Zusammenfassung
La Spinetta in Castagnole delle Lanze zählt zu den bekanntesten Adressen des Piemont – und zu den wenigen Weingütern, die man schon aus der Ferne am Etikett erkennt: Das Nashorn nach Albrecht Dürers Holzschnitt von 1515 ziert seit Jahrzehnten die Spitzenflaschen der Familie Rivetti. Angefangen hat alles mit Moscato d'Asti; heute stehen kompromisslos ausgebaute Einzellagen-Barbaresco, ein Barolo aus Grinzane Cavour und toskanische Rotweine im Zentrum. Insgesamt bewirtschaftet die Familie rund 165 Hektar in Piemont und Toskana und produziert etwa 650.000 Flaschen pro Jahr.
Geschichte
Die Wurzeln des Guts reichen in die 1960er-Jahre zurück, als Giuseppe Rivetti – genannt „Pin“ – und seine Frau Lidia in Castagnole delle Lanze Landwirtschaft und Weinbau betrieben. Der Schritt zum eigenen, abgefüllten Wein kam 1977 mit einem Moscato d'Asti. Die Moscato-Weine Bricco Quaglia und Biancospino gehören bis heute zum Sortiment – sie machten La Spinetta in Italien früh bekannt, zu einer Zeit, als Moscato eher als Massenware galt.
Erst in den 1980er-Jahren folgte der erste Rotwein, ein Barbera d'Asti aus der Lage Ca' di Pian. Den eigentlichen Ruf begründete 1989 die Cuvée „Pin“ aus Barbera und Nebbiolo, benannt nach dem Vater: ein dichter, im Barrique ausgebauter Wein, der La Spinetta an die Spitze jener Bewegung stellte, die Barbera vom Alltagswein zum ernsthaften Rotwein aufwertete.
Ab Mitte der 1990er-Jahre kamen die Einzellagen-Barbaresco dazu, beginnend mit Gallina (1995), gefolgt von Starderi und Valeirano. Um 2000 stieg die Familie mit einem Betrieb in Grinzane Cavour in die Barolo-Produktion ein, 2001 folgte der Sprung in die Toskana. 2011 übernahm La Spinetta zusätzlich das traditionsreiche Schaumweinhaus Contratto in Canelli; seit 2018 entsteht außerdem Timorasso aus den Colli Tortonesi.
Lage & Terroir
Der Stammsitz liegt in Castagnole delle Lanze, rund 15 Kilometer südlich von Asti, dort wo das Monferrato in die Langhe übergeht. Rund um das Gut prägen Moscato- und Barbera-Weinberge die Hügel – etwa 70 Hektar allein an diesem Standort. Die Böden bestehen überwiegend aus Kalkmergel, oft mit hohem Sandanteil, was den Weinen Duft und Feinheit gibt.
Die Barbaresco-Lagen liegen in den klassischen Gemeinden der Appellation: Gallina, Starderi und Bordini in Neive, Valeirano in Treiso. Die Unterschiede sind deutlich – Gallina auf hellem, sandreichem Kalkmergel bringt duftige, elegante Weine hervor, während der bläulich schimmernde Mergel mit etwas Ton in Starderi für Struktur und griffige Tannine sorgt. Der Barolo entsteht aus der Lage Campè in Grinzane Cavour.
In der Toskana bewirtschaftet die Familie seit 2001 Weinberge in der Provinz Pisa, wo vor allem Sangiovese und Vermentino stehen – ein deutlich wärmeres, maritimer beeinflusstes Terroir als im Piemont.
Stil & Philosophie
La Spinetta gehört zu jenen Gütern, die in den 1990er-Jahren als „modernistisch“ galten: kurze, aber intensive Extraktion, sorgfältige Selektion im Weinberg, konsequent niedrige Erträge und Ausbau im Barrique statt ausschließlich im großen Fass. Über die Jahre hat sich der Stil beruhigt – die Weine sind heute weniger auf Holz als auf Lagencharakter angelegt, behalten aber ihre Dichte und ihr Rückgrat.
Im Weinberg arbeitet das Gut naturnah, mit Begrünung zwischen den Zeilen und Handlese in kleinen Kisten. Die Einzellagen-Weine tragen die Bezeichnung „Vürsù“ und werden nur in Jahrgängen erzeugt, die dem Anspruch genügen. Beim Moscato d'Asti verfolgt La Spinetta einen ebenso ernsthaften Ansatz: leichte, feinperlige Weine mit unter 6 % Vol., die von Traubenqualität statt von Restzucker leben.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment reicht von zugänglichen Alltagsweinen bis zu den großen Nebbiolo-Flaschen:
- Barbaresco Gallina (Neive) – die erste Einzellage des Guts, duftig und elegant
- Barbaresco Starderi (Neive) – strukturiert, mit festem Tanningerüst
- Barbaresco Valeirano (Treiso) – finessenreich und kühler im Ausdruck
- Barbaresco Bordini (Neive) – der zugänglichere Einstieg in die Barbaresco-Reihe
- Barolo Campè (Grinzane Cavour) – der Barolo des Hauses
- „Pin“ – die Cuvée aus Barbera und Nebbiolo von 1989
- Barbera d'Asti Ca' di Pian – der erste Rotwein des Guts
- Moscato d'Asti Bricco Quaglia und Biancospino – die Klassiker der Anfangsjahre
Auszeichnungen
La Spinetta zählt zu den meistausgezeichneten Erzeugern Italiens. Über die Jahre sammelte das Gut zahlreiche Tre Bicchieri des Gambero Rosso – nach verbreiteten Angaben rund drei Dutzend für die verschiedenen Etiketten, darunter mehrfach die Barbaresco-Einzellagen und der Barbera „Pin“. Auch international werden die Nebbiolo-Weine des Hauses regelmäßig hoch bewertet. Über die reinen Punkte hinaus gilt La Spinetta als eines der Güter, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Barbera und Moscato im Piemont heute als ernstzunehmende Weine wahrgenommen werden.
