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Klosterkellerei Muri-Gries – Lagrein aus dem Benediktinerkloster in Bozen

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
4. September 2026
muri-griessuedtirollagrein

Klosterkellerei Muri-Gries in Bozen-Gries: Benediktinerkloster und Lagrein-Spezialist in Südtirol. Geschichte, Stil, Steckbrief, Lagen und Weine im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Weingut eines lebendigen Benediktinerklosters – seit 1845 führen Mönche aus dem Schweizer Kloster Muri die Stiftsanlage in Bozen-Gries.
  • 2Rund 35 Hektar Rebfläche in und um Bozen sowie im Überetsch rund um Eppan.
  • 3Einer der maßgeblichen Botschafter des autochthonen Lagrein – die Grieser Lagen gelten als klassisches Herkunftsgebiet der Sorte.
  • 4Rund 80 Prozent Rotwein: Lagrein, Vernatsch und Blauburgunder prägen das Sortiment, dazu Weißburgunder, Grauburgunder und Gewürztraminer.
  • 5Aushängeschild ist der Lagrein Riserva „Abtei Muri“ – ein Pionier des Barriqueausbaus bei dieser Rebsorte.

Steckbrief

Region
Südtirol – Bozen-Gries, Italien
Gegründet
Klostergründung als Augustiner-Chorherrenstift im 12. Jahrhundert; seit 1845 Benediktiner aus Muri
Inhaber / Winzer
Benediktinerabtei Muri-Gries; Kellermeister Christian Werth, seit 2026 Manfred Bernard
Rebfläche
rund 35 Hektar in und um Bozen sowie im Überetsch
Leitrebsorten
Lagrein, Vernatsch, Blauburgunder, Weißburgunder, Grauburgunder
Weinstile
Kräftige Lagrein-Rotweine, Lagrein Kretzer Rosé, St. Magdalener, frische Weißweine
Klassifikation
Südtirol DOC / Alto Adige DOC, inklusive Riserva-Qualitäten
Besonderheit
Lagrein Riserva „Abtei Muri“ und die Einzellage Klosteranger im Herzen von Gries

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Zusammenfassung

Die Klosterkellerei Muri-Gries ist eine der ungewöhnlichsten Weinadressen Italiens: Sie gehört zu einem bis heute aktiven Benediktinerkloster mitten in Bozen, im Stadtteil Gries. Auf rund 35 Hektar in und um Bozen sowie im Überetsch entstehen Weine, die den Ruf Südtirols als Heimat des Lagrein wesentlich mitgeprägt haben. Die Grieser Schwemmböden gelten als klassisches Terroir dieser autochthonen Rotweinsorte, und der Lagrein Riserva „Abtei Muri“ zählt seit Jahrzehnten zu ihren Referenzweinen. Rund vier Fünftel der Produktion sind Rotweine; ergänzt wird das Sortiment durch klassische Südtiroler Weißweine.

Geschichte

Die Wurzeln der Anlage reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als in der Bozner Au ein Chorherrenstift der Augustiner gegründet wurde. Weil die Lage in den Auen des Eisack immer wieder überschwemmt wurde, mussten die Chorherren den Standort aufgeben: 1406 überließ ihnen Herzog Leopold IV. von Habsburg die Burg Gries als Ersatz. Dort blieb das Stift bis zu seiner Aufhebung durch die bayerische Verwaltung im Jahr 1807.

Der zweite Strang der Geschichte führt in die Schweiz. 1841 beschloss der Große Rat des Kantons Aargau die Aufhebung der Klöster im Kanton – darunter das bedeutende Benediktinerkloster Muri. Die vertriebenen Mönche fanden 1845 in Gries eine neue Heimat: Der österreichische Kaiser wies ihnen die leerstehende Stiftsanlage zu. Seither trägt das Kloster den Doppelnamen Muri-Gries, und der Weinbau, der hier seit Jahrhunderten betrieben wurde, ging in benediktinische Hände über. Über Jahrzehnte prägte Kellermeister Christian Werth den modernen Stil des Hauses; zum Jahreswechsel 2025/26 übergab er die Leitung an Manfred Bernard.

Lage & Terroir

Bozen liegt in einem weiten Talkessel, in dem Eisack, Talfer und Etsch zusammentreffen – und wo im Sommer Temperaturen herrschen, die in Südtirol sonst kaum erreicht werden. Genau diese Wärme braucht der spätreifende Lagrein. Die Weinberge des Guts liegen zu einem großen Teil auf den Schwemmböden rund um Gries: tiefgründige, sandig-kiesige Alluvialböden, die sich schnell erwärmen, gut drainieren und der Sorte die nötige Reife verschaffen, ohne dass die Weine plump werden.

