Zusammenfassung
Das Weingut Bianka und Daniel Schmitt in Flörsheim-Dalsheim ist eine der international sichtbarsten Naturweinadressen Deutschlands. Auf rund 17 Hektar im Süden Rheinhessens arbeitet das Paar seit 2012 biodynamisch und Demeter-zertifiziert – zu einer Zeit, als das in der Region noch die absolute Ausnahme war. Im Keller folgt konsequent, was im Weinberg beginnt: Handlese, unterschiedlich lange Maischestandzeiten, Maischegärung auch bei den weißen Sorten, Ausbau in gebrauchten Holzfässern und Tonamphoren auf der Vollhefe, unfiltrierte Füllung und wenig bis gar kein Schwefel. Die Weine sind extraktreich, texturbetont und haben ein deutliches Reifepotenzial.
Geschichte
Die Geschichte dieses Guts ist zugleich eine Betriebs- und eine Paargeschichte. 2012 lernten sich Bianka und Daniel Schmitt kennen – beide hatten Önologie studiert, beide brachten eine klare Vorstellung davon mit, wie sie Wein machen wollten. Im selben Jahr übernahmen sie das Familienweingut in Flörsheim-Dalsheim in vierter Generation.
Der Wechsel war kein sanfter Übergang, sondern eine Neuausrichtung. Statt den konventionellen Betrieb weiterzuführen, stellten die beiden sofort auf biodynamische Bewirtschaftung um und ließen den Betrieb nach Demeter zertifizieren. Damit gehörten sie in Rheinhessen zu den Pionieren: Bis heute gibt es in ganz Deutschland nur rund 80 Weingüter mit Demeter-Zertifizierung.
Parallel dazu bauten Bianka und Daniel Schmitt ein Netzwerk auf, das über die Region hinausreicht. Das Gut wurde Mitglied bei VinNatur, dem europäischen Verband der Naturweinerzeuger, und nimmt an der Renaissance des Appellations teil, jener von Nicolas Joly angestoßenen internationalen Bewegung für biodynamischen Weinbau. Dieser Anschluss an die europäische Naturweinszene hat den Betrieb schneller international bekannt gemacht, als es über den klassischen deutschen Fachhandel möglich gewesen wäre.
Lage & Terroir
Flörsheim-Dalsheim liegt im Süden Rheinhessens, in einem vergleichsweise trockenen, sonnenreichen Teil des größten deutschen Anbaugebiets. Die Böden rund um den Ort sind der eigentliche Rohstoff der Weine: Kalkstein mit Tonanteilen auf der einen Seite, kieselig-toniger Boden auf der anderen. Kalk und Ton geben Struktur, Salzigkeit und eine kühle Ader, die den Weinen trotz der Wärme des Standorts Spannung verleiht; kieselige Anteile sorgen für Feinheit und einen etwas leichteren Zug.
Zu den Rebflächen des Guts gehören Parzellen im Nieder-Flörsheimer Goldberg und im Nieder-Flörsheimer Frauenberg. Beide Lagen gelten als verlässliche Herkünfte für strukturierte, langlebige Weine – der Goldberg für Wärme und Fülle, der Frauenberg für eine etwas straffere Anlage.
Zum biodynamischen Verständnis gehört, dass nicht jede Fläche Rebfläche bleiben muss: Teile des Betriebs werden bewusst in Biotope umgewandelt. Hecken, Brachen und Blühflächen sind hier kein Marketingbeiwerk, sondern Teil eines Betriebsorganismus, in dem der Weinberg funktionieren soll, ohne von außen gestützt zu werden.
Stil & Philosophie
Bianka und Daniel Schmitt beschreiben ihre Arbeit als Wahrnehmung fließender Energien und der vielfältigen Charakteristik ihrer Weinberge, die sich in ausgewogenen, eleganten Weinen niederschlagen soll. Praktisch heißt das: Weinberg und Keller werden nicht als zwei getrennte Arbeitsschritte verstanden, sondern als ein zusammenhängender Kreislauf. Was im Weinberg an Reife, Gesundheit und Charakter entsteht, soll im Keller nicht korrigiert, sondern nur begleitet werden.
Deshalb wird ausschließlich von Hand gelesen. Die Trauben bekommen je nach Jahrgang und Parzelle unterschiedlich lange Maischestandzeiten – auch die weißen Sorten werden auf der Maische vergoren, was ihnen Gerbstoff, Farbe und eine ungewöhnlich griffige Textur gibt. Ausgebaut werden die Weine in gebrauchten Holzfässern und in Tonamphoren, jeweils auf der Vollhefe, die dem Wein Schutz und Tiefe gibt, ohne dass man mit Schwefel nachhelfen müsste.
Gefüllt wird unfiltriert und ohne oder mit sehr wenig Schwefel. Die eigene Linie „Natur“ entsteht ganz ohne Schwefelzugabe. Das Ergebnis sind Weine mit hohem Extrakt, viel Substanz und einem deutlichen Reifepotenzial – Weine, die eher über Textur und Länge funktionieren als über plakative Frucht.
Bekannte Lagen & Weine
Die wichtigsten Herkünfte des Guts sind schnell benannt, und sie werden bewusst nicht durch eine lange Lagenliste verwässert:
- Nieder-Flörsheimer Goldberg – Kalk und Ton, Fülle und Wärme
- Nieder-Flörsheimer Frauenberg – die etwas straffere, feiner gezeichnete Seite des Betriebs
Sortenseitig stehen Riesling und die Burgundersorten im Vordergrund, allen voran der Weißburgunder, der von der Maischegärung besonders profitiert. Bei den roten Weinen ist der Nieder-Flörsheimer Spätburgunder die bekannteste Abfüllung – ein Wein, der die Handschrift des Guts gut zeigt: unfiltriert, im gebrauchten Holz gereift und ohne kosmetische Eingriffe.
Daneben steht die Linie „Natur“, die vollständig auf Schwefel verzichtet und im Ausland oft der erste Kontaktpunkt mit dem Gut ist.
Auszeichnungen
Die Anerkennung, die dieses Weingut genießt, lässt sich weniger in Punkten als in Zugehörigkeiten und Reichweite messen. Die Demeter-Zertifizierung seit 2012 ist der härteste Nachweis für die biodynamische Arbeit – und angesichts von nur rund 80 zertifizierten Betrieben in ganz Deutschland eine Position, die man sich erarbeiten muss. Die Mitgliedschaft bei VinNatur und die Teilnahme an der „Renaissance des Appellations“ binden den Betrieb in die beiden wichtigsten europäischen Netzwerke für Natur- und biodynamischen Wein ein.
In der internationalen Naturweinszene gehört das Gut damit zu den regelmäßig genannten deutschen Adressen; ein spürbarer Teil der Produktion geht in den Export an spezialisierte Händler, Weinbars und Restaurants. Für ein Weingut dieser Größe ist das die eigentliche Auszeichnung: Es wird dort gelistet, wo über den Stil entschieden wird.
