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Weingut Moric – Blaufränkisch von Weltrang aus dem Burgenland

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
29. Juli 2026
moricburgenlandblaufraenkisch

Weingut Moric von Roland Velich: Blaufränkisch aus alten Reben in Neckenmarkt und Lutzmannsburg. Geschichte, Stil, Steckbrief und Lagen im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 12001 von Roland Velich gegründet – das Projekt hat den Ruf des Blaufränkisch international neu definiert.
  • 2Rund 22,5 Hektar in Mittelburgenland und am Leithagebirge, viele Parzellen über langfristige Pachtverträge gesichert.
  • 3Alte Blaufränkisch-Reben von etwa 40 bis über 100 Jahren, teils noch aus der Zeit vor der Ertragszüchtung.
  • 4Radikale Zurückhaltung im Keller: Spontangärung, langer Ausbau im großen gebrauchten Holz, ungeschönt und unfiltriert.
  • 5Jancis Robinson nannte Roland Velich den besten Blaufränkisch-Produzenten der Welt; 2023 Falstaff-Winzer des Jahres.

Steckbrief

Region
Burgenland – Sitz in Großhöflein, Weingärten in Mittelburgenland und am Leithagebirge, Österreich
Gegründet
2001 durch Roland Velich; ab 2002 als eigenständiges Projekt unter dem Namen Moric
Inhaber / Winzer
Roland Velich
Rebfläche
rund 22,5 Hektar, überwiegend langfristig gepachtete Alte-Reben-Parzellen
Leitrebsorten
Blaufränkisch, ergänzend Grüner Veltliner
Weinstile
Kühle, würzige Rotweine mit feiner Tanninstruktur; kleine Mengen Weißwein
Klassifikation
Weine erscheinen überwiegend unter der Herkunft Burgenland statt unter einer DAC-Bezeichnung
Besonderheit
Blaufränkisch als burgundisch gedachter Terroirwein – der Maßstab für die Sorte

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Zusammenfassung

Moric ist das Projekt von Roland Velich und gilt heute als die wichtigste Adresse für Blaufränkisch überhaupt. Seit 2001 arbeitet Velich daran, die burgenländische Leitsorte aus dem Schatten von Marmelade und Neuholz zu holen – mit alten Reben, geringen Erträgen und einem Keller, in dem so wenig wie möglich passiert. Rund 22,5 Hektar in Mittelburgenland und am Leithagebirge liefern die Trauben, viele davon von Parzellen, die zwischen 40 und deutlich über 100 Jahre alt sind. Die Weine sind kühl, würzig, straff und alterungsfähig – und haben dem österreichischen Rotwein international eine neue Bühne verschafft.

Geschichte

Roland Velich kam auf Umwegen zum Wein: Er arbeitete zunächst außerhalb der Branche und stieg dann im elterlichen Betrieb Velich in Apetlon am Neusiedler See ein, der vor allem für Weißwein bekannt ist. Sein eigenes Thema fand er aber im Rotwein – genauer gesagt im Blaufränkisch, den er im Mittelburgenland in einem Zustand vorfand, der ihn nicht überzeugte: viel Extrakt, viel neues Barrique, wenig Herkunft.

2001 startete er daraus ein eigenes Projekt, das ab 2002 als Moric eigenständig weiterlief. Die entscheidende Arbeit lag zunächst nicht im Keller, sondern im Weinberg: Velich suchte gezielt nach alten, oft vergessenen Blaufränkisch-Parzellen in Neckenmarkt und Lutzmannsburg und sicherte sie sich Stück für Stück, überwiegend über langfristige Pachtverträge und Absprachen mit ansässigen Winzerfamilien. Später kamen Flächen am Leithagebirge dazu.

Der internationale Durchbruch kam schnell: Bereits Ende der 2000er-Jahre wurden Moric-Weine als erste österreichische Rotweine in der Spitzengruppe der einflussreichen Kritiker geführt. Ab dem Jahrgang 2019 ging Velich einen Schritt weiter und füllt einzelne Rieden aus Lutzmannsburg getrennt ab, um die Unterschiede innerhalb des Ortes hörbar zu machen.

Lage & Terroir

Moric arbeitet in zwei sehr unterschiedlichen Landschaften. Das Mittelburgenland – oft „Blaufränkischland“ genannt – liegt eingebettet zwischen den Ausläufern des Ödenburger Gebirges und der pannonischen Tiefebene. Neckenmarkt ist der kühlere, steilere Teil: Hanglagen, die vom Gebirge her Wind bekommen, mit kargen, verwitterten Böden. Die Reben müssen hier arbeiten, was zu straffen, mineralisch wirkenden Weinen mit deutlicher Säure führt.

