Zusammenfassung
Das Weingut Kollwentz-Römerhof in Großhöflein zählt zu den meistausgezeichneten Adressen Österreichs. Auf rund 25 Hektar an den Südhängen des Leithagebirges entstehen zwei gleichrangige Spezialitäten: kraftvolle, würzige Rotweine auf Basis von Blaufränkisch – allen voran die Cuvée Steinzeiler – und dicht gewobene Chardonnays aus den Kalkböden der Rieden Gloria, Tatschler und Katterstein. Die Familie ist seit etwa 1775 in Großhöflein ansässig; Anton Kollwentz machte den Betrieb ab den 1960er-Jahren zu einem der Pionierhäuser des modernen österreichischen Weinbaus, sein Sohn Andi Kollwentz führt diese Arbeit seit den 1990er-Jahren mit seiner Frau Heidi fort.
Geschichte
Die Weingärten rund um Großhöflein sind alt: Rieden wie Steinzeiler, Gloria, Tatschler, Dürr und Point finden sich bereits in Urbaren der Herrschaft Forchtenstein aus den Jahren 1569 und 1570. Die Familie Kollwentz selbst ist seit etwa 1775 im Ort ansässig – der Hausname Römerhof verweist auf die lange Siedlungsgeschichte der Gegend.
Zum überregional beachteten Weingut wurde der Betrieb allerdings erst unter Anton Kollwentz (1940–2026). Er war 1963 der erste Produzent außerhalb von Rust und Oggau, der einen Ausbruch erzeugte, und setzte Anfang der 1970er-Jahre im süßweingeprägten Burgenland konsequent auf trockene Weißweine. 1981 pflanzte er als erster Österreicher Cabernet Sauvignon und baute ihn im Barrique aus – für die damalige Zeit ein Bruch mit allen Konventionen. Bereits die ersten Jahrgänge 1983 und 1984 gewannen Falstaff-Auszeichnungen; 1988 wurde Anton Kollwentz von Falstaff zum Winzer des Jahres gekürt. 1995 zählte er zu den Mitbegründern der Vereinigung Renommierte Weingüter Burgenland (RWB), der er rund zehn Jahre vorstand.
Sein Sohn Andi Kollwentz, geboren 1969, kehrte nach der Weinbauschule Klosterneuburg und Praktika in Frankreich 1989 nach Großhöflein zurück, übernahm 1993 die Kellerwirtschaft und leitet das Gut seit 2003 gemeinsam mit seiner Frau Heidi Kollwentz.
Lage & Terroir
Großhöflein liegt am Fuß des Leithagebirges, dem westlichsten Ausläufer des pannonischen Raums. Die Weingärten ziehen sich über nach Süden und Südosten geneigte Hänge und profitieren von einem ausgeprägt pannonischen Klima: heiße, trockene Sommer, hohe Sonnenscheindauer, kühle Nächte durch die Nähe zum Gebirgszug und ein ausgleichender Einfluss des nahen Neusiedler Sees.
Prägend ist der Untergrund. Der Leithakalk – ein muschelreicher Kalksandstein aus dem Urmeer, der in der Region jahrhundertelang als Baustein gebrochen wurde – liefert die Grundlage für die mineralisch straffen Weißweine des Hauses. Daneben finden sich Schiefer- und Glimmerschieferböden sowie schwerere, lehmige Partien, die den Blaufränkisch mit Struktur und Würze versorgen. Diese kleinräumige Vielfalt erklärt, warum Kollwentz aus wenigen Kilometern Umkreis so unterschiedliche Weintypen ziehen kann.
Stil & Philosophie
Die Handschrift des Hauses ist kompromisslos auf Herkunft und Dichte ausgerichtet. Die Erträge sind niedrig, gelesen wird von Hand, und ein großer Teil der Weine vergärt spontan mit den weingartenseigenen Hefen. Die Rotweine mazerieren über drei bis vier Wochen auf der Maische und reifen anschließend rund zwei Jahre in kleinen Fässern aus französischer Eiche – kraftvoll, aber nie plakativ vom Holz dominiert.
Bei den Weißweinen orientiert sich Kollwentz erklärtermaßen am weißen Burgund: Der Chardonnay wird im Holz vergoren und lange auf der Feinhefe ausgebaut, was ihm Textur, Salzigkeit und Reifepotenzial gibt. Der Sauvignon Blanc aus der Ried Steinmühle steht für die kühlere, würzig-kräutrige Seite des Guts. Ergänzt wird das Sortiment durch edelsüße Beeren- und Trockenbeerenauslesen sowie lange gereifte Reserveweine aus der hauseigenen Schatzkammer.
Bekannte Lagen & Weine
Die Weingärten verteilen sich auf zahlreiche historische Rieden rund um Großhöflein:
- Steinzeiler – Namensgeber der roten Spitzencuvée aus Blaufränkisch mit Cabernet Sauvignon und Zweigelt, seit 1986 das Flaggschiff des Guts
- Gloria – mit rund 300 bis 325 Metern die höchstgelegene Riede des nördlichen Burgenlands, Herkunft des gleichnamigen Chardonnay
- Tatschler und Katterstein – südostexponierte Kalklagen, Basis der beiden anderen großen Chardonnays
- Point und Setz – die wichtigsten Blaufränkisch-Rieden, die auch in Steinzeiler und Eichkogel einfließen
- Neusatz, Dürr, Spiegeln und Steinmühle – Letztere ist die Sauvignon-Blanc-Lage des Hauses
- Eichkogel – keine Einzellage, sondern eine Cuvée aus Blaufränkisch und Zweigelt, die die beerige Würze der einen mit der Samtigkeit der anderen Sorte verbindet
Auszeichnungen
Kollwentz wird von den führenden österreichischen Weinführern Falstaff und Vinaria mit der Höchstnote von fünf Sternen geführt; Falstaff-Chefkritiker Peter Moser bezeichnete Andi Kollwentz als Zehnkämpfer unter Österreichs Winzern. Die Chardonnays aus Tatschler, Neusatz und Gloria haben die Falstaff-Burgunder-Trophy mehrfach gewonnen, der Cabernet Sauvignon 2018 wurde von Falstaff mit 100 Punkten bewertet, und der Chardonnay Gloria 2023 wurde von James Suckling zum österreichischen Wein des Jahres gekürt. Anton Kollwentz selbst erhielt 2007 die Vinaria-Ehrentrophy für sein Lebenswerk und 2021 das Komturkreuz des Landes Burgenland.
