Weingüter

Champagne Laurent-Perrier – Chardonnay-Eleganz aus Tours-sur-Marne

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
25. August 2026
laurent-perrierchampagnechardonnay

Champagne Laurent-Perrier in Tours-sur-Marne: Chardonnay-betonter Hausstil, Grand Siècle, Cuvée Rosé und Ultra Brut. Geschichte, Stil und Steckbrief im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Eines der größten familiengeführten und unabhängigen Champagnerhäuser – 1812 in Tours-sur-Marne gegründet.
  • 2Hausstil auf Chardonnay-Basis: Frische, Eleganz und Reinheit statt Holz und Wucht.
  • 3Eigener Rebbesitz von etwa 150 Hektar deckt nur rund 10 % des Bedarfs – der Rest kommt von über 1.200 Vertragswinzern.
  • 4Grand Siècle: Prestige-Cuvée aus der Verschneidung von drei Jahrgängen, seit 1959 von Bernard de Nonancourt entwickelt.
  • 5Pionier zweier Kategorien: Cuvée Rosé nach der Mazerationsmethode (1968) und der dosagefreie Ultra Brut (1981).

Steckbrief

Region
Champagne – Tours-sur-Marne (Vallée de la Marne), Frankreich
Gegründet
1812 durch André-Michel Pierlot in Tours-sur-Marne
Inhaber / Winzer
Familie de Nonancourt (Mehrheit); Vorstandsvorsitz Stéphane Dalyac, Kellermeister Olivier Vigneron
Rebfläche
eigener Besitz von etwa 150 Hektar – rund 10 % des Bedarfs; Zukauf von über 1.200 Winzern
Leitrebsorten
Chardonnay (führend), Pinot Noir, Meunier
Weinstile
Brut ohne Jahrgang, Blanc de Blancs, Rosé nach Mazerationsmethode, dosagefrei, Prestige-Cuvées
Klassifikation
Champagne AOC; Sitz in einer Grand-Cru-Gemeinde, Zukauf aus Grands und Premiers Crus
Besonderheit
Grand Siècle – Prestige-Cuvée aus dem Verschnitt von drei Jahrgängen

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Zusammenfassung

Champagne Laurent-Perrier mit Sitz in Tours-sur-Marne gehört zu den größten familiengeführten und unabhängigen Häusern der Champagne. Der Hausstil ist unverwechselbar: Chardonnay-betonte Cuvées, Gärung im Edelstahltank statt im Holzfass, lange Hefereife – und als Ergebnis eine Stilistik, die das Haus selbst mit den drei Begriffen Frische, Eleganz und Reinheit beschreibt. Geprägt hat sie Bernard de Nonancourt, der das Haus über vier Jahrzehnte führte und mit Grand Siècle, der Cuvée Rosé und dem Ultra Brut gleich mehrere Maßstäbe setzte. Anders als klassische Weingüter besitzt Laurent-Perrier nur einen kleinen Teil seiner Reben selbst.

Geschichte

Die Wurzeln des Hauses reichen bis 1812 zurück: In jenem Jahr ließ sich André-Michel Pierlot, zuvor Küfer und Abfüller, in Tours-sur-Marne als Champagnerhändler nieder. Sein Kellermeister Eugène Laurent übernahm den Betrieb später von Pierlots Nachkommen. Als Laurent 1887 früh starb, führte seine Witwe Mathilde-Émilie Perrier das Unternehmen weiter und stellte ihren Mädchennamen an den ihres Mannes – aus dem Haus wurde Veuve Laurent-Perrier. Schon 1889 brachte sie mit dem „Grand Vin Sans Sucre" einen für die damalige Zeit radikal trockenen Champagner heraus.

Die entscheidende Wende kam 1939, als Marie-Louise de Nonancourt, eine Witwe mit vier Kindern aus der Champagner-Familie Lanson, das damals stark geschrumpfte Haus kaufte. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm ihr Sohn Bernard de Nonancourt Ende der 1940er-Jahre die Leitung – mit gerade einmal 28 Jahren. Er baute Laurent-Perrier über vier Jahrzehnte zu einer international führenden Marke aus und formte den Hausstil, für den das Haus bis heute steht.

Heute hält die Familie de Nonancourt weiterhin die Mehrheit. An der Spitze des Vorstands steht Stéphane Dalyac, im Aufsichtsgremium sind Bernards Töchter Alexandra Pereyre de Nonancourt und Stéphanie Meneux de Nonancourt vertreten. Im Keller folgte 2025 Olivier Vigneron auf Michel Fauconnet, der über fünf Jahrzehnte für das Haus gearbeitet hatte.

Lage & Terroir

Tours-sur-Marne liegt im Vallée de la Marne östlich von Épernay, dort, wo das Marnetal auf den Fuß der Montagne de Reims trifft. Der Ort selbst ist in der Champagner-Rangordnung als Grand Cru eingestuft. Prägend für die gesamte Region sind das kühle, nördliche Klima und der Kreideuntergrund, der Wasser speichert, die Reife bremst und den Weinen ihre kühle, salzig-mineralische Ader und ihre lebendige Säure gibt.

