Zusammenfassung
Ruffino ist eines der bekanntesten Weinhäuser der Toskana – und eines der ersten, das den Chianti bewusst in die Welt hinausgetragen hat. 1877 von den Cousins Ilario und Leopoldo Ruffino in Pontassieve bei Florenz gegründet, wurde das Haus schon 1890 Hoflieferant des italienischen Königshauses. Der Riserva Ducale (seit 1927) und der Riserva Ducale Oro (seit 1947) zählen zu den meistverkauften Chianti Classico der Welt, der Modus vertritt seit 1997 die Super-Tuscan-Idee. Seit 1913 prägte die Familie Folonari das Unternehmen, seit 2011 gehört es vollständig dem US-Konzern Constellation Brands. Anders als viele Großmarken besitzt Ruffino eigene Tenute im Chianti Classico, in Montalcino und seit 2023 in Bolgheri.
Geschichte
Als Ilario und Leopoldo Ruffino 1877 ihr Weinhaus gründeten, wählten sie den Standort mit Bedacht: Pontassieve, östlich von Florenz, lag am Zusammenfluss von Arno und Sieve, hatte einen Bahnanschluss, eine Glasfabrik und beste Chianti-Weinberge in der Nachbarschaft. Die Cousins wollten von Anfang an mehr als einen Landwein für die Osteria um die Ecke – sie wollten einen toskanischen Wein, der reist. Schon 1881 gewann ihr Chianti eine Goldmedaille auf der Weinausstellung in Mailand, 1885 folgte Gold in Antwerpen. Mit den Auswanderern fand der Ruffino-Chianti früh den Weg in die USA, bis heute sein wichtigster Markt.
Der Wendepunkt kam 1890: Der Herzog von Aosta besuchte den Betrieb und ernannte Ruffino zum offiziellen Lieferanten des Königshauses. Zu seinen Ehren erhielt 1927 der erste Riserva Ducale – ein Chianti Stravecchio – seinen Namen. 1913 übernahm die Familie Folonari aus Brescia das Haus, unter deren Führung Ruffino zur Weltmarke wurde: 1947 kam mit dem Riserva Ducale Oro eine Selektion für außergewöhnliche Jahrgänge hinzu, in den 1950ern folgte der Rosé Rosatello und die strohumhüllte Fiasco-Flasche wurde zum Symbol des Made in Italy. Als der Chianti 1984 den DOCG-Status erhielt, ging die allererste Banderole an Ruffino.
1997 wagte das Haus mit dem Super Tuscan Modus den Schritt in die IGT-Welt. 1999 spaltete sich das Folonari-Geschäft auf; die Brüder Paolo und Marco führten Ruffino weiter und holten 2004 den US-Konzern Constellation Brands als Partner an Bord (40 %). 2011 übernahm Constellation die restlichen Anteile – seither ist Ruffino zu 100 % in amerikanischer Hand, geführt allerdings von einem italienischen Management in der Toskana.
Lage & Terroir
Ruffino ist kein einzelnes Weingut, sondern ein Verbund mehrerer Tenute, die sich über die wichtigsten Anbaugebiete der Toskana verteilen. Das Herz schlägt im Chianti Classico: Die Tenuta Poggio Casciano in Bagno a Ripoli, seit 2000 operatives Zentrum des Hauses, liegt auf bis zu rund 320 Metern Höhe in den Hügeln südöstlich von Florenz; hier wachsen Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot für die toskanischen Cuvées. Ganz in der Nähe liegt Montemasso, das erste Chianti-Classico-Gut, das Ruffino 1947 erwarb.
Weiter südlich, bei Castellina in Chianti, liegen Santedame und Gretole – zwei klassische Sangiovese-Lagen im Kernbereich der Appellation, aus denen unter anderem die Trauben für Riserva Ducale und Riserva Ducale Oro stammen. In Montalcino produziert die Tenuta Greppone Mazzi Brunello, in der südlichen Toskana ergänzt La Solatìa das Portfolio. 2023 kaufte Ruffino zudem rund 15 Hektar Reben in Bolgheri (Tenuta La Garzaia) und setzt damit erstmals auf die Küste mit ihren Bordeaux-Sorten. Insgesamt bewirtschaftet das Haus rund 600 Hektar Reben auf etwa 1.500 Hektar Land; alle Weinberge tragen die Nachhaltigkeitszertifizierungen SQNPI und Biodiversity Friend, die Gutsweine werden auf Bio umgestellt.
Stil & Philosophie
Ruffino steht für den klassischen, zugänglichen Chianti-Stil: Sangiovese-geprägt, mit Kirsche, Veilchen und der typischen frischen Säure, aber mit genug Reife und Holz, um auch international zu gefallen. Trotz aller Super-Tuscan-Erfolge hat sich das Haus stets zum Chianti Classico bekannt – und mit dem Riserva Ducale Oro sogar ein Vorbild für die 2014 eingeführte Spitzenkategorie Gran Selezione geliefert, in die der Wein seit dem Jahrgang 2010 eingestuft ist.
Chefwinzer Gabriele Tacconi ist erst der vierte Kellermeister in mehr als 140 Jahren Ruffino – ein Zeichen für Kontinuität. Er setzt auf eine Balance aus Tradition und moderner Präzision: Reifung in großen Fässern, Betonbehältern und Barriques je nach Wein, lange Lagerung bei den Spitzen. 2023 stellte ihm das Haus ein Winemaking Council zur Seite, dem unter anderem der Önologe Alberto Antonini und der Weinbauwissenschaftler Stefano Poni angehören. Das Ziel: Ruffino weg vom Image der reinen Volumenmarke und hin zu einem Qualitätsmaßstab für den Chianti Classico führen.
Bekannte Lagen & Weine
- Riserva Ducale – Chianti Classico Riserva DOCG, seit 1927, das Aushängeschild des Hauses
- Riserva Ducale Oro – Chianti Classico Gran Selezione DOCG, seit 1947, aus den Tenute bei Castellina in Chianti
- Modus – Toscana IGT, seit 1997, Sangiovese, Cabernet Sauvignon und Merlot zu je etwa einem Drittel; dazu die Spitzenversion Modus Primo
- Greppone Mazzi – Brunello di Montalcino DOCG von der gleichnamigen Tenuta
- Chianti DOCG und Chianti Classico DOCG – die Basislinie, einst in der Fiasco-Flasche
- Prosecco DOC – Ruffinos Sekt-Linie aus Glera, vor allem in den USA ein Bestseller
Dazu kommen Weißweine wie Pinot Grigio, ein Rosé sowie Vin Santo und Grappa.
Auszeichnungen
Die Medaillen aus der Gründerzeit – Mailand 1881, Nizza 1884, Antwerpen 1885 – legten den Grundstein für Ruffinos Ruf. In jüngerer Zeit sammelte vor allem der Riserva Ducale Lorbeeren: Der Chianti Classico Riserva erhielt im Guide Gambero Rosso Vini d'Italia die Höchstwertung Tre Bicchieri, in der Ausgabe 2024 bereits zum vierten Mal in Folge. Der Riserva Ducale Oro wird von internationalen Kritikern regelmäßig mit über 90 Punkten bewertet, etwa 94 Punkte von James Suckling für den Jahrgang 2012.
