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Weingut Ziereisen – Kult-Gutedel und Spätburgunder aus dem Markgräflerland

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
18. Juli 2026
ziereisenbadengutedel

Weingut Ziereisen in Efringen-Kirchen: Kult-Gutedel „10 hoch 4“, Spätburgunder und Syrah als Landwein. Geschichte, Stil, Steckbrief und Lagen im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Kultweingut aus dem Markgräflerland – Hanspeter und Edeltraud Ziereisen bauten den Betrieb ab 1991 aus dem elterlichen Mischbetrieb auf.
  • 2Rund 21 Hektar, überwiegend rund um den Efringer Ölberg, mit etwa der Hälfte Spätburgunder.
  • 3Der Gutedel „10 hoch 4“ (Jaspis) wurde 2015 als erster Gutedel überhaupt von Gault&Millau mit 100 Punkten bewertet.
  • 4Bewusster Verzicht auf VDP und amtliche Lagenprädikate – fast alle Weine laufen als „Landwein“ unter alten Flurnamen.
  • 5Naturnaher Ausbau: Spontangärung, 12 bis 22 Monate im Holzfass auf der Feinhefe, unfiltriert und ungeschönt gefüllt.

Steckbrief

Region
Baden – Efringen-Kirchen (Markgräflerland), Deutschland
Gegründet
ab 1991 durch Hanspeter Ziereisen aus dem elterlichen Mischbetrieb
Inhaber / Winzer
Hanspeter und Edeltraud Ziereisen
Rebfläche
rund 21 Hektar, überwiegend am Efringer Ölberg
Leitrebsorten
Gutedel, Spätburgunder, Syrah (dazu Weiß- und Grauburgunder, Chardonnay)
Weinstile
naturnah ausgebaute, trockene Weiß- und Rotweine mit langer Holzreife
Klassifikation
kein VDP; fast alle Weine als „Landwein“ deklariert
Besonderheit
Kult-Gutedel „10 hoch 4“; „Jaspis“ als Bezeichnung der Spitzenweine

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Zusammenfassung

Das Weingut Ziereisen in Efringen-Kirchen gehört zu den meistdiskutierten Kultadressen der Weinregion Baden. Im südlichen Markgräflerland, nur einen Steinwurf von der Schweizer Grenze entfernt, haben Hanspeter und Edeltraud Ziereisen ihren Betrieb seit 1991 von einem winzigen elterlichen Mischbetrieb auf heute rund 21 Hektar ausgebaut. Bekannt wurde das Gut vor allem dafür, den oft belächelten Gutedel zu einem großen, lagerfähigen Weißwein zu veredeln – der Gutedel „10 hoch 4“ war der erste seiner Sorte mit 100 Gault&Millau-Punkten. Dazu kommen kraftvolle Spätburgunder und ein seltener deutscher Syrah. Fast alles läuft bewusst als „Landwein“, jenseits von VDP und amtlichen Lagenprädikaten.

Geschichte

Die Wurzeln des Guts liegen in einem kleinen landwirtschaftlichen Mischbetrieb, den Hanspeter Ziereisens Eltern in Efringen-Kirchen führten – mit gerade einmal rund einem halben Hektar Reben. Hanspeter Ziereisen selbst lernte zunächst Zimmermann und kam als weitgehend autodidaktischer Winzer zum Wein. 1991 fiel die Entscheidung, konsequent auf ein eigenes Weingut zu setzen.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Betrieb Schritt für Schritt durch Zukäufe und Pacht auf heute rund 21 Hektar. Gemeinsam mit seiner Frau Edeltraud formte Hanspeter Ziereisen aus dem einstigen Nebenerwerbsbetrieb eine international beachtete Kultadresse. Spätestens seit den 2010er-Jahren gilt das Gut als eines der spannendsten Deutschlands – nicht zuletzt, weil es die Region und die Rebsorte Gutedel neu definiert hat.

Lage & Terroir

Efringen-Kirchen liegt im südlichsten Zipfel des Markgräflerlands, der wärmsten Ecke Badens, nahe Basel und dem Dreiländereck. Das Klima ist mild und sonnig, die Vegetationsperiode lang – ideale Bedingungen für vollreife, aber dennoch frische Weine.

Herzstück der Weinberge ist der Efringer Ölberg. Prägend sind hier kalkreiche Böden mit Jurakalk und Lösslehm; im Untergrund findet sich häufig der namengebende Halbedelstein Jaspis, nach dem Ziereisen seine besten Weine benennt. Die Kombination aus Kalk, Wärme und alten Reben verleiht den Weinen ihre Mineralität, ihren Zug und ihr Reifepotenzial. Statt amtlicher Einzellagen bewahren die Weine alte Flurnamen wie Steingrüble, Tschuppen, Schulen, Rhini oder Gestad.