Anders als ein klassisches Weingut arbeitet Laurent-Perrier weniger mit einzelnen eigenen Lagen als mit der Vielfalt der Champagne. Der eigene Rebbesitz von etwa 150 Hektar liegt vor allem rund um Tours-sur-Marne, in der Côte des Blancs und in der Montagne de Reims – er deckt jedoch nur einen kleinen Teil des Bedarfs. Der Rest stammt von einem über Jahrzehnte gewachsenen Netz aus mehr als 1.200 Vertragswinzern in über 300 Gemeinden, darunter zahlreiche Grands und Premiers Crus. Diese breite Basis ist die Voraussetzung dafür, Jahr für Jahr denselben Stil zu treffen.

Stil & Philosophie

Der Hausstil ruht auf wenigen, konsequent verfolgten Entscheidungen. Erstens auf dem Chardonnay: Er dominiert die Assemblagen – mit Ausnahme des Rosés – und liefert Frische, Finesse und Zitrusnoten. Zweitens auf dem Edelstahltank: Laurent-Perrier gehörte Ende der 1970er-Jahre zu den ersten Häusern, die konsequent temperaturkontrolliert im Edelstahl vergoren, um Fruchtreinheit und Frische zu erhalten. Holzausbau spielt hier bewusst keine Rolle.

Drittens auf dem biologischen Säureabbau: Anders als manche Häuser, die ihn gezielt unterdrücken, lässt Laurent-Perrier die Malolaktik über das gesamte Sortiment durchlaufen. Das nimmt der Säure die Härte und gibt den Weinen ihre geschmeidige, zugängliche Textur. Und viertens auf Zeit: Die Cuvées reifen lange auf der Hefe, sodass sie bei der Markteinführung trinkreif sind.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment ist klar gegliedert – von der Basis bis zu den seltenen Prestige-Cuvées:

  • La Cuvée (Brut) – der Brut ohne Jahrgang und Visitenkarte des Hauses, deutlich Chardonnay-betont
  • Ultra Brut – 1981 eingeführt und einer der Wegbereiter der dosagefreien Champagner
  • Cuvée Rosé – 1968 von Bernard de Nonancourt geschaffen, reinsortiger Pinot Noir nach der aufwendigen Mazerationsmethode, erkennbar an der bauchigen Flasche
  • Blanc de Blancs – reinsortiger Chardonnay
  • Grand Siècle – seit 1959 die Prestige-Cuvée: nie ein einzelner Jahrgang, sondern der Verschnitt aus drei komplementären Jahrgängen, überwiegend aus Grand-Cru-Material; die Ausgaben werden als „Itérations" nummeriert
  • Alexandra Rosé – 1987 zur Hochzeit von Bernards Tochter Alexandra geschaffen, ein rarer Prestige-Rosé, der nur in großen Jahrgängen entsteht

Auszeichnungen

Laurent-Perrier zählt zu den international meistverkauften Champagnermarken und exportiert in weit über 100 Länder. Die größte Aufmerksamkeit erhält regelmäßig die Prestige-Cuvée: Grand Siècle Itération N°26 wurde von James Suckling mit 100 von 100 Punkten bewertet und zum „Wein des Jahres" gekürt. Auch die Cuvée Rosé gilt seit Jahrzehnten als Referenz für Rosé-Champagner nach der Mazerationsmethode – ein Stil, der lange als zu aufwendig galt und den das Haus gegen den Trend etabliert hat.

Häufige Fragen

Wofür ist Laurent-Perrier bekannt?

Laurent-Perrier steht für einen betont frischen, Chardonnay-geprägten Champagnerstil ohne Holzausbau. Berühmt ist das Haus vor allem für drei Weine: die Prestige-Cuvée Grand Siècle aus drei verschnittenen Jahrgängen, die Cuvée Rosé aus reinem Pinot Noir nach der Mazerationsmethode und den dosagefreien Ultra Brut, mit dem das Haus 1981 eine ganze Kategorie mitbegründet hat.

Wo liegt Champagne Laurent-Perrier?

Der Sitz des Hauses liegt in Tours-sur-Marne im Vallée de la Marne, östlich von Épernay. Der Ort ist als Grand Cru klassifiziert. Die Trauben stammen darüber hinaus aus einem breiten Netz von Lagen in der gesamten Champagne, unter anderem aus der Côte des Blancs und der Montagne de Reims.

Wie viele eigene Weinberge besitzt Laurent-Perrier?

Der eigene Rebbesitz umfasst etwa 150 Hektar und deckt damit nur rund 10 % des Traubenbedarfs – deutlich weniger als bei vielen anderen großen Häusern. Der weitaus größte Teil der Trauben wird bei über 1.200 Vertragswinzern in mehr als 300 Gemeinden zugekauft, darunter Grands und Premiers Crus.

Was ist der Unterschied zwischen La Cuvée und Grand Siècle?

La Cuvée ist der Brut ohne Jahrgang und die Basis des Sortiments: Chardonnay-betont, frisch und geradlinig. Grand Siècle ist die Prestige-Cuvée an der Spitze – ein Verschnitt aus drei sorgfältig ausgewählten Jahrgängen, überwiegend aus Grand-Cru-Lagen, mit deutlich längerer Reife auf der Hefe und entsprechend höherem Preis.

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