Zusammenfassung
Das Weingut Umathum in Frauenkirchen zählt zu den prägenden Rotweinadressen Österreichs. Am Ostufer des Neusiedler Sees im nördlichen Burgenland bewirtschaftet Josef Umathum rund 40 Hektar, davon etwa 85 Prozent mit den heimischen roten Sorten Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent. Umathum gehört zu jener Generation, die den österreichischen Rotwein ab den späten 1980er-Jahren international sichtbar gemacht hat – allerdings nie über Kraft und Konzentration, sondern über Finesse, Frische und Herkunft. Seit Mitte der 2000er-Jahre wird der Betrieb biodynamisch geführt und ist nach Demeter zertifiziert.
Geschichte
Die Familie Umathum stammt ursprünglich aus Franken und siedelte sich zur Zeit Maria Theresias in der Region um den Neusiedler See an. Der heutige Betrieb geht auf das Jahr 1958 zurück, als Elisabeth und Johann Umathum in Frauenkirchen einen gemischten Landwirtschaftsbetrieb gründeten. Zunächst dominierten Zuckerrüben und Getreide; der Weinbau war nur ein Standbein unter mehreren.
Die Wende kam mit Josef Umathum (geboren 1960), der 1985 die Betriebsführung übernahm und das Unternehmen 1987 vollständig auf Wein ausrichtete. Umathum interessierte sich früh für die autochthonen roten Sorten der Region, zu einer Zeit, als viele Betriebe im Burgenland auf internationale Sorten setzten. Schon 1990 kürte ihn die Zeitschrift Falstaff zum Winzer des Jahres.
In den folgenden Jahrzehnten kamen zwei Entwicklungen dazu, die den Betrieb bis heute prägen: die Rekonstruktion der Terrassenlage Joiser Kirschgarten im Jahr 2001 und die Umstellung auf biodynamischen Weinbau ab Mitte der 2000er-Jahre mit anschließender Demeter-Zertifizierung. Parallel initiierte Josef Umathum 2002 gemeinsam mit Wolfgang Peck das Projekt Zantho in Andau – eine eigenständige Marke mit Fokus auf zugängliche Sortenweine.
Lage & Terroir
Frauenkirchen liegt im Seewinkel, der flachen Ebene östlich des Neusiedler Sees. Das Klima ist ausgesprochen pannonisch: heiße, trockene Sommer, kalte Winter, viel Sonne. Der große, flache Neusiedler See wirkt dabei als Temperaturpuffer und Feuchtigkeitsreservoir – ohne ihn wäre der Weinbau hier deutlich schwieriger.
Entscheidend für den Umathum-Stil sind die Böden. Statt schwerer, fetter Lehme prägen karge Kies- und Schotterböden viele der besten Parzellen. Die Ried Hallebühl bei Frauenkirchen ist mit rund 128 Metern die höchste Erhebung östlich des Sees; ihr Boden ist von roten, eisen- und magnesiumreichen Kieseln durchsetzt und liefert konstant feingliedrige, elegante Weine, die nie überladen wirken. Umathum bewirtschaftet dort etwa zwölf Hektar. Auch die Riede Vom Stein steht auf mageren Kiesböden.
Ein Sonderfall sind die Weingärten bei Jois am Nordwestufer des Sees, am Fuß des Leithagebirges. Dort liegen unter anderem Hackelsberg, Jungenberg und der Kirschgarten – letzterer die einzige bewirtschaftete Terrassenlage des Burgenlands, die 2001 wiederhergestellt wurde. Kalkreiche Böden und mehr Hangneigung sorgen hier für eine andere Handschrift als im Seewinkel.
Stil & Philosophie
Josef Umathums Arbeit dreht sich um zwei Ideen: Herkunft und Zurückhaltung. Gelesen wird ausschließlich von Hand, die Kellerarbeit ist bewusst schonend, und ausgebaut wird überwiegend in großen Holzfässern aus österreichischer Eiche statt in kleinen neuen Barriques. Das Ergebnis sind Rotweine mit moderatem Alkohol, klarer Frucht, feinem Gerbstoff und einer Frische, die sie über viele Jahre trägt – ein Gegenentwurf zum international geprägten, holzbetonten Stil, der in den 1990er- und 2000er-Jahren verbreitet war.
Die biodynamische Bewirtschaftung ist dabei kein Etikett, sondern Grundlage: Begrünung, Kompost, Präparate und der Verzicht auf synthetische Mittel sollen die Böden lebendig halten. Ein weiterer roter Faden ist die Arbeit mit altem Pflanzmaterial: Umathum selektiert Reben aus alten Weingärten, um genetische Vielfalt zu erhalten. Sichtbarster Ausdruck davon ist die Wiederbelebung des Lindenblättrigen, einer fast verschwundenen pannonischen Weißweinsorte, die seit rund 2010 wieder im Sortiment steht.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist überschaubar und klar gegliedert – von Gebiets- und Sortenweinen bis zu den Riedenweinen:
- Ried Hallebühl – Zweigelt aus der höchsten Erhebung östlich des Sees; der bekannteste Wein des Guts
- Haideboden – rote Cuvée aus Zweigelt, Blaufränkisch und Cabernet Franc; die Bezeichnung verwendete das Gut erstmals 1991
- Ried Vom Stein – Rotwein von kargen Kiesböden bei Frauenkirchen
- Ried Kirschgarten (Jois) – von der einzigen Terrassenlage des Burgenlands
- Blaufränkisch und St. Laurent als sortenreine Vertreter der burgenländischen Klassiker
- Lindenblättriger – die wiederbelebte historische Weißweinsorte
Auszeichnungen
Josef Umathum wurde bereits 1990 von Falstaff zum Winzer des Jahres gewählt und gilt seither als eine der Referenzadressen für österreichischen Rotwein. Das Gut ist in den führenden Weinführern durchgehend hoch bewertet und international breit gelistet – vor allem in Märkten, die eher den feingliedrigen, terroirbetonten Rotweinstil suchen. Sein Einfluss reicht über den eigenen Betrieb hinaus: Die frühe Konzentration auf Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent sowie die konsequente Hinwendung zur biodynamischen Arbeit haben im Burgenland Schule gemacht.
