Zusammenfassung
Die Kellerei St. Pauls (italienisch Cantina San Paolo) ist eine der traditionsreichen Genossenschaftskellereien Südtirols. Ihr Sitz liegt im Dorf St. Pauls, einer Fraktion von Eppan an der Weinstraße, direkt neben der markanten Pfarrkirche im Überetsch. Rund 200 Winzerfamilien liefern hier ihre Trauben aus etwa 185 Hektar Rebfläche ab, die sich über Höhenlagen von 300 bis 700 Metern verteilen. Bekannt geworden ist die Kellerei vor allem mit Weißburgunder – der Plötzner gilt als einer der Referenzweine der Sorte in Italien. Stilistisch geht St. Pauls konsequent den Weg weg von breiter Fülle: gesucht ist eine kühle, knochentrockene Präzision, die das Haus selbst „Bergfrische“ nennt.
Geschichte
Die Genossenschaft wurde 1907 von 36 Weinbauern aus St. Pauls und den Nachbarweilern Missian, Berg und Unterrain gegründet – in einer Zeit, in der sich viele Südtiroler Kleinbetriebe zusammenschlossen, um Kelter, Keller und Vermarktung gemeinsam zu stemmen. Aus dieser Gründungsidee ist über mehr als ein Jahrhundert eine der bekannteren Kellereien des Überetsch geworden, die trotz ihrer Größe einen ausgeprägt dörflichen, familiären Charakter behalten hat.
Ein wichtiger Schritt war 1979 der Einstieg in die klassische Flaschengärung: Seither produziert St. Pauls Sekt unter dem Namen Praeclarus und gehört damit zu den Pionieren des Südtiroler Sekts. Rund 17 Jahre prägte Kellermeister Wolfgang Tratter den heutigen Stil des Hauses, bevor die Kellerei die nächste Generation an den Keller ließ. Heute führt Obmann Bernhard Leimegger die Genossenschaft, die Geschäfte verantwortet Geschäftsführer Alessandro Righi.
Lage & Terroir
St. Pauls liegt im Überetsch, dem Hügelland westlich der Etsch zwischen Bozen und dem Kalterer See. Die Gemeinde Eppan ist eine der wichtigsten Weinbaugemeinden Südtirols und steuert einen erheblichen Teil der Landesproduktion bei. Prägend ist der starke Wechsel der Höhenlagen: Von etwa 300 Metern in den wärmeren Talrandlagen bis auf rund 700 Meter an den Hängen des Mendelmassivs liegen die Parzellen der Mitglieder.
Diese Spreizung ist das eigentliche Kapital der Kellerei. Die tieferen, wärmeren Lagen mit ihren kalkhaltigen Schotter- und Moränenböden liefern die Trauben für Vernatsch, Lagrein und Merlot, während die kühleren Hochlagen mit deutlichen Tag-Nacht-Unterschieden die Säure und Aromatik der Weißweine tragen. Das Zusammenspiel von mediterran beeinflusster Sonneneinstrahlung und alpiner Nachtkühle ist der Grund, warum Südtirol so aromatische und gleichzeitig frische Weißweine hervorbringt – und warum St. Pauls seine Sorten sehr gezielt auf einzelne Höhenbänder verteilen kann.
Stil & Philosophie
Die Handschrift der Kellerei ist ungewöhnlich klar formuliert: weg von generöser Dichte und Breite, hin zu trockener Frische. Restzucker wird bewusst niedrig gehalten, viele Weißweine sind praktisch durchgegoren. Das Ergebnis sind Weine, die nichts überdecken – Sortencharakter, Herkunft und Säure stehen offen da. Die Kellerei selbst bezeichnet dieses Prinzip als „Bergfrische“.
Entsprechend arbeitet der Keller zurückhaltend: Der Großteil der Weißweine wird kühl im Stahltank vergoren, Holz kommt vor allem bei den Reserven und den Rotweinen ins Spiel. Bei den Rotweinen setzt St. Pauls neben dem international geprägten Blauburgunder und Lagrein weiterhin auf die leichten, süffigen Klassiker der Region – St. Magdalener und Kalterersee aus der Vernatsch-Traube –, die vielerorts zugunsten schwererer Sorten aufgegeben wurden.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist in mehreren Linien gestaffelt, von der zugänglichen Basis über Selektionen und Reserven bis zur Spitze:
- Weißburgunder Plötzner – der bekannteste Wein des Hauses, knochentrocken, kühl und mineralisch
- Sanctissimus – Weißburgunder Riserva und Spitze der Weißwein-Pyramide
- Paul – eine weiße Cuvée aus Chardonnay, Weißburgunder und Sauvignon Blanc
- Praeclarus – Sekt aus Chardonnay und Blauburgunder nach klassischer Flaschengärung, mit langer Hefelagerung in einem ehemaligen Bunker unter der Kellerei
- Sauvignon Blanc und Gewürztraminer aus den höheren Lagen
- St. Magdalener und Kalterersee als leichte Vernatsch-Rotweine
Der Plötzner ist dabei mehr als ein Einzelwein: Er ist das stilistische Statement der Kellerei und wird in Fachkreisen regelmäßig als Maßstab für trockenen Pinot Bianco aus Südtirol genannt.
Auszeichnungen
St. Pauls erhält seit Jahren konstant gute Bewertungen in den führenden italienischen und deutschsprachigen Weinführern – darunter Gambero Rosso, Bibenda, Vinum und Falstaff. Besonders die Weißburgunder Plötzner und Sanctissimus sowie die Praeclarus-Sekte tauchen dort verlässlich in den oberen Bewertungsrängen auf. Wichtiger als einzelne Trophäen ist jedoch der Ruf, den sich die Genossenschaft erarbeitet hat: als Adresse, die mit rund 200 kleinen Familienbetrieben im Rücken einen klar erkennbaren, eigenständigen Stil durchhält.
