Zusammenfassung
Die Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg ist eine Winzergenossenschaft in der Ortenau, dem nördlichen Herzstück des Anbaugebiets Baden. Ihr Stammsitz liegt in Gengenbach am Eingang des Kinzigtals, ein zweiter Schwerpunkt in den Offenburger Weinorten Zell-Weierbach und Fessenbach. Entstanden ist der Betrieb aus einer 1951 gegründeten Genossenschaft, die über mehrere Zusammenschlüsse wuchs und sich 2016 den heutigen Doppelnamen gab. Rund 250 Hektar werden von den Mitgliedsfamilien in kleinen Parzellen bewirtschaftet, der Großteil davon in Handarbeit. Im Glas dominieren die Ortenauer Klassiker: Spätburgunder, Riesling – hier traditionell Klingelberger genannt – sowie Grauburgunder und Müller-Thurgau.
Geschichte
Weinbau ist in dieser Ecke der Ortenau uralt. Als frühen Beleg führt der Betrieb eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 888 an, mit der Kaiserin Richardis dem Benediktinerkloster in Gengenbach den Weinzehnt zusprach. Über Jahrhunderte prägten Klöster und später kleine Familienbetriebe die Hänge zwischen Kinzigtal und Rheinebene – mit dem typischen Ortenauer Zuschnitt: viele Winzer, jeder mit wenigen Parzellen.
Genau diese Kleinteiligkeit führte im 20. Jahrhundert zum Genossenschaftsgedanken. 1951 schlossen sich in Gengenbach Winzer des vorderen Kinzigtals zusammen, um gemeinsam zu keltern, auszubauen und zu vermarkten – überliefert ist eine Gründungsgruppe von rund 50 Betrieben. Der Keller am Ortsrand wurde über die Jahrzehnte ausgebaut und blieb bis heute der Stammsitz.
Der Weg zur Fusion
Wie in vielen deutschen Weinbaugebieten setzte ab den 2000er-Jahren eine Konsolidierung ein: kleinere Genossenschaften fanden keine Nachfolger mehr für ihre Keller und suchten Partner. 2012 kam die Winzergenossenschaft Zell-Weierbach unter das Gengenbacher Dach, 2014 folgte die Genossenschaft in Fessenbach. Weil der alte Firmenname die neue Ausdehnung nicht mehr abbildete, gab sich der Verbund 2016 den heutigen Namen Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg eG – ein Name, der beide Weinlandschaften nennt und mit dem Wort Manufaktur den Anspruch an Handarbeit betont.
Zu Größe und Mitgliederzahl kursieren unterschiedliche Angaben: Je nach Quelle und Stichjahr ist von rund 200 bis 285 Hektar und von etwa 100 bis 370 Winzerfamilien die Rede. Weit verbreitet ist die Größenordnung von rund 250 Hektar und rund 300 Familien; die Tendenz zeigt, wie überall im deutschen Steillagenweinbau, nach unten.
Lage & Terroir
Die Ortenau zieht sich als schmales Band am Fuß des Schwarzwalds entlang, zwischen Baden-Baden im Norden und der Gegend um Lahr im Süden. Sie gilt als der Bereich Badens mit dem klarsten Bergprofil: Die Reben stehen an teils steilen, nach Westen und Süden geneigten Hängen, im Rücken der Wald, vor sich die weite Rheinebene. Das Klima ist mild und sonnenreich, die Nächte dank der Höhenlage aber kühler als in der Ebene – gut für Frische und Säure im Wein.
Prägend ist der Boden: In den Hanglagen dominiert verwittertes Granit- und Gneisgestein, das leichte, würzige und betont mineralische Weine hervorbringt und traditionell als ideale Grundlage für Riesling gilt. In tieferen Zonen und an den Hangfüßen liegen Löss- und Lehmböden, auf denen die Burgundersorten fülliger und weicher ausfallen. Der Betrieb bewirtschaftet zwei unterschiedliche Landschaften: die eher engen, kühleren Hänge am Ausgang des Kinzigtals rund um Gengenbach und die breit nach Westen geöffneten Rebhänge über Offenburg.
Stil & Philosophie
Eine Genossenschaft muss zwei Dinge gleichzeitig können: verlässliche Alltagsweine in Menge und Spitzenweine, die den Namen der Region tragen. Entsprechend gestaffelt ist das Sortiment – vom unkomplizierten Literwein über Guts- und Ortsweine bis zu Lagen- und Selektionsweinen, die im Holz reifen.
Handarbeit ist dabei kein Marketingwort: Nach Angaben des Betriebs werden über 90 Prozent der Trauben von Hand gelesen, was in den kleinparzellierten, oft steilen Ortenauer Hängen ohnehin kaum anders geht. Der Anspruch, Weine „mit Herz und Hand“ zu erzeugen, steckt schon im Namen Manufaktur. Nachhaltigkeit spielt in der Außendarstellung eine große Rolle, ebenso der vegane Ausbau des gesamten Sortiments und eigene Linien, die faire Traubenpreise für die Mitglieder betonen.
Stilistisch bleibt der Betrieb dem Ortenauer Kanon treu: Klingelberger – so heißt der Riesling hier seit dem 18. Jahrhundert, benannt nach dem Klingelberg bei Durbach – als straffer, säurebetonter Weißwein vom Granitverwitterungsboden; Grauburgunder und Ruländer als kräftigere, cremigere Gegenstücke; Müller-Thurgau als leichter Alltagswein; und der Spätburgunder in der ganzen badischen Bandbreite vom hellen Weißherbst über Rosé bis zum dichten, im Holzfass gereiften Rotwein.
Bekannte Lagen & Weine
Der Verbund bündelt Trauben aus mehreren bekannten Lagen der südlichen Ortenau. Dazu zählen:
- Zeller Abtsberg – die Kernlage über dem Offenburger Stadtteil Zell-Weierbach, mit eigener Vinothek am Fuß des Bergs
- Fessenbacher Bergle – steile Hänge über Fessenbach
- Offenburger Kirchherrenberg – Rebhänge im Stadtgebiet von Offenburg
- Ortenberger Freudental – bekannte Lage rund um Ortenberg mit seiner Burg
- Rebflächen im vorderen Kinzigtal rund um Gengenbach
Stilistisch findest du dort das gesamte Ortenauer Repertoire: Klingelberger und Riesling als Aushängeschilder, Grauburgunder mit Schmelz, Spätburgunder von leicht bis kräftig, dazu Rosé, Weißherbst, Sekt und Secco.
Auszeichnungen
Die Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg gehört zu den regelmäßig prämierten Erzeugerbetrieben Badens. Berichtet wird unter anderem, dass der Betrieb 2018 als bester Weinbaubetrieb der Ortenau ausgezeichnet wurde; bei der AWC Vienna, einem der größten internationalen Weinwettbewerbe, wird er als Zwei-Sterne-Betrieb geführt und sammelt dort regelmäßig Gold- und Silbermedaillen. Auch die Vorgängerbetriebe waren erfolgreich: Die Winzergenossenschaft Zell-Weierbach, die 2012 hinzukam, erhielt 2004 den Bundesehrenpreis in Gold – die höchste Auszeichnung der bundesweiten Weinprämierung, die nicht einen Einzelwein, sondern die Qualität des Gesamtsortiments würdigt.
