Zusammenfassung
Das Weingut Schloss Ortenberg liegt zu Füßen des gleichnamigen Schlosses in der Ortenau bei Offenburg und gehört zu den traditionsreichsten Betrieben Badens. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1407 zurück; in seiner heutigen Form entstand es 1997 aus der Fusion zweier kommunaler Weingüter und galt lange als größtes kommunales Weingut Deutschlands. Auf rund 45 Hektar, überwiegend auf verwittertem Granit, wachsen vor allem Spätburgunder und Klingelberger – der Ortenauer Name für Riesling. Seit 2021 gehört das Gut dem Hotelier Thomas Althoff, der es mit einer klaren Lagenstrategie weiterentwickelt.
Geschichte
Die Geschichte des Guts beginnt im Jahr 1407, als dem St.-Andreas-Hospital in Offenburg Weinberge geschenkt wurden. Über Jahrhunderte finanzierte der Weinbau die Versorgung von Kranken und Bedürftigen – das Hospitalweingut St. Andreas blieb in städtischer Hand.
Parallel dazu belebte der Landkreis 1950 die alte Weintradition rund um das Ortenberger Schloss neu: Es entstand das Weinbauversuchsgut Schloss Ortenberg, das neue Rebsorten und Anbaumethoden für die Region erprobte. Am 1. April 1997 legten die Stadt Offenburg und der Ortenaukreis beide Betriebe zum Weingut Schloss Ortenberg zusammen – damals das größte kommunale Weingut Deutschlands.
2021 übernahm der Hotelier Thomas Althoff das Gut. Geschäftsführer ist heute der gebürtige Ortenauer Matthias Wolf, der Erfahrungen in Südafrika und Neuseeland gesammelt hat. Kellermeister Hanspeter Rieflin prägt die Weine bereits seit der Fusion 1997 und sorgt für Kontinuität.
Lage & Terroir
Die Ortenau erstreckt sich als schmaler Streifen entlang der westlichen Schwarzwaldhänge zwischen Baden-Baden und Offenburg. Die Weinberge des Guts liegen rund um Ortenberg, Zell-Weierbach und Zunsweier, teils in steilen Hanglagen unterhalb des Schlosses, das auf einem Granitfelsen thront.
Prägend sind die Granitverwitterungsböden, im Weinbau eher selten und hier gewissermaßen die DNA der Weine. Stellenweise kommen Buntsandstein und Löss hinzu. Klimatisch treffen die Wärme der Oberrheinebene und kühle Fallwinde aus dem Schwarzwald aufeinander. Das Ergebnis sind Weine mit reifer Frucht, lebendiger Säure und einer feinen, würzig-mineralischen Note.
Stil & Philosophie
Schloss Ortenberg setzt auf die klassischen Sorten der Ortenau: Spätburgunder und Klingelberger belegen jeweils gut ein Viertel der Fläche. Dazu kommen Grau- und Weißburgunder, Müller-Thurgau, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Als ehemaliges Versuchsgut war der Betrieb zudem Vorreiter für internationale Sorten wie Syrah und Merlot, die hier zuerst in der Ortenau gepflanzt wurden.
Stilistisch stehen trockene, präzise Weine im Vordergrund, die die Herkunft vom Granit betonen. Die Spätburgunder verbinden Frucht und Frische mit burgundisch anmutender Eleganz, die Rieslinge zeigen Rasse und Mineralität. Unter der neuen Führung wurde die Arbeit im Weinberg weiter auf Qualität und Nachhaltigkeit ausgerichtet.
Bekannte Lagen & Weine
Die Spitze des Sortiments bildet die Linie Sankt Andreas, benannt nach dem historischen Hospitalweingut, mit Lagenweinen aus den besten Parzellen. Zu den wichtigsten Lagen zählen:
- Ortenberger Schlossberg – Steillage auf Granit direkt unterhalb des Schlosses
- Ortenberger Andreasberg – in Alleinbesitz des Guts
- Zeller Abtsberg in Zell-Weierbach
- Zunsweierer Halde
Darunter gibt es eine breite Palette an Guts- und Ortsweinen sowie Rosé, Sekt und rote Cuvées mit internationalen Sorten.
Auszeichnungen
Das Gut wird regelmäßig in den führenden Weinführern bewertet. Im Falstaff erreichten zuletzt rund ein Dutzend Weine 90 Punkte und mehr, und auch der Wine Advocate vergab mehrfach Bewertungen über 90 Punkte, unter anderem für eine rote Cuvée. Schloss Ortenberg gilt damit als eine der verlässlichen Qualitätsadressen der Ortenau – und als Beleg dafür, wie viel Potenzial in Spätburgunder und Riesling vom Granit steckt.
