Zusammenfassung
Das Weingut Polz am Grassnitzberg bei Spielfeld gehört zu den bekanntesten Adressen der Südsteiermark. Über Jahrzehnte firmierte es als „Erich & Walter Polz“ und stand stellvertretend für den Aufstieg der Region: weg vom einfachen Schankwein, hin zu trockenen, präzisen Weißweinen mit klarer Herkunft. Auf rund 80 Hektar wachsen heute vor allem Sauvignon Blanc und Morillon – so heißt der Chardonnay in der Steiermark –, dazu Welschriesling und Gelber Muskateller. Seit 2020 führt Erich Polz jun. den Betrieb, sein Bruder Christoph verantwortet den Keller. Im Zuge dieser Neuordnung entstand zusätzlich ein zweiter, deutlich kleinerer Betrieb: das Weingut Walter Polz am Hochgrassnitzberg.
Geschichte
Die Familie Polz bewirtschaftet den Betrieb am Grassnitzberg seit 1912. Zur überregional bekannten Marke wurde er allerdings erst in den 1980er-Jahren, als die Brüder Erich und Walter Polz die Leitung übernahmen. Sie gehörten zu jener Generation steirischer Winzer, die den Bruch mit der bisherigen Praxis wagten: statt Massenware und süßlicher Abfüllungen konsequent trockene, sauber vinifizierte Sortenweine. Diese „Weinwende“ machte die Südsteiermark innerhalb weniger Jahre zu einem der gefragtesten Weißweingebiete Österreichs – und Polz zu einem ihrer Aushängeschilder.
Über die Jahrzehnte wuchs rund um das Weingut ein verzweigtes Firmengeflecht mit Beteiligungen an weiteren Betrieben, Gastronomie- und Handelsprojekten. 2020 wurde dieses Geflecht im Zuge der Nachfolgeregelung aufgelöst: Die Anteile der Brüder gingen zunächst an einen externen Investor, kurz darauf holte die Familie den Kern zurück – das Weingut mit den prägenden Rieden und dem Buschenschank. Andere Teile, darunter das Hotel am Pössnitzberg, Flächen bei Leutschach und die Vinofaktur in Vogau, blieben außerhalb. Die Rebfläche schrumpfte dabei von deutlich über 100 Hektar auf rund 80 Hektar. Die Leitung übernahm Erich Polz jun., Kellermeister ist sein Bruder Christoph Polz.
Weingut Polz und Weingut Walter Polz
Wichtig für die Orientierung im Regal: Aus dem früheren gemeinsamen Betrieb sind zwei eigenständige Weingüter hervorgegangen. Das Weingut Polz ist der große Familienbetrieb am Grassnitzberg. Das Weingut Walter Polz ist ein deutlich kleineres, separates Gut mit Sitz am Hochgrassnitzberg; es bewirtschaftet nach eigenen Angaben rund sechs Hektar mit Sauvignon Blanc und Chardonnay und füllt seine Weine erst nach etwa zwei Jahren Reife ab. Beide Betriebe arbeiten mit Weinen aus dem Umfeld derselben berühmten Hügel, sind aber wirtschaftlich getrennt.
Lage & Terroir
Die Südsteiermark ist ein Gebiet der steilen Hänge: Rieden mit 40 Prozent Neigung und mehr sind hier keine Seltenheit, Handarbeit ist deshalb die Regel und nicht die Ausnahme. Der Grassnitzberg liegt im Süden des Gebiets, nur wenige Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt.
Klimatisch treffen hier warme, feuchte Luftmassen aus dem Süden auf kühle Einflüsse aus dem Alpenraum. Das Ergebnis sind heiße Tage und deutlich kühlere Nächte – genau jene Spanne, die den steirischen Weißweinen ihre straffe Säure und ihr ausgeprägtes Aroma gibt. Die Böden wechseln kleinräumig zwischen Sand, Sandstein, Mergel (regional Opok) und kalkreichen Partien. Der Hochgrassnitzberg ist für seinen Kalkanteil bekannt, der den Weinen Zug und Salzigkeit verleiht, während sandigere Partien eher fruchtbetonte, zugängliche Weine hervorbringen.
Stil & Philosophie
Der Stil des Hauses ist klar auf Herkunft und Trinkfluss ausgerichtet. Die Weine sind durchweg trocken, die Lese erfolgt von Hand, und das Sortiment folgt einer Pyramide: Gebietsweine als frische, sortentypische Basis, Ortsweine mit engerer Herkunft und Riedenweine als Spitze, die den Charakter einer einzelnen Lage abbilden.
Vinifiziert wird stufenweise. Die zugänglichen Weine entstehen temperaturkontrolliert im Stahltank und behalten so Frucht und Frische. Die Riedenweine gehen den anspruchsvolleren Weg: längeres Hefelager, teils Ausbau im großen Holzfass, häufig ein bis zwei Jahre Reife vor der Freigabe. So entstehen Sauvignon Blancs, die weniger auf plakative Aromatik als auf Textur, Länge und Reifepotenzial setzen. Der Alkoholgehalt der leichteren Weine liegt oft nur knapp über 12 % Vol., während die Riedenweine kräftiger ausfallen.
Bekannte Lagen & Weine
Das Herz des Sortiments bilden die Rieden rund um den Betrieb:
- Ried Hochgrassnitzberg – als Große STK-Ried (GSTK) klassifiziert; auf kalkreichem Untergrund entsteht hier der bekannteste Sauvignon Blanc des Guts
- Ried Grassnitzberg – die Hauslage, die dem Weingut ihren Namen gibt
- Ried Obegg – Sauvignon Blanc und Morillon mit dichter, würziger Art
- Ried Theresienhöhe – ebenfalls für Riedenweine im Sortiment
- Gebiets- und Ortsweine im Südsteiermark DAC – der breite Einstieg mit Welschriesling, Gelbem Muskateller, Weißburgunder und Grauburgunder
- Ergänzend Rosé und Sekt
Die Jahresproduktion des Guts liegt bei rund 500.000 Flaschen.
Auszeichnungen
Polz-Weine gehören seit Jahrzehnten zum festen Bestand der österreichischen Weinführer und Verkostungen. Besonders regelmäßig ausgezeichnet wird der Sauvignon Blanc aus der Ried Hochgrassnitzberg: Der Jahrgang 2021 erhielt im Falstaff 96 Punkte und zählt damit zur Spitzengruppe des steirischen Sauvignon Blanc. Wichtiger als einzelne Trophäen ist jedoch die Rolle des Betriebs für die Region: Die Brüder Polz haben mit dafür gesorgt, dass die Südsteiermark heute als eines der besten Weißweingebiete Mitteleuropas gilt.
