Zusammenfassung
Die Masseria Borgo dei Trulli ist eines der jüngeren, aber ambitioniertesten Weingüter des Salento. Rund um eine restaurierte Masseria aus dem späten 18. Jahrhundert in der Località Roselle bei Maruggio hat der Önologe Alessandro Michelon einen Betrieb aufgebaut, der historische Buschreben und eine hochmoderne Kellerei zusammenbringt. Auf rund 55 Hektar Reben – verteilt auf Maruggio, Sava, Manduria und Guagnano – stehen vor allem Primitivo und Negroamaro, dazu Fiano, Vermentino, Malvasia und Sauvignon Blanc. Die Weine sind typisch apulisch in ihrer Dichte, aber deutlich frischer und präziser gearbeitet, als es der Ruf der Region erwarten lässt.
Geschichte
Anders als viele apulische Adressen blickt Borgo dei Trulli nicht auf eine jahrhundertelange Familientradition zurück – wohl aber auf ein jahrhundertealtes Gebäude. Die Masseria selbst stammt aus dem späten 18. Jahrhundert und diente ursprünglich als Unterkunft für Landarbeiter und als Stallung. Über Jahrzehnte verfiel sie, bis sie um 2017 erworben und in ein Weingut verwandelt wurde.
Hinter dem Projekt steht der Önologe Alessandro Michelon, der im Salento das önologische Potenzial sah, das die Region jenseits des Fassweingeschäfts besitzt. Der Wiederaufbau folgte bewusst der ursprünglichen Bausubstanz: Die Mauern aus lokalem Tuffstein, die Bögen und die charakteristischen Sterngewölbe wurden erhalten und restauriert. Direkt daneben entstand eine neue, technisch aufwendig ausgestattete Kellerei mit temperaturkontrollierter Gärung. Innerhalb weniger Jahrgänge fand das Gut seinen Weg in internationale Verkostungen und in den Export.
Lage & Terroir
Das Gut liegt tief im Salento, dem „Absatz“ des italienischen Stiefels, wenige Kilometer landeinwärts vom Ionischen Meer. Das Klima ist ausgeprägt mediterran: viel Sonne, geringe Niederschläge und lange, heiße Sommer, die durch beständige Meeresbrisen und kühle Nächte gemildert werden. Genau dieser Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht hält die Aromatik der Weine lebendig.
Die Weinberge verteilen sich auf mehrere Standorte mit klar unterschiedlichen Böden:
- Roselle – die Lagen rund um den Keller auf rotem, sandig-kalkigem Boden mit hohem Eisenoxidanteil, rund zwölf Hektar
- Pasano – eine geschützte Hochebene mit humusreicheren Böden und etwas milderem Kleinklima
- Guagnano im Gebiet Salice Salentino – rund 35 Kilometer entfernt, auf dunklen, tonigen und humusreichen Böden
- Monaco Mirante – Reben in unmittelbarer Küstennähe, nur rund hundert Meter vom Strand entfernt
Prägend ist die Alberello-Erziehung: Rund 16 Hektar der Rebfläche sind traditionelle Buschreben ohne Drahtrahmen, eng gepflanzt und teils aus den 1950er-Jahren. Das dichte Laubdach beschattet die Trauben und schützt sie vor Sonnenbrand und Trockenstress – ein Vorteil, der in heißen Jahrgängen immer wichtiger wird. Bewirtschaftung und Lese erfolgen hier zwangsläufig von Hand.
Stil & Philosophie
Etwa vier Fünftel der Produktion sind Rotweine, überwiegend aus Primitivo und Negroamaro. Stilistisch sucht das Gut die Balance: die für den Salento typische Fülle, reife dunkle Frucht und weiche Tannine – aber ohne die schweren, überreifen Noten, die viele Massenweine der Region prägen. Die Holznutzung ist zurückhaltend dosiert und dient der Struktur, nicht der Aromatisierung.
Bei den Weißweinen setzt das Gut auf frühe Lese und kühle Vergärung, um aus Fiano, Vermentino und Malvasia Bianca Weine mit Zug und salziger Note zu gewinnen. Ergänzt wird das Sortiment durch einen Rosato aus Primitivo, einen Spumante Brut aus biologischem Anbau und einen süßen Primitivo di Manduria Dolce Naturale. Der Weinbau folgt ökologischen Grundsätzen; Biodiversität zwischen den Zeilen und ein sparsamer Umgang mit Wasser sind Teil des Konzepts – im heißen Salento keine Nebensache.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist überschaubar und um die beiden roten Hauptsorten herum aufgebaut:
- Mirea Primitivo di Manduria DOP – der ambitionierteste Rotwein des Guts, dicht und langlebig
- Saracena Primitivo Salento IGP – der Wein, dessen Name auf die sarazenischen Trulli der Umgebung verweist
- Primitivo di Manduria DOP – der klassische Ortstyp aus dem Kerngebiet
- Salice Salentino DOC Riserva – aus den Parzellen in Guagnano, aus Negroamaro mit Malvasia Nera
- Negroamaro Salento IGP sowie ein Primitivo Rosato
- Signor P Primitivo di Manduria Dolce Naturale DOCG – die süße Spezialität des Hauses
Daneben produziert das Gut unter dem Namen Duna Mirante auch einen Gin, der auf die küstennahe Lage der gleichnamigen Parzelle anspielt.
Auszeichnungen
Für ein derart junges Gut sind die bisherigen Bewertungen bemerkenswert. Der Mirea Primitivo di Manduria wurde von Gambero Rosso mit den Tre Bicchieri ausgezeichnet, der Falstaff bewertete den Saracena Primitivo Salento IGP des Jahrgangs 2023 mit 90 Punkten. Weitere Weine des Hauses sammelten Medaillen bei internationalen Wettbewerben wie dem Mundus Vini. Damit zählt Borgo dei Trulli zu den Betrieben, die den Ruf des Salento vom Lieferanten kraftvoller Alltagsweine hin zu einer Herkunft mit eigenständigem Profil verschieben.
