Zusammenfassung
Das Weingut Rainer Schnaitmann in Fellbach bei Stuttgart gehört zu den Betrieben, die das Bild des württembergischen Weins in den vergangenen drei Jahrzehnten am stärksten verändert haben. Rainer Schnaitmann stammt aus einer Familie mit fast 500 Jahren Weinbaugeschichte, ging aber 1997 mit einem eigenen Gut und einem eigenen Etikett bewusst einen neuen Weg. Auf heute rund 25 Hektar zwischen dem Rand des Stuttgarter Kessels und dem Remstal entstehen trockene Weine aus Lemberger, Spätburgunder, Riesling und Sauvignon Blanc – straff, präzise und klar auf Lagencharakter gebaut. Seit 2013 arbeitet das Gut zertifiziert biologisch und orientiert sich über die Gruppe respekt-BIODYN zunehmend biodynamisch. 2006 wurde Schnaitmann als damals jüngstes Mitglied in den VDP aufgenommen.
Geschichte
Weinbau liegt in der Familie Schnaitmann seit Generationen – nach eigenen Angaben reicht die Tradition rund 500 Jahre zurück, Rainer Schnaitmann selbst wird als 19. Generation gezählt. Der entscheidende Schritt war dennoch ein Neuanfang: 1997 begann er, unter eigenem Namen zu füllen, und baute einen Betrieb auf, der von Anfang an auf Qualität statt Menge und auf trockene Weine statt auf den in Württemberg lange dominierenden leichten Trollinger setzte.
Das Tempo dieser Entwicklung war bemerkenswert. Der Gault&Millau WeinGuide kürte Schnaitmann 2007 zum „Aufsteiger des Jahres“, und bereits 2006 nahm der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) das Gut auf – damals als jüngstes Mitglied des Verbands. Parallel wuchs die Rebfläche von einer knapp zweistelligen Hektarzahl auf heute rund 25 Hektar, und das Sortiment differenzierte sich in Guts-, Orts- und Lagenweine mit den Linien Steinwiege, Lämmler und Simonroth. Ein weiterer Meilenstein war die Umstellung auf den ökologischen Weinbau, die 2013 zertifiziert abgeschlossen war.
Lage & Terroir
Fellbach liegt unmittelbar nordöstlich von Stuttgart, dort wo der Stuttgarter Kessel ins Remstal übergeht. Die Weinberge des Guts verteilen sich über diesen Übergangsraum: neben Fellbach selbst auch auf Stuttgarter Weinlagen wie Untertürkheim, Uhlbach und Rotenberg sowie auf Remstal-Gemeinden wie Strümpfelbach, Schnait und Beutelsbach. Die höchsten Parzellen reichen bis etwa 450 Meter über dem Meer – für württembergische Verhältnisse eine kühle Position, die den Weinen Frische und Säurestruktur erhält.
Geologisch prägen vor allem Kalkmergel und Sandsteinverwitterung die Böden. Der Kalkmergel liefert die salzige, straffe Mineralität, die man in den Weißweinen und in den Lemberger-Lagenweinen wiederfindet; sandigere Verwitterungsböden geben eher Feinheit und Duft. Das milde, im Kessel und im Remstal wärmebegünstigte Klima erlaubt gleichzeitig die vollständige Reife von spät ausreifenden Rotweinsorten wie Lemberger und Cabernet.
Stil & Philosophie
Schnaitmanns Weine sind konsequent trocken und auf Klarheit gebaut. Im Weinberg bedeutet das niedrige Erträge, sorgfältige Laubarbeit und – seit der Bio-Umstellung – den Verzicht auf synthetische Mittel; über die Gruppe respekt-BIODYN flossen zunehmend biodynamische Impulse ein. Rainer Schnaitmann selbst beschreibt seine Handschrift als zurückhaltend und intuitiv: Er will die Sinne wachhalten, statt nach Rezept zu arbeiten.
Im Keller heißt das behutsame Extraktion bei den Rotweinen, langes Hefelager bei den Weißweinen und ein bewusst dosierter Barrique-Einsatz, der die Frucht nicht überdeckt. Die Rotweine – Lemberger und Spätburgunder – haben feines Tannin, kühle Würze und deutlich weniger Süßeschmelz, als es das Klischee des württembergischen Rotweins erwarten ließe. Bei den Weißweinen stehen Riesling und Sauvignon Blanc im Zentrum, ergänzt durch Weiß- und Grauburgunder. Dazu kommen ein handwerklich gemachter Rosé und eine kleine, ambitionierte Sektlinie.
Bekannte Lagen & Weine
Herzstück des Guts ist der Fellbacher Lämmler, eine der bekanntesten Lagen Württembergs und Schnaitmanns Aushängeschild für Lemberger und Spätburgunder. Als VDP.GROSSE LAGE sind für das Gut außerdem klassifiziert:
- Lämmler (Fellbach) – die Signaturlage für Lemberger und Spätburgunder
- Mönchberg (Untertürkheim) und Götzenberg (Uhlbach)
- Altenberg (Strümpfelbach)
- Burghalde (Beutelsbach) und Burghalde (Schnait)
Als VDP.ERSTE LAGE kommen der Fellbacher Goldberg, der Rotenberger Schlossberg und der Beutelsbacher Altenberg hinzu.
Die Weinnamen ordnen das Sortiment: Steinwiege steht für die zugänglichen Weine des Guts, Lämmler für die Lagenweine, und Simonroth – benannt nach dem Gewann im Lämmler, in dem Schnaitmann seine größte zusammenhängende Parzelle bewirtschaftet – für die im Barrique ausgebauten Spitzen-Rotweine. Ergänzt wird das Programm durch Réserve-Abfüllungen und Sekt.
Auszeichnungen
Schnaitmann sammelt seit den 2000er-Jahren konstant Bestnoten. 2005 zählte das Gut zu den „100 besten Weingütern Deutschlands“ einer Auswahl des Magazins Stern, 2007 folgte der Titel „Aufsteiger des Jahres“ im Gault&Millau. 2011 gewann das Gut den Deutschen Spätburgunderpreis sowie eine Sauvignon Blanc Trophy. In den führenden Guides steht Schnaitmann heute in der Spitzengruppe – mit Höchstnoten bei Gault&Millau, Falstaff, Eichelmann, Vinum und dem Feinschmecker; dazu kommen laufend Trophäen und erste Plätze bei Sortenwettbewerben, etwa für Riesling, Sauvignon Blanc, Grauburgunder und Cabernet Franc. Damit steht das Gut sinnbildlich für den Qualitätssprung, den Württemberg in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat.
