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Weingut Matthias Gaul – Burgunder von den Kalksteinböden der Nordpfalz

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
6. August 2026
matthias gaulpfalzspätburgunder

Weingut Matthias Gaul in Grünstadt-Asselheim: Burgunder und Riesling von kargem Kalkstein der Nordpfalz. Geschichte, Stil, Steckbrief und Lagen im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Familienweingut in Grünstadt-Asselheim am nördlichen Ende der Deutschen Weinstraße, seit 1995 in vierter Generation von Matthias Gaul geführt.
  • 2Rund 35 Hektar auf kargen, steinreichen Kalksteinböden in etwa 180 bis 300 Metern Höhe.
  • 3Klarer Schwerpunkt auf Burgundersorten: Spätburgunder und Grauburgunder prägen das Sortiment, ergänzt um Riesling, Chardonnay und Sauvignon Blanc.
  • 4Zweimal Sieger beim Deutschen Rotweinpreis (2015 und 2017); das Magazin Vinum kürte Matthias Gaul daraufhin zum „King of Pinot“.
  • 5Rund 280.000 Flaschen pro Jahr, etwa je zur Hälfte Weiß- und Rotwein, ausgebaut in Barriques und Edelstahltanks.

Steckbrief

Region
Pfalz – Grünstadt-Asselheim (Nordpfalz), Deutschland
Gegründet
Familienbetrieb; erste eigene Flaschenabfüllung in den 1950er-Jahren
Inhaber / Winzer
Matthias Gaul, vierte Generation, seit 1995 in der Verantwortung
Rebfläche
rund 35 Hektar, etwa 280.000 Flaschen pro Jahr
Leitrebsorten
Spätburgunder, Grauburgunder, Riesling, Chardonnay
Weinstile
Trockene Weiß- und Rotweine, Burgunder im Barrique, Sekt
Klassifikation
Kein VDP-Mitglied; eigene Qualitätsstaffel von Guts- und Ortsweinen bis zu den Réserve-Weinen
Besonderheit
Karger Kalkstein und kühleres Nordpfalz-Klima – die Basis für den mehrfach ausgezeichneten Pinot

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Zusammenfassung

Das Weingut Matthias Gaul in Grünstadt-Asselheim gehört zu den Betrieben, die das Bild der Nordpfalz in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert haben. Auf rund 35 Hektar steinigem Kalkboden entstehen hier Weine, deren Ruf vor allem auf einer Sorte gründet: dem Spätburgunder. Zwei Siege beim Deutschen Rotweinpreis und der vom Magazin Vinum vergebene Titel „King of Pinot“ haben Matthias Gaul über die Region hinaus bekannt gemacht. Ebenso wichtig ist aber die weiße Seite des Guts – kräftige Grauburgunder, Chardonnay und Rieslinge, die von der Kühle und der Kalkprägung dieses nördlichen Pfalzabschnitts leben.

Geschichte

Die Gauls sind seit Generationen in Asselheim mit dem Weinbau verbunden. Der entscheidende Schritt zum eigenständigen Weingut fiel in den 1950er-Jahren, als Matthias Gauls Großvater begann, den Wein selbst auf die Flasche zu füllen statt ihn als Fassware abzugeben. Sein Vater Werner baute den Betrieb weiter aus und kümmerte sich vor allem um den Vertrieb.

Matthias Gaul, Jahrgang 1967, studierte bis Mitte der 1990er-Jahre in Geisenheim und übernahm 1995 die Verantwortung für das Weingut – als vierte Generation. Er richtete den Betrieb konsequent auf Qualität aus, reduzierte die Erträge, investierte in den Keller und pflanzte neben den klassischen Pfälzer Sorten auch Chardonnay (ab 1990), Cabernet Sauvignon (1996), Cabernet Franc (1998) und Tempranillo (2005). Vor allem aber setzte er auf die Burgundersorten, die auf dem Asselheimer Kalk ideale Bedingungen finden. Der Erfolg gab ihm recht: 2015 und 2017 gewann das Gut den Deutschen Rotweinpreis, woraufhin das Magazin Vinum ihm den Titel „King of Pinot“ verlieh.

Lage & Terroir

Asselheim ist heute ein Ortsteil von Grünstadt und liegt dort, wo die Deutsche Weinstraße nach Norden ausläuft. Diese Lage ist der Schlüssel zum Stil des Guts: Die Nordpfalz ist spürbar kühler und windoffener als die berühmte Mittelhaardt um Deidesheim und Forst. Was früher als Nachteil galt, ist im wärmer werdenden Klima zum Vorteil geworden – die Trauben reifen langsamer und behalten ihre Säure.

