Zusammenfassung
Das Weingut Ziereisen in Efringen-Kirchen gehört zu den meistdiskutierten Kultadressen der Weinregion Baden. Im südlichen Markgräflerland, nur einen Steinwurf von der Schweizer Grenze entfernt, haben Hanspeter und Edeltraud Ziereisen ihren Betrieb seit 1991 von einem winzigen elterlichen Mischbetrieb auf heute rund 21 Hektar ausgebaut. Bekannt wurde das Gut vor allem dafür, den oft belächelten Gutedel zu einem großen, lagerfähigen Weißwein zu veredeln – der Gutedel „10 hoch 4“ war der erste seiner Sorte mit 100 Gault&Millau-Punkten. Dazu kommen kraftvolle Spätburgunder und ein seltener deutscher Syrah. Fast alles läuft bewusst als „Landwein“, jenseits von VDP und amtlichen Lagenprädikaten.
Geschichte
Die Wurzeln des Guts liegen in einem kleinen landwirtschaftlichen Mischbetrieb, den Hanspeter Ziereisens Eltern in Efringen-Kirchen führten – mit gerade einmal rund einem halben Hektar Reben. Hanspeter Ziereisen selbst lernte zunächst Zimmermann und kam als weitgehend autodidaktischer Winzer zum Wein. 1991 fiel die Entscheidung, konsequent auf ein eigenes Weingut zu setzen.
In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Betrieb Schritt für Schritt durch Zukäufe und Pacht auf heute rund 21 Hektar. Gemeinsam mit seiner Frau Edeltraud formte Hanspeter Ziereisen aus dem einstigen Nebenerwerbsbetrieb eine international beachtete Kultadresse. Spätestens seit den 2010er-Jahren gilt das Gut als eines der spannendsten Deutschlands – nicht zuletzt, weil es die Region und die Rebsorte Gutedel neu definiert hat.
Lage & Terroir
Efringen-Kirchen liegt im südlichsten Zipfel des Markgräflerlands, der wärmsten Ecke Badens, nahe Basel und dem Dreiländereck. Das Klima ist mild und sonnig, die Vegetationsperiode lang – ideale Bedingungen für vollreife, aber dennoch frische Weine.
Herzstück der Weinberge ist der Efringer Ölberg. Prägend sind hier kalkreiche Böden mit Jurakalk und Lösslehm; im Untergrund findet sich häufig der namengebende Halbedelstein Jaspis, nach dem Ziereisen seine besten Weine benennt. Die Kombination aus Kalk, Wärme und alten Reben verleiht den Weinen ihre Mineralität, ihren Zug und ihr Reifepotenzial. Statt amtlicher Einzellagen bewahren die Weine alte Flurnamen wie Steingrüble, Tschuppen, Schulen, Rhini oder Gestad.
Stil & Philosophie
Die Handschrift des Guts ist bewusst naturnah und geduldig. Die Trauben werden spontan mit den weinbergseigenen Hefen vergoren, die Weine reifen anschließend über einen langen Zeitraum – oft 12 bis 22 Monate – auf der Feinhefe im kleinen und großen Holzfass. Gefüllt wird in der Regel ungeschönt und unfiltriert, um dem Wein möglichst wenig von seiner Substanz zu nehmen.
Zentral ist Ziereisens Haltung zum Gutedel: Die in Baden weit verbreitete, oft als leicht und einfach abgetane Sorte wird hier als großer, dichter und lagerfähiger Weißwein interpretiert. Ebenso wichtig ist der Spätburgunder, der etwa die Hälfte der Rebfläche einnimmt und in einem kraftvollen, burgundisch inspirierten Stil ausgebaut wird. Der Syrah vom Gestad schließlich ist eine Rarität – einer der ernsthaftesten Vertreter dieser Rebsorte in Deutschland. Der konsequente Verzicht auf VDP und amtliche Prädikate ist Programm: Ziereisen deklariert seine Weine fast durchweg als „Landwein“.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment reicht von zugänglichen Gutsweinen bis zu den raren „Jaspis“-Weinen an der Spitze. Zu den bekanntesten Weinen und Flurnamen zählen:
- Gutedel „10 hoch 4“ (Jaspis) – der Kultwein des Guts, benannt nach der Zahl der Hefezellen je Milliliter
- Gutedel „Steingrüble“ – ein tiefer, mineralischer Gutedel aus Kalkboden
- Spätburgunder „Rhini“ und „Schulen“ – kraftvolle, langlebige Rotweine
- Syrah „Gestad“ – seltener, würziger deutscher Syrah
- Weißburgunder „Lügle“ und weitere Weine unter alten Flurnamen
Die „Jaspis“-Linie steht dabei jeweils für die konzentriertesten und langlebigsten Weine des Guts.
Auszeichnungen
Der Durchbruch in die absolute Spitze gelang Ziereisen mit dem Gutedel: 2015 bewertete der Weinführer Gault&Millau den Gutedel „10 hoch 4“ als ersten Gutedel überhaupt mit der Höchstnote von 100 Punkten – ein Paukenschlag für eine bis dahin unterschätzte Rebsorte. 2019 nahm Gault&Millau das Gut in die exklusive Kategorie „World Class“ auf, der in Deutschland nur rund 20 Weingüter angehören. Bis heute zählt Ziereisen zu den begehrtesten und höchstbewerteten Erzeugern Badens und hat maßgeblich dazu beigetragen, das Markgräflerland und den Gutedel neu auf die Landkarte des großen deutschen Weins zu setzen.
