Zusammenfassung
Die Cantina Mesa ist eine der bekanntesten Adressen im Sulcis, dem äußersten Südwesten Sardiniens. Gegründet wurde sie 2004 von Gavino Sanna, einem der berühmtesten Werbemacher Italiens, der nach Jahrzehnten in New York und Mailand in seine Heimat zurückkehrte und bei Sant'Anna Arresi ein Weingut aufbaute, das Wein, Design und sardische Gastfreundschaft verbinden sollte. Auf rund 70 Hektar wachsen vor allem Carignano, Vermentino und Cannonau; der Carignano del Sulcis DOC Buio und seine Riserva Buio Buio gehören zu den bekanntesten Rotweinen der Insel. Seit 2017 gehört Mesa zur Santa-Margherita-Gruppe der Familie Marzotto.
Geschichte
Die Geschichte der Cantina Mesa ist die Geschichte einer Rückkehr. Gavino Sanna, 1940 in Sardinien geboren, machte Karriere als Kreativdirektor in New York und Mailand und wurde mit Kampagnen für Barilla, Fiat und viele andere Marken zu einer Legende der italienischen Werbung. Anfang der 2000er-Jahre entschied er sich, das gesammelte Wissen über Marken und Bilder in ein sehr persönliches Projekt zu investieren: ein Weingut in seiner Heimat.
2004 entstand in der Località Su Baroni bei Sant'Anna Arresi die Cantina Mesa. Der Name – sardisch für „Tisch“ – war Programm: Sanna wollte keinen Prestigebetrieb im Elfenbeinturm, sondern einen Ort der Geselligkeit, der Einfachheit und der Liebe zum sardischen Land. Zum Betrieb gehörten von Anfang an eigene Weinberge im Sulcis, eine der ältesten Weinbauzonen der Insel, in der die Rebsorte Carignano seit Jahrhunderten kultiviert wird.
Mit dem Jahrgang 2010 gelang der Durchbruch auf nationaler Ebene: Die Riserva Buio Buio erhielt die Tre Bicchieri des Gambero Rosso, die höchste Auszeichnung des einflussreichsten italienischen Weinführers. Im Sommer 2017 verkaufte Sanna das Gut an die Santa-Margherita-Gruppe der Familie Marzotto aus dem Veneto, die damit erstmals auf Sardinien investierte. Die Gruppe (heute unter dem Namen Herita Marzotto Wines) führt Mesa als eigenständiges Weingut weiter; Sanna blieb dem Projekt noch einige Zeit als Markengesicht verbunden.
Lage & Terroir
Sant'Anna Arresi liegt im Sulcis Iglesiente, dem südwestlichen Zipfel Sardiniens, wenige Kilometer von der Küste und den Lagunen von Porto Pino entfernt. Die Weinberge der Cantina Mesa liegen zwischen sanften Hügeln und der Ebene zum Meer hin. Prägend sind die vielen Sonnenstunden, das mediterrane Klima und vor allem der Wind: Der Maestrale weht fast ständig vom Meer her, trocknet die Trauben nach Regen ab und hält die Reben gesund – ein natürlicher Pflanzenschutz.
Die Böden im Sulcis sind überwiegend sandig und kalkarm, im Hügelland mit Lehm- und Kalkanteilen. Auf den reinen Sandböden nahe der Küste konnte die Reblaus sich nie richtig ausbreiten, weshalb im Sulcis noch viele wurzelechte, alte Carignano-Reben in traditioneller Buscherziehung (Alberello) stehen. Diese niedrigen, freistehenden Stöcke trotzen Wind und Trockenheit und liefern kleine, dickschalige Beeren mit hoher Konzentration – die Basis für die dunkle Kraft der Mesa-Rotweine.
Stil & Philosophie
Mesa versteht Wein als Teil einer Ästhetik. Die Kellerei – ein weißer, minimalistischer Baukörper von über 5.000 Quadratmetern auf drei Ebenen – wurde bewusst in die Hügellandschaft eingefügt und arbeitet nach dem Schwerkraftprinzip: Trauben und Most fließen von Ebene zu Ebene, ohne dass Pumpen den Wein strapazieren. Ebenso konsequent ist das Erscheinungsbild: Die von Sanna selbst entworfenen Etiketten zeigen meist ein einziges, großes Wort – Buio, Giunco, Opale, Moro – vor schlichtem Hintergrund und wurden zu einem Markenzeichen, das im Regal sofort erkennbar ist.
Im Glas geht es um Klarheit und Trinkfreude. Die Carignano-Weine werden dicht, dunkelfruchtig und weich gebaut, mit reifen Tanninen und mediterraner Würze; die Riserven reifen in Holz, ohne die Frucht zu überdecken. Der Vermentino wird frisch, salzig und aromatisch ausgebaut, in der Version Opale mit mehr Fülle und Reife. Dazu kommen Cannonau, ein Syrah aus den Tälern von Porto Pino sowie Passito-Süßweine aus Vermentino und Carignano. Önologisch verantwortet Stefano Cova die Weine, agronomisch wird der Betrieb konventionell, aber betont schonend geführt.
Bekannte Lagen & Weine
Die Weine sind in mehrere Linien gegliedert:
- Giunco – Vermentino di Sardegna DOC: der frische, meerwürzige Einstieg in die Welt von Mesa
- Buio – Carignano del Sulcis DOC: „Dunkelheit" – der bekannteste Wein des Guts, dicht, weich und dunkelfruchtig
- Buio Buio – Carignano del Sulcis DOC Riserva: die konzentrierte, holzgereifte Riserva, mehrfach prämiert
- Opale – Vermentino di Sardegna DOC: der anspruchsvollere, fülligere Vermentino
- Moro und Primo Scuro – Cannonau di Sardegna DOC: warm, würzig, typisch sardisch
- Brama – Syrah aus der IGT Valli di Porto Pino
- Gavino – Carignano del Sulcis DOC Riserva, benannt nach dem Gründer
- Rosa Grande – Rosé der IGT Isola dei Nuraghi
- Orodoro und Forte Rosso – Passito-Süßweine aus Vermentino bzw. Carignano
Die Primo-Linie (Primo Bianco, Primo Rosso, Primo Scuro) bietet unkomplizierte Alltagsweine aus denselben Rebsorten.
Auszeichnungen
Der größte Erfolg ist die Tre-Bicchieri-Auszeichnung des Gambero Rosso für den Buio Buio Riserva 2010 – ein Ritterschlag für den Carignano del Sulcis, der lange als bäuerliche Rebsorte unterschätzt wurde. Buio und Buio Buio werden seither regelmäßig in den großen italienischen Weinführern hoch bewertet und zählen international zu den Referenzweinen der Appellation. Darüber hinaus gilt die Cantina Mesa mit ihrer Architektur und ihrem Etikettendesign als eines der meistzitierten Beispiele dafür, wie Markenführung und Weinqualität zusammenspielen können – und sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dem Sulcis und dem Carignano ein modernes Image zu geben.
