Weingüter

Masi Agricola – Amarone-Pionier aus dem Valpolicella Classico

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
29. Juli 2026
masivalpolicellacorvina

Masi Agricola in Gargagnago: Amarone, Ripasso und Campofiorin aus dem Valpolicella Classico. Geschichte, Stil, Steckbrief und Spitzenlagen im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Familienbetrieb der Boscaini in Gargagnago – die Wurzeln reichen bis ins späte 18. Jahrhundert und in die Lage „Vaio dei Masi“ zurück, die dem Haus den Namen gab.
  • 2Einer der weltweit bekanntesten Amarone-Erzeuger und ein Maßstab für die Appassimento-Methode, die getrocknete Trauben zu konzentriertem Rotwein macht.
  • 3Mit Campofiorin schuf Masi 1964 einen Wein, der als Prototyp der heutigen Ripasso-Kategorie gilt.
  • 4Einzellagen-Amarone wie Costasera, Mazzano und Campolongo di Torbe zählen zu den Klassikern der Region.
  • 5Seit 1973 arbeitet Masi mit der Familie Conti Serègo Alighieri zusammen – Nachfahren des Dichters Dante Alighieri.

Steckbrief

Region
Valpolicella Classica – Gargagnago (Sant'Ambrogio di Valpolicella), Venetien, Italien
Gegründet
Familienbetrieb der Boscaini seit dem späten 18. Jahrhundert; die erste Parzelle im „Vaio dei Masi“ wurde um 1772 erworben
Inhaber / Winzer
Familie Boscaini – Präsident Sandro Boscaini (6. Generation), Raffaele Boscaini (7. Generation) koordiniert die Masi Technical Group
Rebfläche
rund 640 Hektar über die gesamte Gruppe, Schwerpunkt in der Valpolicella Classica
Leitrebsorten
Corvina, Rondinella, Molinara, Oseleta
Weinstile
Amarone, Ripasso-Rotweine, Recioto, Valpolicella Classico sowie Weiß- und Schaumweine
Klassifikation
Amarone della Valpolicella Classico DOCG, Recioto della Valpolicella DOCG, Valpolicella Classico DOC, Rosso Veronese IGT
Besonderheit
Appassimento-Forschung der hauseigenen Masi Technical Group – und mit Campofiorin der Prototyp des heutigen Ripasso

Entdecke Weine von Masi Agricola – Amarone-Pionier aus dem Valpolicella Classico in der Grape Guru App.

Jetzt kostenlos scannen

Zusammenfassung

Masi Agricola aus Gargagnago in der Valpolicella Classica ist einer der bekanntesten Namen des italienischen Rotweins – und untrennbar mit dem Amarone verbunden. Seit sechs bis sieben Generationen führt die Familie Boscaini das Haus, dessen Name auf die historische Lage „Vaio dei Masi“ zurückgeht. Was Masi über die Region hinaus prägend gemacht hat, ist die systematische Arbeit an der Appassimento-Methode: dem wochenlangen Antrocknen der Trauben, das den Weinen Konzentration, Süße im Extrakt und die typische Bittermandel-Note gibt. Mit Campofiorin (1964) und den Einzellagen-Amarone Costasera, Mazzano und Campolongo di Torbe hat Masi zudem Weintypen etabliert, die heute die ganze Zone prägen.

Geschichte

Die Geschichte der Familie Boscaini in Gargagnago beginnt gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Um 1772 erwarb die Familie eine erste Parzelle im kleinen Tal „Vaio dei Masi“ – aus dem Flurnamen wurde später der Markenname. Über Generationen blieb der Betrieb ein klassisches Valpolicella-Weingut, bis er im 20. Jahrhundert schrittweise zu einem der Motoren der Region wurde.

Den entscheidenden Impuls setzte Sandro Boscaini, der 1978 die Leitung von seinem Vater übernahm und in der Weinwelt den Beinamen „Mr. Amarone“ bekam. Schon zuvor hatte das Haus zwei Weichen gestellt, die bis heute nachwirken: 1964 kam Campofiorin auf den Markt – ein Valpolicella, der ein zweites Mal auf den Trestern angetrockneter Trauben vergoren wurde und damit als Vorläufer der heutigen Ripasso-Weine gilt. Und bereits Ende der 1950er-Jahre füllte Masi mit Campolongo di Torbe einen Amarone aus einer einzigen, namentlich genannten Lage ab, was in Italien damals unüblich war.

1973 begann die bis heute bestehende Zusammenarbeit mit den Conti Serègo Alighieri, den Nachfahren des Dichters Dante Alighieri, deren Gut in Gargagnago auf das 14. Jahrhundert zurückgeht. Später kamen weitere Betriebe und Beteiligungen im Veneto, im Trentino, in Friaul, in der Lombardei und in Argentinien dazu. Seit 2015 ist die Masi Agricola S.p.A. an der Mailänder Börse notiert – die Familie Boscaini hält weiterhin die Kontrolle.

Lage & Terroir

Gargagnago liegt in der Valpolicella Classica, der historischen Kernzone nördlich von Verona zwischen Gardasee und der Lessinia. Die Landschaft besteht aus einer Folge kleiner Täler („vaio“), deren Hänge nach Süden und Südwesten geöffnet sind. Die besten Parzellen liegen in Hügellagen zwischen etwa 250 und 450 Metern Höhe.

