Zusammenfassung
Das Weingut Leiss in Weinsberg-Gellmersbach ist ein Familienbetrieb, wie ihn Württemberg typischer kaum haben könnte – und zugleich einer, der über die Region hinaus auffällt. Auf rund 15 Hektar rund um Gellmersbach, Erlenbach und Lennach wachsen die Klassiker des Weinsberger Tals: Lemberger, Trollinger, Schwarzriesling und Spätburgunder, dazu Riesling, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Ein großer Teil der Rebflächen liegt in Steillagen, die nur von Hand zu bewirtschaften sind. Im Keller sorgen rund 200 französische Eichenfässer dafür, dass aus den besten Parzellen ernsthafte Lagenweine werden statt bloßer Alltagsware.
Geschichte
Weinbau ist in Gellmersbach keine Mode, sondern Alltag seit Jahrhunderten. Der Name Leiss taucht im Ort bereits im 14. Jahrhundert auf – die Familie gehört damit zu den ältesten Weinbaufamilien im Weinsberger Tal. Das Weingut in seiner heutigen Form geht allerdings auf die Nachkriegszeit zurück: 1959 legte Großvater Gerhard Leiss den Grundstein, indem er begann, systematisch eigene Weinberge zu bepflanzen und den Wein selbst auszubauen statt die Trauben abzuliefern.
In der zweiten Generation übernahmen Wolf-Peter Leiss, gelernter Weinbautechniker, und seine Frau Christa den Betrieb. Sie bauten die Rebfläche aus und ergänzten das Weingut um die Gastronomie: Wolf-Peters Schwester Heidi Leiss-Henle führt bis heute den Service. Heute steht die dritte Generation im Keller. Sohn Gerhard Leiss lernte unter anderem beim renommierten Weingut G. Aldinger in Fellbach und studierte anschließend Weinbau und Oenologie; Tochter Stefanie brachte betriebswirtschaftliches Weinwissen mit ins Haus.
Ein sichtbarer Einschnitt war das Jahr 2010: Verkaufsraum und Gastronomie zogen in einen gemeinsamen Neubau, der mit seiner klaren, modernen Formensprache mehrfach mit Architekturpreisen bedacht wurde – ungewöhnlich für einen Betrieb dieser Größe und ein Bekenntnis dazu, dass Wein und Gastfreundschaft hier zusammengehören.
Lage & Terroir
Gellmersbach liegt nordöstlich von Heilbronn im Weinsberger Tal, einem der wärmsten und sonnenreichsten Winkel Württembergs. Der Weinort ist ringsum von Rebhängen eingefasst; die besten Parzellen des Guts liegen in Gellmersbach, Erlenbach und Lennach.
Prägend sind zwei Dinge. Erstens die Hangneigung: Viele Flächen sind echte Steillagen, in denen weder Vollernter noch Traktor etwas verloren haben – hier zählt Handarbeit, von der Laubarbeit bis zur Lese. Zweitens der Boden. Die überwiegend mergeligen Keuperböden speichern Wasser gut, geben es dosiert ab und verleihen den Weinen eine würzig-erdige Note, die man in Württemberg schnell wiedererkennt. Dazu kommen sanft nach Südwesten geneigte Lagen, die die Nachmittagssonne einfangen – ideal für spät reifende rote Sorten wie den Lemberger.
Das Klima ist mild und vergleichsweise trocken, da das Tal von Löwensteiner Bergen und Odenwald abgeschirmt wird. Genau diese Kombination aus Wärme, Windschutz und wasserhaltenden Böden macht die Region zum Rotweinland, das sie ist.
Stil & Philosophie
Der Leitsatz des Guts ist unprätentiös: alles selbst gemacht, alles von Hand. Gelesen wird von Hand, damit im Keller nur gesundes Lesegut ankommt; ausgebaut wird je nach Sorte und Anspruch im Edelstahl, im großen Holzfass oder im Barrique. Rund 200 französische Eichenfässer stehen dafür bereit – für einen 15-Hektar-Betrieb eine bemerkenswerte Investition und ein klares Signal, wohin die Reise geht.
Stilistisch bedeutet das: Die Einstiegsweine bleiben unkompliziert und trinkfreudig – ein Trollinger aus der Steillage ist genau das, was er sein soll, saftig, hell und alltagstauglich. Bei den Lagenweinen dagegen wird es ernst: dichter Lemberger mit dunkler Beerenfrucht und feiner Würze, Spätburgunder mit burgundisch anmutender Struktur, Chardonnay mit cremiger Textur aus dem Holzfass. Im Weinberg arbeitet die Familie betont naturnah, mit begrünten Gassen und sparsamem Schwefeleinsatz; ein Bio-Siegel führt das Gut dabei bewusst nicht.
Ergänzt wird das Sortiment durch eigene Brände aus der hauseigenen Brennerei – und durch das Leissium, die Besenwirtschaft des Guts, die nur wenige Wochen im Jahr öffnet und regionale Küche zu den eigenen Weinen serviert.
Bekannte Lagen & Weine
Die Weine sind klar gestaffelt – vom Gutswein über Ortsweine bis zu den Parzellen- und Lagenweinen. Die wichtigsten Herkünfte im Sortiment:
- Dezberg – die bekannteste Einzellage rund um Gellmersbach; Basis für Spätburgunder, Sauvignon Blanc, Grauburgunder und Muskateller
- Kayberg – Herkunft eines der markantesten Rieslinge des Guts
- Kelterweinberg – Parzelle für den im Barrique ausgebauten Chardonnay
- Steillagen rund um Gellmersbach – Heimat des handgelesenen Trollingers
Dazu kommen sortenreine Lemberger, Schwarzriesling und Cuvées aus dem oberen Segment. Wer den Stil des Guts kennenlernen will, startet am besten mit einem Lemberger oder dem Steillagen-Trollinger und arbeitet sich dann zu den Barrique-Weinen aus Dezberg und Kelterweinberg vor.
Auszeichnungen
Die Weine von Leiss tauchen regelmäßig in den Bewertungen des Magazins Falstaff auf, mehrere Lagenweine haben dort die Marke von 90 Punkten überschritten – darunter der Kelterweinberg Chardonnay und der Dezberg Spätburgunder. Für ein Weingut dieser Größe ist das eine bemerkenswerte Konstanz.
Zusätzlich hat das Gut außerhalb der Weinwelt Aufmerksamkeit bekommen: Der 2010 fertiggestellte Neubau aus Vinothek und Gastronomie wurde mehrfach mit Architekturpreisen für Weinbauten ausgezeichnet. Beides zusammen – ambitionierte Lagenweine und ein Ort, an dem man sie trinken kann – macht Leiss zu einer der interessanten Adressen im Weinsberger Tal.
