Zusammenfassung
Das Weingut Hees in Auen ist eine der großen Entdeckungen der Nahe der vergangenen Jahre. Die Familie ist seit 1824 im Ort verwurzelt, doch erst Marcus Hees hat den Weinbau konsequent in den Mittelpunkt gerückt: Er rekultivierte alte, fast vergessene Steillagen im kühlen Auener Tal und ließ den Betrieb von knapp zwei auf rund zwölf Hektar wachsen. Heraus kommen Riesling und Weißburgunder mit klarer Kontur, schlankem Körper und kühlem Kern – ein eigenständiger Stil, der dem Gut 2025 den Titel „Aufsteiger des Jahres“ im Vinum Weinguide einbrachte.
Geschichte
Die Geschichte der Familie Hees in Auen reicht bis ins Jahr 1824 zurück. Über Generationen war der Betrieb vor allem als Landgasthof mit Hotel bekannt; Wein wurde gemacht, stand aber nicht im Rampenlicht. Das änderte sich mit Marcus Hees, der den Betrieb in neunter Generation führt. Vor rund 15 Jahren begann er, die alten Steilhänge rund um Auen Schritt für Schritt wieder zu bepflanzen – Flächen, die wegen des enormen Arbeitsaufwands teils brachgefallen waren.
Aus knapp zwei Hektar wurden so etwa zwölf Hektar Rebfläche. Während Marcus Hees' Eltern weiterhin das Gasthaus führen, verantwortet er gemeinsam mit seiner Frau den Weinbau. Die Weinkritik wurde schnell aufmerksam: Bereits 2019 wurde Hees von einem internationalen Kritiker als Newcomer hervorgehoben, 2024 folgte die Auszeichnung als „Aufsteiger des Jahres“ im Vinum Weinguide Deutschland 2025.
Lage & Terroir
Auen ist der westlichste Weinort in einem kleinen Seitental der Nahe – und Marcus Hees ist dort der einzige Winzer. Die Weinberge zählen zu den höchstgelegenen der Nahe und sind nach Süden ausgerichtet. Die West-Ost-Ausrichtung des Tals sorgt für stetige Nachmittagswinde, die die Trauben rasch abtrocknen, den Pilzdruck senken und das Risiko von Herbstfrösten mindern.
Die Hänge sind stellenweise bis zu 60 % steil. Im Boden dominieren verwitterter Tonschiefer und Sandstein, in einzelnen Parzellen auch Lehm. Die Höhenlage bringt ein ausgesprochen kühles Mikroklima mit sich: Die Trauben reifen langsam und lange, was den Weinen Frische, straffe Säure und eine feine Würze verleiht.
Stil & Philosophie
Marcus Hees beschreibt seinen Stil selbst als klar, schlank und präzise mit kühlem Kern. Der Weg dorthin führt über viel Handarbeit: Pro Jahr sind es mindestens elf manuelle Arbeitsgänge im Weinberg, die Erträge werden bewusst niedrig gehalten, gelesen wird spät, vollreif und selektiv von Hand.
Im Keller hält sich Hees zurück. Die Moste vergären spontan mit wilden Hefen, die Weine bekommen viel Zeit auf der Hefe und werden bewusst spät gefüllt. Das Ergebnis sind Rieslinge mit rassiger Säure, mineralischer Würze und Tiefe sowie Weißburgunder, die Schmelz mit zarten Zitrus- und Pfirsichnoten verbinden – beide eher auf Finesse als auf Opulenz angelegt.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment reicht vom trockenen Gutsriesling und -weißburgunder über Ortsweine bis zu den Lagenweinen. Zu den wichtigsten Namen zählen:
- Auener Römerstich – historische Steillage und Aushängeschild des Guts für Riesling
- Auener Kaulenberg – zweite große Steillage im Tal
- Auener Höhe – u. a. für Weißburgunder
- Weißburgunder „S“ – ambitionierter Weißburgunder aus dem oberen Segment
Daneben finden sich im Sortiment vereinzelt auch Spätburgunder und weitere Weißweine.
Auszeichnungen
Hees sammelt seit einigen Jahren Bestnoten in führenden Weinführern wie Vinum, Falstaff und Gault&Millau. Im Vinum Weinguide Deutschland 2025 wurde das Gut zum „Aufsteiger des Jahres“ gekürt. Auch international findet der Römerstich-Riesling Beachtung und erhielt laut Handelsangaben Spitzenbewertungen von Kritikern wie James Suckling. Damit gilt Hees als eines der spannendsten Beispiele dafür, wie aus vergessenen Steillagen der Nahe wieder Spitzenweine entstehen.