Stil & Philosophie

Die Handschrift des Guts ist bewusst naturnah und geduldig. Die Trauben werden spontan mit den weinbergseigenen Hefen vergoren, die Weine reifen anschließend über einen langen Zeitraum – oft 12 bis 22 Monate – auf der Feinhefe im kleinen und großen Holzfass. Gefüllt wird in der Regel ungeschönt und unfiltriert, um dem Wein möglichst wenig von seiner Substanz zu nehmen.

Zentral ist Ziereisens Haltung zum Gutedel: Die in Baden weit verbreitete, oft als leicht und einfach abgetane Sorte wird hier als großer, dichter und lagerfähiger Weißwein interpretiert. Ebenso wichtig ist der Spätburgunder, der etwa die Hälfte der Rebfläche einnimmt und in einem kraftvollen, burgundisch inspirierten Stil ausgebaut wird. Der Syrah vom Gestad schließlich ist eine Rarität – einer der ernsthaftesten Vertreter dieser Rebsorte in Deutschland. Der konsequente Verzicht auf VDP und amtliche Prädikate ist Programm: Ziereisen deklariert seine Weine fast durchweg als „Landwein“.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment reicht von zugänglichen Gutsweinen bis zu den raren „Jaspis“-Weinen an der Spitze. Zu den bekanntesten Weinen und Flurnamen zählen:

  • Gutedel „10 hoch 4“ (Jaspis) – der Kultwein des Guts, benannt nach der Zahl der Hefezellen je Milliliter
  • Gutedel „Steingrüble“ – ein tiefer, mineralischer Gutedel aus Kalkboden
  • Spätburgunder „Rhini“ und „Schulen“ – kraftvolle, langlebige Rotweine
  • Syrah „Gestad“ – seltener, würziger deutscher Syrah
  • Weißburgunder „Lügle“ und weitere Weine unter alten Flurnamen

Die „Jaspis“-Linie steht dabei jeweils für die konzentriertesten und langlebigsten Weine des Guts.

Auszeichnungen

Der Durchbruch in die absolute Spitze gelang Ziereisen mit dem Gutedel: 2015 bewertete der Weinführer Gault&Millau den Gutedel „10 hoch 4“ als ersten Gutedel überhaupt mit der Höchstnote von 100 Punkten – ein Paukenschlag für eine bis dahin unterschätzte Rebsorte. 2019 nahm Gault&Millau das Gut in die exklusive Kategorie „World Class“ auf, der in Deutschland nur rund 20 Weingüter angehören. Bis heute zählt Ziereisen zu den begehrtesten und höchstbewerteten Erzeugern Badens und hat maßgeblich dazu beigetragen, das Markgräflerland und den Gutedel neu auf die Landkarte des großen deutschen Weins zu setzen.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Ziereisen bekannt?

Ziereisen gilt als Kultadresse des Markgräflerlands und hat vor allem den Gutedel zu einem ernstzunehmenden Spitzenwein erhoben. Berühmt sind die als „Jaspis“ vermarkteten Top-Weine – allen voran der Gutedel „10 hoch 4“ – sowie kraftvolle Spätburgunder und ein seltener deutscher Syrah. Charakteristisch ist der naturnahe, langsame Ausbau im Holz.

Warum sind die Weine von Ziereisen nur „Landwein“?

Hanspeter Ziereisen deklariert fast alle Weine bewusst als Landwein und verzichtet auf amtliche Lagenbezeichnungen und Prädikate. Statt offizieller Einzellagen tragen die Weine alte Flurnamen wie Steingrüble, Rhini, Schulen oder Gestad. Für ihn zählt der Inhalt im Glas mehr als die bürokratische Einordnung.

Wo liegt das Weingut Ziereisen?

Das Gut hat seinen Sitz in Efringen-Kirchen im südlichen Markgräflerland, dem südlichsten Zipfel der Weinregion Baden, nahe der Schweizer Grenze bei Basel. Die Weinberge liegen überwiegend rund um den Efringer Ölberg.

Ist Ziereisen ein VDP-Weingut?

Nein. Ziereisen ist kein Mitglied im VDP und arbeitet ganz bewusst außerhalb des Klassifikationssystems. Trotzdem – oder gerade deshalb – zählt das Gut zu den höchstbewerteten und begehrtesten Adressen Badens.

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