Zusammenfassung
Die Durbacher Winzergenossenschaft (offiziell Durbacher Winzer eG) ist eine der größten und renommiertesten Genossenschaften Badens. Rund 250 Winzerfamilien bewirtschaften etwa 340 Hektar rund um das Weindorf Durbach in der Ortenau – zu einem großen Teil in Steillagen am Westrand des Schwarzwaldes. Bekannt ist Durbach für zwei Spezialitäten mit eigenen Namen: Klingelberger, den Ortenauer Traditionsnamen für Riesling, und Clevner, den lokalen Namen für Traminer. Dazu kommt Spätburgunder, der mit rund 43 % die größte Fläche belegt. Die Genossenschaft versteht sich als Steillagen-Spezialist und gehört mit Bundesehrenpreisen in Gold zu den erfolgreichsten Erzeugerbetrieben Deutschlands.
Geschichte
Weinbau hat in Durbach eine sehr lange Tradition, und ein Datum prägt sie besonders: 1782 ließ Markgraf Carl Friedrich von Baden am Klingelberg bei Schloss Staufenberg einen der ersten sortenreinen Rieslingweinberge Badens anlegen. Aus diesem Weinberg leitet sich der Name Klingelberger ab, der in der Ortenau bis heute für Riesling steht.
Die Genossenschaft selbst wurde 1928 gegründet – in einer Zeit, in der viele Kleinwinzer allein kaum ausbaufähige Mengen und keinen Marktzugang hatten. Den Anstoß gab der damalige Bürgermeister Franz-Xaver Wörner. Aus dem Zusammenschluss vieler Familienbetriebe wurde über die Jahrzehnte einer der größten Erzeuger der Ortenau, mit eigener Kellerei, Vinothek und Brennerei in Durbach.
Seit Januar 2015 führt Stephan Danner die Genossenschaft als geschäftsführender Vorstand; im Keller verantwortet Rüdiger Nilles den Ausbau. Ein einschneidender Schritt fiel 2026: Nachdem das markgräfliche Weingut Schloss Staufenberg den Betrieb einstellte, übernahmen die Durbacher Winzer rund 13 Hektar dieser historischen Rebflächen in Pacht – neun Mitgliedsbetriebe bewirtschaften sie seither. Die Mitgliederversammlung stimmte dem Projekt mit über 80 % Zustimmung zu.
Lage & Terroir
Durbach liegt in einem weit verzweigten Talkessel etwa zehn Kilometer nordöstlich von Offenburg, dort wo die Rheinebene auf den Schwarzwald trifft. Diese Lage prägt alles: Die Reben klettern an den Hängen bis in Höhen, in denen Vollernter keine Chance haben. Bis zu 80 % der Durbacher Rebfläche sind Steillagen, die steilsten Parzellen erreichen 70 bis 80 % Hangneigung. Gearbeitet wird dort von Hand – aufwendig, aber die Voraussetzung für die Qualität und für den Erhalt einer alten Kulturlandschaft mit Trockenmauern und Terrassen.
Klimatisch profitiert die Ortenau von der Wärme der Rheinebene und von langen, milden Herbsten; der Schwarzwald schützt vor kaltem Ostwind und sorgt nachts für Abkühlung. Die Böden bestehen überwiegend aus verwittertem Granit und Gneis des Grundgebirges, teils mit Löss- und Verwitterungsauflagen. Auf diesen kargen, schnell erwärmten Urgesteinsböden bekommt der Riesling eine feine, zupackende Säure und ein rauchig-mineralisches Rückgrat, während Traminer und Gewürztraminer ihr intensives Aroma entwickeln.
Die Genossenschaft bündelt die Trauben aus vier Einzellagen: Durbacher Plauelrain, Durbacher Ölberg, Durbacher Steinberg und Durbacher Kochberg. In den steilsten Parzellen von Plauelrain, Ölberg und Steinberg stehen bevorzugt die aromatischen weißen Sorten – Traminer, Gewürztraminer und Scheurebe.
Stil & Philosophie
Der Anspruch ist klar gestaffelt: von zugänglichen Alltagsweinen der Linien Klassik und Schöne Zeit über die Kollektion und die Edition bis zu den Lagenweinen Steinberg und Ölberg 1863. Weiß- und Roséweine reifen überwiegend im Edelstahl, um Frucht und Frische zu erhalten; die Spätburgunder werden im großen Holzfass oder im Barrique ausgebaut und zeigen damit eher Struktur und Würze als plakative Fruchtsüße.
Stilistisch stehen die Klingelberger für trockene, straffe Rieslinge mit klarer Zitrus- und Steinobstfrucht. Clevner und Gewürztraminer sind das aromatische Gegenprogramm: Rosenblüte, Litschi, Gewürznote – je nach Ausbau feinherb oder trocken. Ergänzt wird das Sortiment durch flaschengegärte Sekte, Secco, edelsüße Raritäten und edle Brände aus Traubenmark und Obst, für die die Genossenschaft mehrfach ausgezeichnet wurde.
Klingelberger und Clevner – die Ortenauer Sortennamen
Wer Weine aus Durbach kauft, stolpert unweigerlich über zwei Namen, die es sonst kaum gibt. Klingelberger ist keine eigene Rebsorte, sondern der historische Ortenauer Name für Riesling – benannt nach dem Klingelberg in Durbach. Clevner wiederum bezeichnet in der Ortenau den Traminer beziehungsweise Gewürztraminer. Achtung bei der Verwechslungsgefahr: In der Schweiz und in Teilen Süddeutschlands wird derselbe Name für Blauburgunder oder Frühburgunder verwendet. In Durbach ist Clevner immer weiß und immer aromatisch.
Bekannte Lagen & Weine
Die Genossenschaft arbeitet mit vier Durbacher Einzellagen, jede mit eigenem Charakter:
- Durbacher Plauelrain – berühmte Steillage, Heimat vieler Klingelberger und Traminer
- Durbacher Ölberg – gibt der Premiumlinie „Ölberg 1863" ihren Namen
- Durbacher Steinberg – gilt als Spitzenlage des Betriebs und steht Pate für die Lagenlinie
- Durbacher Kochberg – etwas breiter aufgestellt, auch für Burgundersorten
Dazu kommen seit 2026 rund 13 Hektar am Schloss Staufenberg, bepflanzt zu etwa 34 % mit Klingelberger-Riesling und rund 27 % Spätburgunder, der Rest verteilt auf weitere weiße Sorten.
Auszeichnungen
Die Durbacher Winzer eG zählt zu den regelmäßig prämierten Erzeugern Deutschlands. Sie tritt selbst als „Steillagen-Spezialisten und Bundesehrenpreisträger in Gold" auf – der Bundesehrenpreis ist die höchste Auszeichnung der bundesweiten Weinprämierung und honoriert nicht einen einzelnen Wein, sondern die Qualität des gesamten Sortiments über mehrere Jahre. Beim Badischen Weinbauverband erhielt die Genossenschaft Ehrenpreise der Gebietsweinprämierung in der größten Betriebsgrößenklasse (ab 300 Hektar). Mehrfach ausgezeichnet wurden zudem die edelsüßen Weine und die Brände des Hauses.