Die Böden sind überwiegend kalkhaltig, vielerorts mit vulkanischem Einschlag und tonigen Verwitterungsschichten der eozänen Mergel. Diese Kombination liefert Weine mit Struktur und feiner Säure – Voraussetzung dafür, dass ein so konzentrierter Wein wie Amarone nicht plump wirkt. Der Gardasee im Westen mildert die Temperaturen, während die kühle Nachtluft aus den Bergen für den Aromaerhalt sorgt. Für die Appassimento ist zudem die Belüftung der Trockenräume entscheidend: Die Trauben verlieren dort über etwa 100 bis 120 Tage einen großen Teil ihres Wassers, bevor sie gekeltert werden.

Stil & Philosophie

Kern der Masi-Philosophie ist die Überzeugung, dass die Appassimento kein Relikt, sondern eine eigene önologische Disziplin ist. Dafür gibt es seit den 1980er-Jahren die Masi Technical Group, ein internes Forschungsteam aus Agronomen und Önologen, das Trocknungsverläufe, Traubenselektion, Hefen und Ausbau untersucht. Aus dieser Arbeit stammen unter anderem hauseigene Hefestämme, die die früher monatelange Gärung deutlich verkürzen und so frischere, weniger oxidative Amarone ermöglichen.

Stilistisch sucht Masi die Balance zwischen Wucht und Trinkfluss: dichte, dunkle Frucht, Rosinen- und Kirschnoten, Gewürze und die für die Zone typische Bittermandel im Nachhall – aber getragen von Säure statt von reiner Süße. Ein zweiter roter Faden ist die Arbeit mit autochthonen Sorten. Neben Corvina, Rondinella und Molinara hat Masi vor allem die fast ausgestorbene Oseleta wieder in die Weinberge zurückgeholt; sie liefert Farbe, Tannin und Würze und ist heute in den Valpolicella-Denominationen als Verschnittsorte zugelassen.

Bekannte Lagen & Weine

  • Costasera Amarone della Valpolicella Classico DOCG – der bekannteste Amarone des Hauses, aus nach Südwesten zum Gardasee geneigten Hanglagen
  • Mazzano – Einzellage in der Gemeinde Negrar auf rund 400 Metern, kühl und windexponiert; ein besonders straffer, mineralischer Amarone in kleiner Menge
  • Campolongo di Torbe – Einzellage auf Kalk- und Vulkanverwitterungsböden, runder und samtiger als Mazzano
  • Campofiorin – Rosso Veronese IGT, der 1964 eingeführte Klassiker und Vorbild der Ripasso-Kategorie
  • Serègo Alighieri – eigene Linie vom historischen Gut der Dante-Nachfahren, unter anderem Amarone und der Recioto „Casal dei Ronchi“
  • Recioto della Valpolicella Classico DOCG – der süße Traditionswein der Zone aus denselben angetrockneten Trauben

Auszeichnungen

Masi gehört seit Jahrzehnten zu den konstant hoch bewerteten Adressen Italiens. Der Costasera Amarone erreicht in internationalen Verkostungen regelmäßig Bewertungen um die 90 bis 94 Punkte; ein Amarone der Linie Serègo Alighieri wurde 2015 in der „Top 100“-Liste des Wine Spectator sehr weit vorn platziert, und das Haus wurde vom selben Magazin als „Critics' Choice Winery“ ausgezeichnet. Auch in den italienischen Führern (Gambero Rosso, Bibenda, Veronelli) sind die Spitzenweine dauerhaft präsent.

Über den Wein hinaus wirkt das Haus kulturell: Aus den Überlegungen von Sandro Boscaini und Freunden entstand 1981 der Premio Masi für Persönlichkeiten mit venetischen Wurzeln, der seit 2001 von der eigens gegründeten Fondazione Masi vergeben wird – ein ungewöhnliches Beispiel dafür, wie eng ein Weingut mit der Identität seiner Region verbunden sein kann.

Häufige Fragen

Wofür ist Masi Agricola bekannt?

Masi gilt als eines der Aushängeschilder des Amarone della Valpolicella und als führender Spezialist für die Appassimento-Methode, bei der die Trauben nach der Lese über Wochen antrocknen. Berühmt sind die Amarone Costasera, Mazzano und Campolongo di Torbe sowie Campofiorin, der 1964 eingeführte Vorläufer der heutigen Ripasso-Weine.

Wo liegt Masi Agricola?

Der Sitz ist Gargagnago in der Gemeinde Sant'Ambrogio di Valpolicella, im Herzen der Valpolicella Classica nördlich von Verona in Venetien. Weitere Betriebe und Beteiligungen der Gruppe liegen in der Provinz Verona, im Trentino, in Friaul, in der Lombardei und in Argentinien.

Welche Rebsorten verwendet Masi?

Das Rückgrat bilden die klassischen Valpolicella-Sorten Corvina und Rondinella, ergänzt um Molinara. Dazu kommt Oseleta, eine fast verschwundene autochthone Sorte, die Masi in den 1980er-Jahren wieder in Kultur brachte und die vielen Weinen zusätzliche Farbe, Tannin und Würze gibt.

Was unterscheidet Amarone, Ripasso und Recioto?

Alle drei entstehen aus angetrockneten Trauben oder deren Trester. Amarone wird trocken durchgegoren und ist kräftig und wuchtig, Recioto behält Restsüße und ist der klassische Dessertwein der Zone, und Ripasso ist ein Valpolicella, der ein zweites Mal auf den Trestern der Appassimento-Weine vergoren wird und dadurch mehr Körper bekommt.

Weine von Masi Agricola in der App entdecken

Entdecke die Weine dieses Guts und finde deine neuen Favoriten mit dem KI-gestützten Weinscanner von Grape Guru.

Das könnte dich auch interessieren