Lutzmannsburg liegt rund zehn Kilometer entfernt, flacher und wärmer, mit tiefgründigen Lehm- und Tonböden über altem, eisenhaltigem Untergrund. Hier stehen die ältesten Reben des Guts, teils über 100 Jahre alt, mit entsprechend tiefem Wurzelwerk. Die Weine wirken dichter, dunkler und runder als jene aus Neckenmarkt.

Am Leithagebirge schließlich prägen Kalk und Schiefer den Charakter: Die Weine von dort sind heller, feiner und säurebetonter. Diese drei Handschriften nebeneinander machen deutlich, wie stark Blaufränkisch auf Herkunft reagiert – genau das ist die Grundthese des Guts.

Stil & Philosophie

Velichs Leitidee ist es, Blaufränkisch so zu vinifizieren, als wäre es ein Grand Cru aus dem Burgund. Das bedeutet vor allem: weglassen. Gelesen wird von Hand in mehreren Durchgängen, mit strenger Selektion. Die Gärung läuft spontan mit weinbergseigenen Hefen in offenen Holzbottichen, die Maischestandzeit liegt bei rund drei Wochen. Danach reifen die Weine viele Monate – bei den Spitzenweinen bis zu zwei Jahre – auf der Feinhefe in großen, gebrauchten Holzfässern. Neues Barrique spielt keine tragende Rolle. Geschönt und filtriert wird in der Regel nicht.

Im Weingarten wird weitgehend in Handarbeit gearbeitet, mit niedrigen Erträgen und einem naturnahen Ansatz. Ziel ist nicht maximale Reife, sondern phenolische Reife bei moderatem Alkohol – die Weine wirken deshalb kühler und schlanker, als es das Burgenland vermuten lässt, und gewinnen mit Flaschenreife deutlich.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment ist konsequent gestaffelt:

  • Blaufränkisch Burgenland – der Einstieg, bereits mit der typischen kühlen Würze
  • Blaufränkisch Reserve – Frucht aus alten Reben in Neckenmarkt und Lutzmannsburg
  • Blaufränkisch Alte Reben Neckenmarkt – straff, mineralisch geprägt, mit deutlicher Säurestruktur
  • Blaufränkisch Alte Reben Lutzmannsburg – der Spitzenwein aus den ältesten Parzellen
  • Riedenweine aus Lutzmannsburg (seit dem Jahrgang 2019 einzeln abgefüllt), darunter Kirchberg, Schwemmer und Maissner
  • Dazu kleine Mengen Grüner Veltliner

Auszeichnungen

Moric gehört zu den höchstbewerteten Betrieben Österreichs. Bereits 2009 zählte ein Moric-Rotwein zu den ersten österreichischen Roten, die in der internationalen Kritik in den 95-Punkte-Bereich vorstießen. 2023 wurde Roland Velich von Falstaff zum Winzer des Jahres gekürt; das Gut wird dort seit Jahren mit Höchstbewertung geführt. Für besonderes Aufsehen sorgte der Blaufränkisch Lutzmannsburg Alte Reben 2023, dem JamesSuckling.com als erstem österreichischen Rotwein auf dieser Plattform 100 Punkte zusprach – die Weine aus den Rieden Maissner und Schwemmer folgten knapp dahinter. Jancis Robinson bezeichnete Velich schlicht als den besten Blaufränkisch-Produzenten der Welt.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Moric bekannt?

Moric steht für Blaufränkisch, der wie ein großer Burgunder behandelt wird: elegant, kühl, würzig und ohne dominantes neues Holz. Roland Velich hat ab 2001 alte Rebparzellen in Neckenmarkt und Lutzmannsburg gesichert und damit gezeigt, dass die Sorte zu Weinen von internationalem Rang fähig ist.

Wo liegt das Weingut Moric?

Der Betriebssitz ist in Großhöflein bei Eisenstadt im Burgenland. Die wichtigsten Weingärten liegen im Mittelburgenland rund um Neckenmarkt und Lutzmannsburg sowie am Leithagebirge, etwa bei Sankt Georgen und Zagersdorf.

Gehören Moric die Weinberge selbst?

Nur teilweise. Roland Velich hat die alten Parzellen über Jahre zusammengetragen – vieles davon über langfristige Pachtverträge und enge Vereinbarungen mit ansässigen Winzerfamilien. Die Bewirtschaftung erfolgt in Eigenregie und weitgehend in Handarbeit.

Welche Weine macht Moric?

Das Sortiment ist klar gestaffelt: ein Blaufränkisch Burgenland als Einstieg, darüber die Reserve und an der Spitze die Alte-Reben-Weine aus Neckenmarkt und Lutzmannsburg. Seit dem Jahrgang 2019 kommen einzeln abgefüllte Riedenweine aus Lutzmannsburg dazu; ergänzend gibt es kleine Mengen Weißwein aus Grünem Veltliner.

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