Der Kontrast dazu sind die höher gelegenen Weinberge auf dem Hochplateau des Überetsch bei Eppan. Hier ist es kühler, die Nächte sind frischer, und die Trauben behalten mehr Säure und Aromatik – ideale Bedingungen für Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay und Gewürztraminer sowie für Blauburgunder. Die Kombination beider Zonen erlaubt es dem Gut, kraftvolle Rotweine und schlanke, frische Weißweine aus eigenen Lagen zu erzeugen.

Stil & Philosophie

Muri-Gries versteht sich als Spezialist für reinsortige Weine, in denen Rebsorte und Herkunft klar erkennbar bleiben. Beim Lagrein bedeutet das: dunkle Farbe, kräftige, aber möglichst reife Tannine und eine würzige Tiefe, die die typisch herbe Note der Sorte einbindet, statt sie zu übertönen. Die Spitzenweine reifen in kleinen Eichenfässern, während die Basisweine fruchtbetont und zugänglich bleiben.

Ein Kennzeichen des Hauses ist das Lagenprinzip: Bei den Spitzenqualitäten stammen die Trauben aus einer einzelnen, jahrgangsweise ausgewählten Lage. Der Ausbau findet in den jahrhundertealten Gewölbekellern unter der Klosteranlage statt – historische Bausubstanz, in die moderne Kellertechnik integriert wurde. Dass der Betrieb einem Kloster gehört, ist dabei mehr als Folklore: Die langfristige, generationenübergreifende Perspektive einer Ordensgemeinschaft prägt die Bewirtschaftung der Weinberge.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment ist zweistufig aufgebaut: eine klassische Linie unter dem Namen Muri-Gries und darüber die Reserven.

  • Lagrein Riserva „Abtei Muri“ – der Flaggschiffwein des Guts und einer der bekanntesten Lagrein Italiens
  • Lagrein Riserva „Weingarten Klosteranger“ – ein Einzellagenwein aus dem Weinberg direkt beim Kloster
  • Weißburgunder Riserva „Abtei Muri“ – die weiße Spitzenqualität des Hauses
  • Blauburgunder Riserva „Abtei Muri“ und der süße Rosenmuskateller „Abtei Muri“
  • Lagrein und Lagrein Kretzer (Rosé) sowie St. Magdalener und Vernatsch in der klassischen Linie
  • Weißweine aus Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Sauvignon, Silvaner und Gewürztraminer

Auszeichnungen

Muri-Gries gehört seit Jahren zum festen Kreis der von den italienischen Weinführern regelmäßig ausgezeichneten Südtiroler Betriebe; vor allem der Lagrein Riserva „Abtei Muri“ erhält verlässlich Spitzenbewertungen. Größer noch als einzelne Trophäen wiegt die Rolle des Guts für die Sorte selbst: Muri-Gries hat mit jahrzehntelanger Arbeit am Ausbau im Holzfass wesentlich dazu beigetragen, dass Lagrein heute als ernstzunehmender, lagerfähiger Rotwein wahrgenommen wird – und nicht mehr nur als regionale Spezialität.

Häufige Fragen

Wofür ist die Klosterkellerei Muri-Gries bekannt?

Muri-Gries gilt als eine der wichtigsten Adressen für Lagrein. Die Kellerei gehört zum Benediktinerkloster Muri-Gries in Bozen und bewirtschaftet Lagen mitten im klassischen Lagrein-Gebiet rund um den Stadtteil Gries. Berühmtestes Aushängeschild ist der Lagrein Riserva „Abtei Muri“, der maßgeblich dazu beigetragen hat, den Barriqueausbau bei Lagrein zu etablieren.

Wo liegt die Klosterkellerei Muri-Gries?

Der Betrieb hat seinen Sitz am Grieser Platz in Bozen-Gries, direkt in den historischen Klostermauern der Benediktinerabtei Muri-Gries. Die Weinberge liegen in und um Bozen sowie auf dem Hochplateau des Überetsch bei Eppan.

Was ist Lagrein für eine Rebsorte?

Lagrein ist eine autochthone Südtiroler Rotweinsorte, die vor allem rund um Bozen zu Hause ist. Sie ergibt tiefdunkle, kräftige Weine mit dunkler Beerenfrucht, kräftigem Tannin und einer typisch würzigen, leicht bitteren Note im Finale. In leichter Kelterung entsteht daraus der Rosé Lagrein Kretzer.

Kann man das Kloster und die Kellerei besuchen?

Das Kloster Muri-Gries mit seiner ehemaligen Augustiner-Stiftskirche ist ein bekanntes Wahrzeichen von Bozen-Gries. Die Klosterkellerei betreibt am Grieser Platz einen Weinverkauf mit den aktuellen Jahrgängen; aktuelle Öffnungszeiten stehen auf der Website des Guts.

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