweine des Hauses schneiden bei internationalen Wettbewerben regelmäßig gut ab. Der Bericanto Prosecco DOC Brut erhielt bei der Falstaff Prosecco Trophy 2021 87 Punkte; bei den Sommeliers Choice Awards 2021 wurden sowohl der Bericanto Prosecco Spumante als auch der Cielo Prosecco Spumante DOC mit Silber ausgezeichnet. Über einzelne Medaillen hinaus wiegt aber die Nachhaltigkeitsbilanz schwerer: Die B-Corp-Zertifizierung, erstmals 2020 erreicht und 2025 erneuert, macht Cielo e Terra zu einem der wenigen italienischen Weinunternehmen mit diesem Siegel.
