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Weingut Graf Neipperg – Lemberger-Pionier aus Schwaigern in Württemberg

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
23. August 2026
graf neippergwuerttemberglemberger

Weingut Graf Neipperg in Schwaigern: Lemberger und Riesling aus den Monopollagen Neipperger Schlossberg und Schwaigerner Ruthe. Geschichte, Stil und Steckbrief im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Eines der ältesten Weingüter Württembergs – Rebbesitz der Familie ist seit 1248 urkundlich belegt.
  • 2Die Grafen von Neipperg brachten den Lemberger im 18. Jahrhundert nach Württemberg und prägten damit den Rotweinbau der Region.
  • 3Rund 30 Hektar, davon etwa ein Drittel Lemberger und rund 20 % Riesling.
  • 4Drei Monopollagen: Neipperger Schlossberg und Schwaigerner Ruthe (VDP.GROSSE LAGE) sowie Klingenberger Schlossberg.
  • 5VDP-Mitglied seit 1986; die Weine reifen in den historischen Schlosskellern, in denen seit 1702 ausgebaut wird.

Steckbrief

Region
Württemberg – Schwaigern bei Heilbronn, Deutschland
Gegründet
Rebbesitz seit 1248 urkundlich; Ausbau in den Schlosskellern seit 1702
Inhaber / Winzer
Karl-Eugen Graf von Neipperg und Philipp Erbgraf zu Neipperg; Kellermeister Bernd Supp
Rebfläche
rund 30 Hektar
Leitrebsorten
Lemberger (etwa ein Drittel), Riesling (rund 20 %), Spätburgunder
Weinstile
Trockene, im Holzfass gereifte Rotweine; trockene Rieslinge; Traminer und Muskateller
Klassifikation
VDP-Mitglied seit 1986; VDP.GROSSE LAGE Neipperger Schlossberg und Schwaigerner Ruthe
Besonderheit
Die Familie brachte den Lemberger nach Württemberg – bis heute die Leitsorte des Guts

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Zusammenfassung

Das Weingut Graf Neipperg in Schwaigern westlich von Heilbronn zählt zu den ältesten und geschichtsträchtigsten Weingütern Württembergs. Rebbesitz der Familie ist teilweise schon für das Jahr 1248 urkundlich belegt, ausgebaut wird in den Schlosskellern seit 1702. Berühmt ist das Haus vor allem für eine Rebsorte: Die Grafen von Neipperg brachten den Lemberger im 18. Jahrhundert nach Württemberg und legten damit den Grundstein für den wichtigsten Rotwein der Region. Auf rund 30 Hektar – darunter drei Monopollagen – entstehen heute trockene, holzfassgereifte Rotweine, kalkgeprägte Rieslinge und aromatische Spezialitäten.

Geschichte

Die Wurzeln der Familie von Neipperg reichen ins Hochmittelalter zurück. Im 13. Jahrhundert entstand die Stammburg Neipperg am Heuchelberg, deren Türme noch heute über den Weinbergen stehen. Für das Jahr 1248 ist Rebbesitz der Familie urkundlich belegt – damit gehört das Gut zu den ältesten kontinuierlich bewirtschafteten Weinbaubetrieben Deutschlands. Seit 1702 wird in den Kellern des Schlosses Schwaigern ausgebaut, die auf mittelalterlichen Fundamenten ruhen.

Die weinbaulich folgenreichste Entscheidung fiel im 18. Jahrhundert: Die Grafen von Neipperg holten den Lemberger – in Österreich als Blaufränkisch bekannt – nach Württemberg. Was als adelige Rebsortenimport begann, wurde zur Identität einer ganzen Region: Der Lemberger ist heute die Sorte, mit der Württemberg international überhaupt wahrgenommen wird.

Geführt wird das Haus Neipperg heute gemeinsam von Karl-Eugen Graf von Neipperg und Philipp Erbgraf zu Neipperg. Für den Ausbau verantwortlich ist seit vielen Jahren Kellermeister Bernd Supp, dessen Gespür für den maßvollen Einsatz von Holz den Stil des Guts prägt. Ein anderer Zweig der Familie – Stephan von Neipperg – ist seit den 1980er-Jahren in Saint-Émilion in Bordeaux aktiv; die Betriebe werden aber unabhängig voneinander geführt.

Lage & Terroir

Die Weinberge liegen im nördlichen Württemberg zwischen Heuchelberg und Zabergäu, in einem der wärmsten und trockensten Winkel des Anbaugebiets. Prägend sind Keuper- und Muschelkalkböden: Der Kalk gibt den Weißweinen Zug und Salzigkeit, die schweren Keupermergel liefern die Substanz für die Rotweine.

