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Durbacher Winzergenossenschaft – Steillagen-Spezialisten aus der Ortenau

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
30. Juli 2026
durbacher winzerortenauriesling

Durbacher Winzergenossenschaft in Baden: Klingelberger, Clevner und Spätburgunder aus Ortenauer Steillagen. Geschichte, Stil, Steckbrief und Lagen im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Eine der größten und bekanntesten Winzergenossenschaften Badens – 1928 in Durbach in der Ortenau gegründet.
  • 2Rund 250 Winzerfamilien bewirtschaften etwa 340 Hektar in den Durbacher Lagen Plauelrain, Ölberg, Steinberg und Kochberg.
  • 3Bis zu 80 % der Durbacher Rebflächen sind Steillagen am Rand des Schwarzwaldes – teils mit 70 bis 80 % Hangneigung.
  • 4Leitsorten sind Spätburgunder (rund 43 %) und Klingelberger, der Ortenauer Traditionsname für Riesling (rund 28 %).
  • 5Bundesehrenpreisträger in Gold und regelmäßiger Ehrenpreisträger der badischen Gebietsweinprämierung.

Steckbrief

Region
Ortenau – Durbach (Baden), Deutschland
Gegründet
1928, auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Franz-Xaver Wörner
Inhaber / Winzer
Genossenschaft mit rund 250 Mitgliedsbetrieben; geschäftsführender Vorstand Stephan Danner, Vorstandsvorsitzender Siegfried Wörner, Kellermeister Rüdiger Nilles
Rebfläche
rund 340 Hektar in den Lagen Plauelrain, Ölberg, Steinberg und Kochberg
Leitrebsorten
Spätburgunder (rund 43 %), Klingelberger/Riesling (rund 28 %), Grauburgunder und Müller-Thurgau (je rund 10 %), dazu Clevner/Traminer, Gewürztraminer, Scheurebe, Weißburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Muskateller
Weinstile
Trockene Klingelberger-Rieslinge, aromatischer Clevner und Gewürztraminer, Spätburgunder aus großem Holzfass und Barrique, edelsüße Raritäten, Sekt und Brände
Klassifikation
Mitglied im Badischen Weinbauverband; Bundesehrenpreis in Gold, Ehrenpreisträger der Gebietsweinprämierung in der größten Betriebsgrößenklasse; eigene Qualitätslinien von Klassik über Edition bis Steinberg und Ölberg 1863
Besonderheit
Bis zu 80 % der Durbacher Rebfläche sind Steillagen, die steilsten mit 70 bis 80 % Hangneigung – Handarbeit statt Vollernter

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Zusammenfassung

Die Durbacher Winzergenossenschaft (offiziell Durbacher Winzer eG) ist eine der größten und renommiertesten Genossenschaften Badens. Rund 250 Winzerfamilien bewirtschaften etwa 340 Hektar rund um das Weindorf Durbach in der Ortenau – zu einem großen Teil in Steillagen am Westrand des Schwarzwaldes. Bekannt ist Durbach für zwei Spezialitäten mit eigenen Namen: Klingelberger, den Ortenauer Traditionsnamen für Riesling, und Clevner, den lokalen Namen für Traminer. Dazu kommt Spätburgunder, der mit rund 43 % die größte Fläche belegt. Die Genossenschaft versteht sich als Steillagen-Spezialist und gehört mit Bundesehrenpreisen in Gold zu den erfolgreichsten Erzeugerbetrieben Deutschlands.

Geschichte

Weinbau hat in Durbach eine sehr lange Tradition, und ein Datum prägt sie besonders: 1782 ließ Markgraf Carl Friedrich von Baden am Klingelberg bei Schloss Staufenberg einen der ersten sortenreinen Rieslingweinberge Badens anlegen. Aus diesem Weinberg leitet sich der Name Klingelberger ab, der in der Ortenau bis heute für Riesling steht.

Die Genossenschaft selbst wurde 1928 gegründet – in einer Zeit, in der viele Kleinwinzer allein kaum ausbaufähige Mengen und keinen Marktzugang hatten. Den Anstoß gab der damalige Bürgermeister Franz-Xaver Wörner. Aus dem Zusammenschluss vieler Familienbetriebe wurde über die Jahrzehnte einer der größten Erzeuger der Ortenau, mit eigener Kellerei, Vinothek und Brennerei in Durbach.

Seit Januar 2015 führt Stephan Danner die Genossenschaft als geschäftsführender Vorstand; im Keller verantwortet Rüdiger Nilles den Ausbau. Ein einschneidender Schritt fiel 2026: Nachdem das markgräfliche Weingut Schloss Staufenberg den Betrieb einstellte, übernahmen die Durbacher Winzer rund 13 Hektar dieser historischen Rebflächen in Pacht – neun Mitgliedsbetriebe bewirtschaften sie seither. Die Mitgliederversammlung stimmte dem Projekt mit über 80 % Zustimmung zu.

Lage & Terroir

Durbach liegt in einem weit verzweigten Talkessel etwa zehn Kilometer nordöstlich von Offenburg, dort wo die Rheinebene auf den Schwarzwald trifft. Diese Lage prägt alles: Die Reben klettern an den Hängen bis in Höhen, in denen Vollernter keine Chance haben. Bis zu 80 % der Durbacher Rebfläche sind Steillagen, die steilsten Parzellen erreichen 70 bis 80 % Hangneigung. Gearbeitet wird dort von Hand – aufwendig, aber die Voraussetzung für die Qualität und für den Erhalt einer alten Kulturlandschaft mit Trockenmauern und Terrassen.

