Zusammenfassung
Das Weingut Battenfeld-Spanier in Hohen-Sülzen zählt zu den prägenden Adressen Rheinhessens und hat maßgeblich dazu beigetragen, den einst unterschätzten Wonnegau als eine der spannendsten Riesling-Landschaften Deutschlands bekannt zu machen. Hans Oliver Spanier – in der Weinszene meist nur „H.O.“ genannt – bewirtschaftet rund 40 Hektar biodynamisch und arbeitet konsequent an einem Thema: Riesling auf Kalkstein. Seine Großen Gewächse aus dem Frauenberg, dem Kirchenstück und dem Zellerweg am schwarzen Herrgott sind straff, salzig und alles andere als gefällig – sie brauchen Zeit und belohnen sie mit großer Reife.
Geschichte
Die Geschichte des heutigen Guts beginnt 1991, als Hans Oliver Spanier den elterlichen Betrieb in Hohen-Sülzen übernahm – zu einer Zeit, als Rheinhessen international vor allem für billige Massenware stand. Wenige Jahre später, um 1995, kam durch den Zusammenschluss mit dem benachbarten Weingut Battenfeld der heutige Doppelname zustande.
Spanier gehörte zu den Ersten in der Region, die konsequent auf Ertragsreduzierung, Handlese und Herkunft setzten. Bereits Anfang der 1990er-Jahre begann er, ökologisch zu arbeiten; 2005 stellte er den gesamten Betrieb auf Biodynamie um. 1998 wurde das Gut in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) aufgenommen – ein früher Ritterschlag für ein damals noch junges Weingut.
Eine weitere Zäsur brachte das Jahr 2006: Hans Oliver Spanier heiratete Carolin Gillot vom Weingut Kühling-Gillot in Bodenheim am Roten Hang. Seitdem verantworten die beiden ihre Güter gemeinsam – als getrennte Marken mit eigener Handschrift, aber gemeinsamer Philosophie. Zusammen wurden sie 2018 vom Weinführer Vinum zu Winzern des Jahres gekürt.
Lage & Terroir
Der Wonnegau, der südlichste Teil Rheinhessens zwischen Worms und der Grenze zur Pfalz, ist geologisch eine Besonderheit: Unter einer flachen Lössauflage liegt hier vielerorts massiver Kalkstein, teilweise mit Ton- und Mergelanteilen. Genau dieser Untergrund ist Spaniers Lebensthema. Kalk speichert Wasser, sorgt für kühle Wurzelzonen und gibt den Weinen jene salzige, zupackende Mineralität, für die das Gut steht.
Die Weinberge liegen in Hohen-Sülzen, Nieder-Flörsheim und Mölsheim. Besonders markant ist der Zellerweg am schwarzen Herrgott bei Mölsheim, einer der ältesten urkundlich erwähnten Weinberge Deutschlands, direkt an der Nahtstelle zwischen Rheinhessen und der Pfalz gelegen. Das Klima ist warm und trocken – der Pfälzerwald schirmt Regen ab –, was in Kombination mit dem kühlenden Kalk späte, aber ausgereifte Lesen mit erhaltener Säure erlaubt.
Stil & Philosophie
Im Weinberg bedeutet Biodynamie hier: Begrünung, Kompost, Präparate, kein Herbizid, tiefe Wurzeln, kleine Erträge. Im Keller folgt daraus ein bewusst zurückhaltender Ansatz – spontane Gärung mit weinbergseigenen Hefen, langes Hefelager, Ausbau überwiegend im großen Holzfass sowie in gebrauchten Barriques, wenig Schwefel, keine Schönungskosmetik.
Die Weine sind entsprechend kompromisslos: trocken, oft mit deutlich spürbarer Struktur und phenolischem Zug, in der Jugend eher verschlossen. Fruchtaromatik steht nicht im Vordergrund; stattdessen prägen Kräuter, Zitrus, Feuerstein und eine kühle, fast salzige Note das Bild. Diese Weine sind auf Langlebigkeit angelegt und gewinnen über viele Jahre. Neben dem Riesling gilt das auch für Spätburgunder und Weißburgunder von alten Reben, die auf denselben Kalkböden wachsen.
Das Sortiment ist streng nach Herkunft gestaffelt: Gutsweine, Ortsweine aus Hohen-Sülzen, Nieder-Flörsheim und Mölsheim und darüber die Großen Gewächse aus den besten Parzellen.
Bekannte Lagen & Weine
Zu den wichtigsten Lagen des Guts zählen:
- Zellerweg am schwarzen Herrgott (Mölsheim) – kalkgeprägt, würzig und straff; die vielleicht bekannteste Lage des Guts
- Frauenberg (Nieder-Flörsheim) – Kalkstein und Ton, kraftvoll und tief
- Kirchenstück (Hohen-Sülzen) – die Hauslage rund um den Betrieb, elegant und feingliedrig
- Kreuzberg – ergänzt das Spektrum der kalkreichen Parzellen
Die Großen Gewächse aus diesen Lagen sind die Aushängeschilder. Wer den Stil günstiger kennenlernen möchte, greift zum Gutsriesling oder zu den Ortsweinen, die dieselbe kalkige Handschrift in zugänglicherer Form zeigen. Auch der Weißburgunder „Alte Reben“ hat eine treue Anhängerschaft.
Auszeichnungen
Battenfeld-Spanier gehört seit Jahren zur Spitzengruppe in den führenden deutschen Weinführern – darunter Gault&Millau, Eichelmann, Falstaff und Vinum. 2018 wurden Hans Oliver Spanier und Carolin Spanier-Gillot von Vinum gemeinsam zu Winzern des Jahres gekürt. International wird das Gut vor allem als Referenz für deutschen Kalkstein-Riesling wahrgenommen; seit 2011 ist es Mitglied der von Nicolas Joly initiierten biodynamischen Vereinigung „La Renaissance des Appellations“. Damit steht Battenfeld-Spanier heute stellvertretend für den Aufstieg Rheinhessens von der Massenweinregion zu einer der spannendsten Herkünfte Deutschlands.
