Zusammenfassung
Das Weingut Leo Hillinger in Jois zählt zu den bekanntesten und größten privaten Weingütern Österreichs. Auf rund 100 Hektar am Leithaberg und rund um den Neusiedler See entstehen etwa 60 % Rotwein und 40 % Weißwein – von burgenländischen Klassikern wie Blaufränkisch und Zweigelt bis zu Chardonnay, Pinot Noir und Sauvignon Blanc. Zwei Dinge machen das Gut unverwechselbar: der seit 2010 konsequent biologische Weinbau in dieser für Bio ungewöhnlichen Größenordnung – und ein Markenauftritt, der vom spektakulären Neubau am Ortsrand bis zu den Cuvée-Linien HILL 1, HILL 2 und HILL 3 reicht.
Geschichte
Die Wurzeln des Betriebs liegen in einem klassischen burgenländischen Familienweingut. Die entscheidende Zäsur kam 1990: In diesem Jahr übernahm Leo Hillinger das Gut von seinem gleichnamigen Vater. Was er vorfand, war ein kleiner, regional ausgerichteter Betrieb – was daraus wurde, ist eines der größten privaten Weingüter des Landes.
Hillinger setzte von Anfang an auf zwei Hebel, die im österreichischen Weinbau damals unüblich waren: konsequente Qualitätsarbeit im Weinberg und ein professioneller, fast schon modischer Markenauftritt. Weinlinien mit klaren Namen, ein eigenständiges Design und ein Gespür für Öffentlichkeit machten „Hillinger" zu einem Begriff, der auch außerhalb der Weinszene bekannt ist.
2004 wurde am Ortsrand von Jois ein neuer Keller- und Präsentationsbau fertiggestellt, der bis heute zu den meistfotografierten Weingutsbauten Österreichs zählt. 2010 folgte der zweite große Schritt: die vollständige Umstellung auf biologische Bewirtschaftung. Für einen Betrieb dieser Größe war das ein Bekenntnis mit Signalwirkung – Bio galt in Österreich damals noch überwiegend als Sache kleiner Güter.
Lage & Terroir
Jois liegt am Leithaberg, dem Hügelzug am nordwestlichen Ufer des Neusiedler Sees. Diese Lage prägt die Weine doppelt. Der See wirkt als riesiger Wärmespeicher: Er mildert Spätfröste, verlängert die Vegetationsperiode weit in den Herbst hinein und sorgt für die Feuchtigkeit, die im Burgenland die edelsüßen Weine überhaupt erst möglich macht. Zugleich fällt der Leithaberg zum See hin ab und bringt Hangneigung, Wind und kühlere Nächte ins Spiel – was den Weinen Frische und Säurestruktur erhält.
Geologisch ist der Leithaberg für seinen Kalk- und Schieferuntergrund bekannt, der besonders dem Blaufränkisch eine straffe, mineralische Ader gibt. Auf den wärmeren, tiefgründigeren Böden Richtung See reifen dagegen füllige, fruchtbetonte Rote. Ein Teil der besten Flächen des Guts liegt im Bereich von Rust auf der gegenüberliegenden Seeseite.
Stil & Philosophie
Hillinger verfolgt einen bewusst zugänglichen, international verständlichen Stil. Die Rotweine sind saftig, reif und meist im Barrique ausgebaut – kraftvoll, aber selten schwerfällig. Bei den Weißweinen steht klare Frucht im Vordergrund; Chardonnay und Sauvignon Blanc gibt es sowohl im frischen Stahltank-Stil als auch in anspruchsvolleren, im Holz ausgebauten Varianten.
Kern der Philosophie ist der biologische Weinbau. Ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel zu arbeiten, bedeutet auf rund 100 Hektar deutlich mehr Aufwand: mehr Durchfahrten, mehr Handarbeit, mehr Risiko in schwierigen Jahrgängen. Dass das Gut diesen Weg seit 2010 durchhält, ist bemerkenswert für einen Betrieb dieser Größe.
Auffällig ist auch die Sortenvielfalt. Statt sich auf zwei oder drei Rebsorten zu konzentrieren, bewirtschaftet Hillinger ein breites Spektrum – von den heimischen Klassikern bis zu internationalen Sorten. Das erlaubt ein Sortiment, das vom einfachen Alltagswein bis zum Spitzenwein reicht.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist über klar benannte Linien gestaffelt. Zu den bekanntesten Weinen zählen:
- HILL 1 – die rote Flaggschiff-Cuvée des Guts
- HILL 2 – die weiße Cuvée der Linie
- HILL 3 – ein edelsüßer Wein aus der Trockenbeerenauslese
- Icon Hill – der Spitzenwein des Guts; für die Flasche entwarf die Architektin Zaha Hadid 2013 ein eigenes Design
- Sortenreine Blaufränkisch, Zweigelt, Pinot Noir und St. Laurent sowie Chardonnay, Sauvignon Blanc und Grüner Veltliner
Insgesamt verlassen jährlich rund 1,5 Millionen Flaschen das Gut; ein erheblicher Teil davon geht in den Export in mehr als 20 Länder.
Auszeichnungen
Die Weine des Guts erhalten seit Jahren regelmäßig hohe Bewertungen in den führenden Weinführern und internationalen Verkostungen, unter anderem bei Falstaff, Gault&Millau und Mundus Vini. Über die reinen Punktzahlen hinaus hat Leo Hillinger vor allem eines geschafft: Er hat gezeigt, dass sich Bio-Weinbau, professionelle Markenführung und ein großer Betrieb im Burgenland nicht ausschließen müssen – und damit weit über das eigene Gut hinaus gewirkt.
