Zusammenfassung
Das Weingut Friedrich Kiefer in Eichstetten am Kaiserstuhl ist ein badisches Familienweingut mit ungewöhnlicher Doppelrolle: Es bewirtschaftet einerseits rund 15 Hektar eigene Reben in der Lage Eichstetter Herrenbuck, andererseits keltert und vermarktet es die Trauben zahlreicher Vertragswinzer aus dem Ort – zusammen deutlich über 100 Hektar. Damit gehört Kiefer zu den größten privaten Weinbaubetrieben Deutschlands, ohne den Charakter eines Familienbetriebs verloren zu haben. Im Zentrum stehen die Burgundersorten des Kaiserstuhls: Spätburgunder, Grauburgunder und Weißburgunder, ergänzt um Müller-Thurgau und aromatische Sorten. Seit 2008 führen Helen und Martin Schmidt das Haus.
Geschichte
Die Geschichte des Guts beginnt 1851 in der Ortsmitte von Eichstetten. Gegründet wurde es von Friedrich Kiefer, einem Lehrer, der aus dem benachbarten Markgräflerland an den Kaiserstuhl gekommen war. Sein Sohn Fritz Kiefer übernahm den Betrieb 1886 und führte ihn bis 1930; anschließend ging das Weingut an seine beiden Schwiegersöhne Gustav König und Friedrich Grafahrend über.
Über die folgenden Jahrzehnte wuchs das Haus weit über die Größe eines typischen Kaiserstühler Familienbetriebs hinaus. Entscheidend dafür war die enge Zusammenarbeit mit Winzerfamilien aus Eichstetten, die ihre Trauben teils schon über mehrere Generationen an Kiefer liefern. Aus dieser Konstruktion entstand ein Betrieb, der die Sorgfalt eines Weinguts mit der Menge eines mittelgroßen Kellereibetriebs verbindet.
Die jüngste Zäsur kam 2008: Martin Schmidt, in Geisenheim ausgebildet und seit 2003 Betriebsleiter des Hauses, übernahm das Weingut gemeinsam mit seiner Frau Helen. Schmidt war in einem ökologisch arbeitenden Weingut aufgewachsen und brachte diese Prägung mit – heute steht neben dem klassischen Kiefer-Sortiment das bio-zertifizierte Ökologische Weingut Schmidt. Inzwischen arbeitet mit Jannis Schmidt die nächste Generation im Betrieb mit.
Lage & Terroir
Eichstetten liegt am Ostrand des Kaiserstuhls, jenem erloschenen Vulkanmassiv in der Oberrheinebene, das zu den wärmsten Weinbaugebieten Deutschlands zählt. Die Kombination aus geschützter Lage zwischen Schwarzwald und Vogesen, hoher Sonnenscheindauer und der Wärmespeicherung der Böden sorgt für eine sehr zuverlässige Traubenreife – ein Grund, warum sich hier die Burgundersorten so wohlfühlen.
Prägend sind zwei Bodentypen. Der Löss, in mächtigen Schichten über dem Vulkangestein abgelagert, ist tiefgründig, kalkhaltig und wasserspeichernd; er bringt füllige, weiche Weißweine mit reifer Frucht hervor. Wo der vulkanische Untergrund näher an die Oberfläche reicht, wirken die Weine straffer, würziger und mineralischer. Die Hauptlage des Guts, der Eichstetter Herrenbuck, ist ein klassischer Lösshang – die Grundlage für den gutseigenen Burgunderstil.
Stil & Philosophie
Der Anspruch des Hauses ist es, Kaiserstühler Herkunft in verschiedenen Preisklassen sauber abzubilden – vom unkomplizierten Literwein bis zum gereiften Lagenwein. Entsprechend breit ist das Sortiment aufgestellt, ohne beliebig zu werden: Das Rückgrat bilden immer die Burgunder.
Die Weißburgunder und Grauburgunder werden überwiegend trocken ausgebaut, mit klarer Frucht, moderatem Alkohol und der für Löss typischen cremigen Textur; die ambitionierteren Abfüllungen reifen teilweise im Holzfass. Beim Spätburgunder setzt das Gut auf Frucht und Trinkfluss statt auf Extraktbrutalität, mit Holzeinsatz nach Maß bei den Reserveweinen. Dazu kommen aromatische Sorten wie Muskateller und Scheurebe, Riesling, Chardonnay sowie ein eigener Sektbereich.
Der zweite Strang ist der ökologische. Mit dem Ökologischen Weingut Schmidt führt die Familie eine vollständig bio-zertifizierte Linie im selben Haus – ein Weg, der zeigt, dass sich beide Arbeitsweisen unter einem Dach organisieren lassen. Ergänzend hat das Gut früh auf pragmatische Verpackungen und den Direktvertrieb gesetzt, unter anderem mit einer eigenen Bag-in-Box-Abfüllung.
Bekannte Lagen & Weine
Die zentrale Lage des Guts ist der Eichstetter Herrenbuck, ein nach Osten und Südosten exponierter Lösshang oberhalb des Orts. Fast alle Lagenweine des Hauses tragen diesen Namen:
- Herrenbuck Grauburgunder – trocken, saftig, mit reifer Steinobstfrucht; die bekannteste Weißweinlinie des Guts
- Herrenbuck Weißburgunder – schlanker und zitrischer, oft als Alltagsklassiker positioniert
- Herrenbuck Spätburgunder – der Rotwein des Hauses, in mehreren Ausbaustufen bis zur im Holz gereiften Reserve
- Müller-Thurgau / Rivaner – leicht, unkompliziert, im Alltagssegment stark vertreten
- Sekt – flaschenvergorene Burgunder-Sekte, unter anderem als Pinot Sekt Brut
- Bio-Weine des Ökologischen Weinguts Schmidt – eigene Lagen- und Charakterweine aus zertifiziert ökologischem Anbau
Auszeichnungen
Das Weingut wird regelmäßig in den deutschen Weinführern geführt: Der Gault&Millau vergab eine rote Traube, Eichelmann und Wein-Plus bewerteten das Gut mit je zwei Sternen. International sammelte Kiefer bei der AWC Vienna mehrere Gold- und Silbermedaillen, und beim Internationalen Grauburgunderpreis erreichte ein Eichstetter Herrenbuck Grauburgunder einen zweiten Platz in seiner Kategorie.
Auch das Fachmagazin Der Feinschmecker hat Weine des Hauses ausgezeichnet, darunter Pinot Sekt und Herrenbuck Spätburgunder; ein Grauburgunder aus der Bio-Linie wurde als EcoWinner prämiert. Wichtiger als einzelne Trophäen ist jedoch die Rolle des Guts für seinen Ort: Über die Zusammenarbeit mit den Eichstetter Vertragswinzern hält Kiefer eine kleinteilige Weinbaustruktur am Leben, die anderswo am Kaiserstuhl längst verschwunden wäre.
