Zusammenfassung
Die Cantina Santadi ist der Beweis, dass eine Genossenschaft Weine von Weltrang erzeugen kann. Gegründet 1960 im Sulcis, der südwestlichsten Ecke Sardiniens, verarbeitet sie heute die Trauben von rund 200 Mitgliedern mit zusammen etwa 600 Hektar Reben. Ihr Herzstück ist der Carignano, der hier auf sandigen Böden oft noch als alter, wurzelechter Buschrebstock wächst. Mit dem Terre Brune, den die Genossenschaft ab 1984 gemeinsam mit dem legendären Önologen Giacomo Tachis entwickelte, schuf Santadi den ersten großen barriquegereiften Rotwein der Insel – und machte die DOC Carignano del Sulcis international bekannt.
Geschichte
Im Oktober 1960 schlossen sich im Bergdorf Santadi einige Dutzend Winzer zur Cantina Sociale di Santadi zusammen. Die Idee war typisch für jene Zeit: Gemeinsam sollten die kleinen Betriebe des Sulcis ihre Trauben besser vermarkten, als es jeder allein gekonnt hätte. Lange Jahre wurde vor allem Fasswein erzeugt, der oft zum Verschnitt aufs Festland ging.
Die entscheidende Wende kam 1976, als Antonello Pilloni zum Präsidenten gewählt wurde. Er übernahm eine Genossenschaft in schwerer wirtschaftlicher Lage, ordnete sie neu und setzte kompromisslos auf Qualität statt Menge. In den 1980er-Jahren gewann er Giacomo Tachis als Berater – den Önologen hinter Sassicaia, Tignanello und Solaia. Tachis brachte eine einfache, aber folgenreiche Überzeugung mit: Wein entsteht zuerst im Weinberg. Niedrigere Erträge, strenge Traubenselektion und präzise Lesezeitpunkte wurden zur Grundlage des neuen Stils.
1984 kam der erste Jahrgang des Terre Brune heraus, der Santadi und den Carignano del Sulcis bekannt machte. Pilloni führte die Genossenschaft rund 48 Jahre lang; im Juli 2024 übergab er das Präsidentenamt an Elvio Daniele Curreli.
Lage & Terroir
Das Sulcis im äußersten Südwesten Sardiniens ist eine abgelegene, sonnenreiche Landschaft zwischen Bergland und Küste. Das Klima ist ausgesprochen mediterran: heiße, trockene Sommer, milde Winter und stetige Winde vom Meer, die die Reben gesund halten.
Prägend sind die sandigen Böden vor allem in Küstennähe. Auf ihnen konnte sich die Reblaus nie richtig ausbreiten, weshalb im Sulcis bis heute viele alte, wurzelechte Carignano-Stöcke stehen – meist als niedrige Buschreben (Alberello) erzogen. Diese alten Reben liefern geringe Erträge mit konzentrierter Frucht und sind die Basis der besten Weine der Genossenschaft. Weiter im Landesinneren kommen lehmigere und kalkhaltigere Böden hinzu.
Stil & Philosophie
Santadi verbindet die Struktur einer großen Genossenschaft mit dem Anspruch eines Qualitätsweinguts. Die Mitglieder werden in der Weinbergsarbeit eng begleitet, die Trauben nach Lagen und Qualität getrennt verarbeitet. Die Handschrift, die Giacomo Tachis dem Haus mitgab, wird bis heute weitergeführt: reife, klare Frucht, Ortsbezug und Eleganz statt bloßer Wucht.
Der Carignano zeigt sich hier in vielen Facetten – von saftig-fruchtigen Rotweinen für jeden Tag über die im Holz gereiften Riserva-Weine bis zum dichten, langlebigen Terre Brune. Bei den Weißen steht der Vermentino mit seinen frischen, salzig-kräuterigen Noten im Vordergrund, ergänzt durch die autochthonen Sorten Nuragus und Nasco.
Bekannte Lagen & Weine
Die Genossenschaft arbeitet mit den Weinbergen ihrer Mitglieder im ganzen Sulcis; bekannt ist sie vor allem für ihre Weinlinien:
- Terre Brune – Carignano del Sulcis Superiore, überwiegend Carignano mit etwas Bovaleddu, in Barriques gereift; das Flaggschiff
- Rocca Rubia – Carignano del Sulcis Riserva, im Holz ausgebaut, zugänglicher als der Terre Brune
- Grotta Rossa – fruchtiger, unkomplizierter Carignano del Sulcis
- Villa Solais und Cala Silente – Vermentino di Sardegna von frisch bis ausdrucksstark
- Latinia – Süßwein auf Basis von Nasco
Zudem ist Santadi Partner der Agricola Punica, eines Gemeinschaftsprojekts im Sulcis, an dem auch die Tenuta San Guido (Sassicaia) beteiligt ist.
Auszeichnungen
Der Terre Brune zählt seit Jahrzehnten zu den meistprämierten Weinen Sardiniens und wurde vielfach mit den Tre Bicchieri des Gambero Rosso ausgezeichnet. Auch Rocca Rubia und weitere Weine erhalten regelmäßig Spitzenbewertungen in italienischen und internationalen Weinführern. Vor allem aber gilt Santadi als Vorbild dafür, wie eine Genossenschaft eine ganze Region voranbringen kann: Ohne die Arbeit in Santadi wäre der Carignano del Sulcis heute kaum einer der bekanntesten Rotweine Sardiniens.