Klimatisch profitiert die Ortenau von der Wärme der Rheinebene und von langen, milden Herbsten; der Schwarzwald schützt vor kaltem Ostwind und sorgt nachts für Abkühlung. Die Böden bestehen überwiegend aus verwittertem Granit und Gneis des Grundgebirges, teils mit Löss- und Verwitterungsauflagen. Auf diesen kargen, schnell erwärmten Urgesteinsböden bekommt der Riesling eine feine, zupackende Säure und ein rauchig-mineralisches Rückgrat, während Traminer und Gewürztraminer ihr intensives Aroma entwickeln.

Die Genossenschaft bündelt die Trauben aus vier Einzellagen: Durbacher Plauelrain, Durbacher Ölberg, Durbacher Steinberg und Durbacher Kochberg. In den steilsten Parzellen von Plauelrain, Ölberg und Steinberg stehen bevorzugt die aromatischen weißen Sorten – Traminer, Gewürztraminer und Scheurebe.

Stil & Philosophie

Der Anspruch ist klar gestaffelt: von zugänglichen Alltagsweinen der Linien Klassik und Schöne Zeit über die Kollektion und die Edition bis zu den Lagenweinen Steinberg und Ölberg 1863. Weiß- und Roséweine reifen überwiegend im Edelstahl, um Frucht und Frische zu erhalten; die Spätburgunder werden im großen Holzfass oder im Barrique ausgebaut und zeigen damit eher Struktur und Würze als plakative Fruchtsüße.

Stilistisch stehen die Klingelberger für trockene, straffe Rieslinge mit klarer Zitrus- und Steinobstfrucht. Clevner und Gewürztraminer sind das aromatische Gegenprogramm: Rosenblüte, Litschi, Gewürznote – je nach Ausbau feinherb oder trocken. Ergänzt wird das Sortiment durch flaschengegärte Sekte, Secco, edelsüße Raritäten und edle Brände aus Traubenmark und Obst, für die die Genossenschaft mehrfach ausgezeichnet wurde.

Klingelberger und Clevner – die Ortenauer Sortennamen

Wer Weine aus Durbach kauft, stolpert unweigerlich über zwei Namen, die es sonst kaum gibt. Klingelberger ist keine eigene Rebsorte, sondern der historische Ortenauer Name für Riesling – benannt nach dem Klingelberg in Durbach. Clevner wiederum bezeichnet in der Ortenau den Traminer beziehungsweise Gewürztraminer. Achtung bei der Verwechslungsgefahr: In der Schweiz und in Teilen Süddeutschlands wird derselbe Name für Blauburgunder oder Frühburgunder verwendet. In Durbach ist Clevner immer weiß und immer aromatisch.

Bekannte Lagen & Weine

Die Genossenschaft arbeitet mit vier Durbacher Einzellagen, jede mit eigenem Charakter:

  • Durbacher Plauelrain – berühmte Steillage, Heimat vieler Klingelberger und Traminer
  • Durbacher Ölberg – gibt der Premiumlinie „Ölberg 1863" ihren Namen
  • Durbacher Steinberg – gilt als Spitzenlage des Betriebs und steht Pate für die Lagenlinie
  • Durbacher Kochberg – etwas breiter aufgestellt, auch für Burgundersorten

Dazu kommen seit 2026 rund 13 Hektar am Schloss Staufenberg, bepflanzt zu etwa 34 % mit Klingelberger-Riesling und rund 27 % Spätburgunder, der Rest verteilt auf weitere weiße Sorten.

Auszeichnungen

Die Durbacher Winzer eG zählt zu den regelmäßig prämierten Erzeugern Deutschlands. Sie tritt selbst als „Steillagen-Spezialisten und Bundesehrenpreisträger in Gold" auf – der Bundesehrenpreis ist die höchste Auszeichnung der bundesweiten Weinprämierung und honoriert nicht einen einzelnen Wein, sondern die Qualität des gesamten Sortiments über mehrere Jahre. Beim Badischen Weinbauverband erhielt die Genossenschaft Ehrenpreise der Gebietsweinprämierung in der größten Betriebsgrößenklasse (ab 300 Hektar). Mehrfach ausgezeichnet wurden zudem die edelsüßen Weine und die Brände des Hauses.

Häufige Fragen

Wofür ist die Durbacher Winzergenossenschaft bekannt?

Für Weine aus extremen Steillagen der Ortenau – und für die beiden Durbacher Spezialitäten Klingelberger und Clevner. Klingelberger ist der Ortenauer Traditionsname für Riesling, Clevner der lokale Name für Traminer. Dazu kommt viel Spätburgunder, der mit rund 43 % die größte Rebfläche belegt.

Was ist der Unterschied zwischen Klingelberger und Clevner?

Beides sind alte Ortenauer Sortennamen. Klingelberger steht für Riesling und geht auf den Klingelberg bei Schloss Staufenberg in Durbach zurück, wo Markgraf Carl Friedrich von Baden 1782 einen der ersten sortenreinen Rieslingweinberge Badens anlegen ließ. Clevner bezeichnet in der Ortenau den Traminer beziehungsweise Gewürztraminer – nicht, wie in der Schweiz, den Blauburgunder.

Wo liegt die Durbacher Winzergenossenschaft?

In Durbach im Ortenaukreis, rund zehn Kilometer nordöstlich von Offenburg und damit im nördlichen Teil des badischen Weinbaubereichs Ortenau. Die Reben ziehen sich in einem Talkessel die Hänge zum Schwarzwald hinauf.

Kann man die Weine vor Ort probieren?

Ja. Die Genossenschaft betreibt eine Vinothek in Durbach; seit der Übernahme der Rebflächen von Schloss Staufenberg im Jahr 2026 gehört auch das Recht dazu, die Vinothek auf dem Schlossgelände zu betreiben. Öffnungszeiten und Verkostungsangebote solltest du vor dem Besuch prüfen.

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