Der zweite Faktor ist der Boden. Rund um Asselheim liegen kalkreiche, stark steinige Böden aus tertiären Kalksedimenten. Matthias Gaul beschreibt sich selbst augenzwinkernd als „steinreich“: Die Kalksteine in seinen Weinbergen sind so zahlreich, dass die Böden karg bleiben und die Reben von Natur aus wenig, aber konzentriert tragen. Die Rebflächen liegen in Höhen von etwa 180 bis 300 Metern. Genau diese Kombination – Kalk, Höhe, Kühle – ist das, was Burgundersorten mögen.

Stil & Philosophie

Der rote Faden im Sortiment ist Präzision statt Wucht. Die Weine sollen, so das erklärte Ziel des Guts, dauerhaft Freude machen und in Erinnerung bleiben – nicht durch Alkohol oder Holz beeindrucken. Im Weinberg bedeutet das viel Handarbeit, strenge Selektion und niedrige Erträge; im Keller einen sehr großen Fasspark mit rund 550 Barriques neben etwa 120 Edelstahltanks.

Die Rotweine, allen voran der Spätburgunder, reifen im Barrique, wobei der Holzeinsatz dosiert bleibt: Im Glas dominieren rote Frucht, feine Würze und ein straffer, von Kalk geprägter Nachhall statt Vanille und Röstaromen. Die weißen Burgunder und der Chardonnay werden je nach Qualitätsstufe im Stahl oder im Holz ausgebaut. Der Riesling wird häufig als Ganztraube schonend gepresst und im Edelstahl temperaturkontrolliert vergoren – das Ergebnis sind Weine mit Apfel-, Zitrus- und Aprikosennoten und einer klaren, salzigen Kante. Die Produktion teilt sich etwa hälftig in Weiß und Rot, was für ein deutsches Gut ungewöhnlich ist.

Bekannte Lagen & Weine

Die Weinberge liegen im Wesentlichen rund um Asselheim. Die bekannteste Einzellage des Ortes und zugleich das Aushängeschild des Guts ist der Asselheimer St. Stephan – der Name steht auf den Spitzenweinen des Hauses, sowohl beim Spätburgunder als auch bei Riesling und Grauburgunder in der Réserve-Linie.

  • Pinot Noir „St. Stephan“ – der Wein, der dem Gut den Ruf als Pinot-Adresse eingetragen hat
  • Pinot Noir Asselheim und die Gutsweine als zugänglicher Einstieg in den Rotweinstil
  • Riesling „St. Stephan“ Réserve – die im Holz gereifte Spitze der Rieslinge
  • Grauburgunder in mehreren Qualitätsstufen, vom Gutswein bis zur Réserve
  • Cuvées und Sekte wie Entrelacé, Grand Jeté oder Pas de Deux ergänzen das Sortiment

Auszeichnungen

Die sichtbarsten Erfolge des Guts liegen im Rotwein: 2015 und 2017 stand Matthias Gaul beim Deutschen Rotweinpreis ganz oben, und das Weinmagazin Vinum kürte ihn im Zuge dessen zum „King of Pinot“. Auch in den etablierten deutschen Weinführern wie Gault&Millau und Eichelmann wird das Gut seit Jahren im oberen Bereich der Pfälzer Betriebe geführt. Ein VDP-Mitglied ist Matthias Gaul nicht – die Anerkennung kommt über die Weine selbst und über die Weinkarten zahlreicher Restaurants im In- und Ausland, auf denen sie stehen.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Matthias Gaul bekannt?

Vor allem für Burgundersorten. Der Spätburgunder aus Asselheim gilt als Aushängeschild des Guts und brachte Matthias Gaul zwei Siege beim Deutschen Rotweinpreis sowie den vom Magazin Vinum vergebenen Titel „King of Pinot“ ein. Daneben stehen kräftige Grauburgunder und mineralisch geprägte Rieslinge.

Wo liegt das Weingut Matthias Gaul?

Das Gut hat seinen Sitz in Grünstadt-Asselheim in der Nordpfalz, am nördlichen Ende der Deutschen Weinstraße. Die Reben stehen rund um Asselheim in Höhenlagen von etwa 180 bis 300 Metern.

Welche Rebsorten baut Matthias Gaul an?

Den Kern bilden die Burgundersorten Spätburgunder und Grauburgunder, dazu kommen Riesling, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Außerdem kultiviert das Gut internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Tempranillo, die auf den warmen Kalkböden gut zurechtkommen.

Was macht die Böden in Asselheim besonders?

Asselheim liegt auf kalkreichen, steinigen Böden, die Wasser schnell durchlassen und von Natur aus niedrige Erträge bringen. Zusammen mit dem etwas kühleren Klima der Nordpfalz sorgt das für eine lange, langsame Reife – die Weine bekommen dadurch Frische, Salzigkeit und Struktur.

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