Drei Lagen bewirtschaftet das Gut als Monopol, also allein:

  • Neipperger Schlossberg – die Südhänge direkt unterhalb der Stammburg, klassifiziert als VDP.GROSSE LAGE; hier stehen vor allem Lemberger und Riesling.
  • Schwaigerner Ruthe – etwas mehr als sechs Hektar, ebenfalls VDP.GROSSE LAGE, mit eigenem Kelterhaus; die Lage kam bereits im 13. Jahrhundert an die Neippergs.
  • Klingenberger Schlossberg – als VDP.ERSTE LAGE eingestuft.

In den höheren Lagen stehen bevorzugt Traminer, die Burgundersorten und Schwarzriesling, während Lemberger und Riesling ihr Zentrum am Neipperger Schlossberg haben.

Stil & Philosophie

Der Hausstil ist trocken, klar und lagenbetont. Die Rotweine werden konsequent auf Struktur und Haltbarkeit ausgebaut: lange Maischestandzeiten, Reife im Holzfass – vom traditionellen Stückfass bis zum Barrique – und ein zurückhaltender Umgang mit neuem Holz. Das Ergebnis sind Lemberger mit dunkler Frucht, Würze und feinkörnigem Tannin, die sich deutlich vom weichen, süßlichen Württemberger Klischee absetzen.

Bei den Weißweinen steht der Riesling im Mittelpunkt: auf Muschelkalk gewachsen, straff und mineralisch statt üppig. Eine Besonderheit sind die aromatischen Sorten – Traminer und Muskateller gehören zu den Spezialitäten des Guts, ergänzt durch Weißburgunder. Bei den Roten runden Spätburgunder, Schwarzriesling und Trollinger sowie kleine Mengen internationaler Sorten wie Merlot und Syrah das Sortiment ab.

Bekannte Lagen & Weine

Die Palette ist nach dem VDP-Modell gestaffelt: Gutsweine als Einstieg, Ortsweine aus Schwaigern und Neipperg, darüber die Lagenweine. Die Spitze bilden die Großen Gewächse aus den beiden Großen Lagen:

  • Neipperger Schlossberg Lemberger GG – der Klassiker des Guts, dicht und würzig
  • Neipperger Schlossberg Spätburgunder GG – burgundisch angelegt, mit feiner Kräuterwürze
  • Neipperger Schlossberg Riesling GG – kalkgeprägt und langlebig
  • Schwaigerner Ruthe – Lemberger und Riesling aus der Monopollage mit eigenem Kelterhaus

Ein Markenzeichen im Einstiegssortiment sind die Cuvées P.+P. Rot und P.+P. Weiß, die den Hausstil zugänglich übersetzen.

Auszeichnungen

Graf Neipperg gilt vielen Kritikern als eines der konstantesten Familienweingüter Deutschlands und ist in den führenden Weinführern regelmäßig unter den Spitzenbetrieben Württembergs vertreten. Besonders die Lemberger wurden mehrfach beim Deutschen Rotweinpreis ausgezeichnet – eine Bestätigung dafür, dass die Sorte, die die Familie einst ins Land holte, hier noch immer ihren Maßstab findet.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Graf Neipperg bekannt?

Vor allem für seinen Lemberger. Die Grafen von Neipperg gelten als die Familie, die diese Rebsorte im 18. Jahrhundert nach Württemberg brachte, und der Lemberger ist bis heute die wichtigste Sorte des Guts. Daneben steht Schwaigern für kalkgeprägten Riesling, feinen Spätburgunder und aromatische Spezialitäten wie Traminer und Muskateller.

Wo liegt das Weingut Graf Neipperg?

Der Sitz ist das Schloss in Schwaigern westlich von Heilbronn, im nördlichen Württemberg. Die Weinberge liegen rund um die Stammburg Neipperg am Heuchelberg sowie in Schwaigern – darunter die Monopollagen Neipperger Schlossberg und Schwaigerner Ruthe.

Ist Graf Neipperg ein VDP-Weingut?

Ja. Das Gut gehört seit 1986 dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter an. Zwei seiner Lagen sind als VDP.GROSSE LAGE klassifiziert, aus denen die trockenen Spitzenweine als Großes Gewächs auf den Markt kommen.

Was hat das Gut mit den Bordeaux-Weingütern der Familie zu tun?

Schwaigern ist das deutsche Stammhaus der Familie von Neipperg. Ein Familienmitglied, Stephan von Neipperg, führt seit den 1980er-Jahren mehrere Güter in Saint-Émilion in Bordeaux. Beide Betriebe werden getrennt geführt – gemeinsam ist ihnen der Name und der Anspruch an lagengeprägte Rotweine.

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