Zusammenfassung
Argiolas ist das Weingut, das die meisten Weinliebhaber zuerst nennen, wenn es um Sardinien geht. 1938 von Antonio Argiolas in Serdiana, rund 20 Kilometer nördlich von Cagliari, gegründet, hat sich der Familienbetrieb von drei Hektar zu einem Gut mit rund 230 Hektar Reben entwickelt – und dabei nie den Fokus auf die einheimischen Rebsorten der Insel verloren. Berühmt wurde das Haus mit dem Turriga, einer Cannonau-Cuvée, die die Familie ab Ende der 1980er-Jahre mit dem legendären Önologen Giacomo Tachis entwickelte. Heute führt die dritte Generation das Gut, das mit Weinen wie Costamolino, Perdera, Korem und Turriga in kaum einer sardischen Weinkarte fehlt.
Geschichte
Die Wurzeln reichen ins Jahr 1918, als der Vater von Antonio Argiolas in Serdiana einen ersten Weinberg kaufte. Antonio Argiolas, Jahrgang 1906, erbte rund drei Hektar und gründete 1938 offiziell die Cantina. In den ersten Jahrzehnten war der Betrieb ein typischer sardischer Landwirtschaftsbetrieb: Wein, Olivenöl und Käse gingen vor allem an Kunden auf der Insel.
Der Wendepunkt kam mit der zweiten Generation. Nach einer Reise nach Argentinien und Kalifornien im Jahr 1979 waren die Söhne Franco und Giuseppe überzeugt, dass Sardinien Weine von internationalem Rang hervorbringen kann. Die Familie kaufte weitere Flächen im Hügelland der Trexenta, modernisierte den Keller und holte sich ab Ende der 1980er-Jahre den prominentesten Berater, den Italien zu bieten hatte: Giacomo Tachis, den „Vater" der Supertoskaner. Aus dieser Zusammenarbeit ging 1988 der erste Jahrgang des Turriga hervor, der 1991 auf den Markt kam und Argiolas schlagartig international bekannt machte.
Antonio Argiolas erlebte den Aufstieg seines Guts bis ins hohe Alter mit – er starb 2009 mit 102 Jahren und gilt bis heute als Patriarch des sardischen Weins. Inzwischen ist mit Valentina, Francesca und Antonio Argiolas die dritte Generation in der Führung, Kellermeister Mariano Murru prägt den Stil der Weine seit vielen Jahren.
Lage & Terroir
Der Stammsitz liegt in Serdiana im Parteolla, einem sanften Hügelland nördlich von Cagliari. Rund um die Kellerei wachsen die Reben der Tenuta Serdiana auf kalkhaltigen, teils mergeligen Böden – hier befindet sich auch ein Versuchsweinberg, in dem die Familie alte sardische Rebsorten erhält und untersucht.
Der Großteil der rund 230 Hektar verteilt sich auf Güter in der Trexenta, einer der klassischen Rotweinzonen Süd-Sardiniens: die Tenuta Sisini mit etwa 60 Hektar auf 200 bis 250 Metern Höhe, die höher gelegene Sa Tanca auf 250 bis 350 Metern und die Vigne Vecchie bei Selegas mit rund 40 Hektar alter Reben. In dieser Gegend, zwischen Senorbì und Selegas, liegt auch die Flur Turriga, nach der der Spitzenwein benannt ist. Ganz anders die Tenuta Is Solinas im Sulcis im Südwesten der Insel: Hier stehen die Carignano-Reben auf sandigen Böden nahe der Küste – dem klassischen Terroir dieser Sorte.
Das Klima ist typisch mediterran mit heißen, trockenen Sommern. Der Maestrale-Wind und die Höhenlage der Trexenta-Weinberge sorgen für kühle Nächte, die Aromen und Säure der Trauben erhalten.
Stil & Philosophie
Die Philosophie von Argiolas lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Sardinien in der Flasche. Während viele Betriebe in den 1980er-Jahren auf Cabernet und Chardonnay setzten, blieb die Familie bei den Sorten der Insel – Cannonau, Carignano, Bovale Sardo, Monica und Malvasia Nera bei den Roten, Vermentino, Nuragus, Nasco und Moscato bei den Weißen. Giacomo Tachis sah im Süden Sardiniens die „wahre Seele" der Insel und bewies mit dem Turriga, dass sich aus diesen Sorten ein Wein von Weltformat komponieren lässt.
Der Stil ist modern und sauber, ohne die sardische Wärme zu verleugnen: Die Weißweine sind frisch, salzig und aromatisch, die Rotweine reifen je nach Linie im Stahltank oder in französischen Barriques. Die Basisweine setzen auf Frucht und Trinkfluss, die Spitzenweine auf Dichte, Struktur und Lagerfähigkeit. Im Weinberg investiert die Familie seit Jahren in nachhaltige Bewirtschaftung, Wassermanagement und den Erhalt der Rebsortenvielfalt.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment deckt die ganze Bandbreite Süd-Sardiniens ab:
- Turriga (Isola dei Nuraghi IGT) – die Ikone: Cannonau mit Carignano, Bovale Sardo und Malvasia Nera, 18 bis 24 Monate in französischen Barriques; benannt nach einer über 5.000 Jahre alten Statuette der Muttergöttin, die in der Flur Turriga gefunden wurde
- Korem (Isola dei Nuraghi IGT) – Cuvée auf Basis von Bovale Sardo mit Carignano und Cannonau, barriquegereift
- Costera (Cannonau di Sardegna DOC) – der klassische Cannonau des Hauses, warm und würzig
- Perdera (Monica di Sardegna DOC) – saftiger, unkomplizierter Roter aus der Sorte Monica
- Is Solinas (Carignano del Sulcis DOC) – Carignano von der Küstentenuta im Südwesten
- Costamolino (Vermentino di Sardegna DOC) – der wohl meistgetrunkene Vermentino der Insel, frisch und zitrisch
- Is Argiolas (Vermentino di Sardegna DOC) – die konzentriertere Vermentino-Variante aus den Weinbergen rund um Serdiana
- Angialis (Isola dei Nuraghi IGT) – Süßwein vor allem aus Nasco, mit Malvasia
Dazu kommen Weine wie Iselis, Cerdeña, die Cannonau-Riserva Senes zu Ehren des Gründers und der Cannonau-Passito Antonio 100, der an dessen 100. Geburtstag erinnert.
Auszeichnungen
Der Turriga ist einer der am häufigsten ausgezeichneten Rotweine Italiens: Er erhielt bei Gambero Rosso über viele Jahrgänge hinweg die höchste Bewertung Tre Bicchieri, der Erstlingsjahrgang 1988 wurde 1997 auf der Vinitaly in Verona mit der Gran Medaglia d’Oro geehrt, und jüngere Jahrgänge wie 2020 und 2021 kamen bei James Suckling auf 97 Punkte. Argiolas ist zudem Gründungsmitglied des Comitato Grandi Cru d’Italia. Für Sardinien hat das Haus vor allem eines geleistet: Es hat gezeigt, dass Cannonau, Carignano und Vermentino auf Augenhöhe mit den großen Weinen des Festlands spielen können.
