Zusammenfassung
Champagne Laurent-Perrier mit Sitz in Tours-sur-Marne gehört zu den größten familiengeführten und unabhängigen Häusern der Champagne. Der Hausstil ist unverwechselbar: Chardonnay-betonte Cuvées, Gärung im Edelstahltank statt im Holzfass, lange Hefereife – und als Ergebnis eine Stilistik, die das Haus selbst mit den drei Begriffen Frische, Eleganz und Reinheit beschreibt. Geprägt hat sie Bernard de Nonancourt, der das Haus über vier Jahrzehnte führte und mit Grand Siècle, der Cuvée Rosé und dem Ultra Brut gleich mehrere Maßstäbe setzte. Anders als klassische Weingüter besitzt Laurent-Perrier nur einen kleinen Teil seiner Reben selbst.
Geschichte
Die Wurzeln des Hauses reichen bis 1812 zurück: In jenem Jahr ließ sich André-Michel Pierlot, zuvor Küfer und Abfüller, in Tours-sur-Marne als Champagnerhändler nieder. Sein Kellermeister Eugène Laurent übernahm den Betrieb später von Pierlots Nachkommen. Als Laurent 1887 früh starb, führte seine Witwe Mathilde-Émilie Perrier das Unternehmen weiter und stellte ihren Mädchennamen an den ihres Mannes – aus dem Haus wurde Veuve Laurent-Perrier. Schon 1889 brachte sie mit dem „Grand Vin Sans Sucre" einen für die damalige Zeit radikal trockenen Champagner heraus.
Die entscheidende Wende kam 1939, als Marie-Louise de Nonancourt, eine Witwe mit vier Kindern aus der Champagner-Familie Lanson, das damals stark geschrumpfte Haus kaufte. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm ihr Sohn Bernard de Nonancourt Ende der 1940er-Jahre die Leitung – mit gerade einmal 28 Jahren. Er baute Laurent-Perrier über vier Jahrzehnte zu einer international führenden Marke aus und formte den Hausstil, für den das Haus bis heute steht.
Heute hält die Familie de Nonancourt weiterhin die Mehrheit. An der Spitze des Vorstands steht Stéphane Dalyac, im Aufsichtsgremium sind Bernards Töchter Alexandra Pereyre de Nonancourt und Stéphanie Meneux de Nonancourt vertreten. Im Keller folgte 2025 Olivier Vigneron auf Michel Fauconnet, der über fünf Jahrzehnte für das Haus gearbeitet hatte.
Lage & Terroir
Tours-sur-Marne liegt im Vallée de la Marne östlich von Épernay, dort, wo das Marnetal auf den Fuß der Montagne de Reims trifft. Der Ort selbst ist in der Champagner-Rangordnung als Grand Cru eingestuft. Prägend für die gesamte Region sind das kühle, nördliche Klima und der Kreideuntergrund, der Wasser speichert, die Reife bremst und den Weinen ihre kühle, salzig-mineralische Ader und ihre lebendige Säure gibt.
Anders als ein klassisches Weingut arbeitet Laurent-Perrier weniger mit einzelnen eigenen Lagen als mit der Vielfalt der Champagne. Der eigene Rebbesitz von etwa 150 Hektar liegt vor allem rund um Tours-sur-Marne, in der Côte des Blancs und in der Montagne de Reims – er deckt jedoch nur einen kleinen Teil des Bedarfs. Der Rest stammt von einem über Jahrzehnte gewachsenen Netz aus mehr als 1.200 Vertragswinzern in über 300 Gemeinden, darunter zahlreiche Grands und Premiers Crus. Diese breite Basis ist die Voraussetzung dafür, Jahr für Jahr denselben Stil zu treffen.
Stil & Philosophie
Der Hausstil ruht auf wenigen, konsequent verfolgten Entscheidungen. Erstens auf dem Chardonnay: Er dominiert die Assemblagen – mit Ausnahme des Rosés – und liefert Frische, Finesse und Zitrusnoten. Zweitens auf dem Edelstahltank: Laurent-Perrier gehörte Ende der 1970er-Jahre zu den ersten Häusern, die konsequent temperaturkontrolliert im Edelstahl vergoren, um Fruchtreinheit und Frische zu erhalten. Holzausbau spielt hier bewusst keine Rolle.
Drittens auf dem biologischen Säureabbau: Anders als manche Häuser, die ihn gezielt unterdrücken, lässt Laurent-Perrier die Malolaktik über das gesamte Sortiment durchlaufen. Das nimmt der Säure die Härte und gibt den Weinen ihre geschmeidige, zugängliche Textur. Und viertens auf Zeit: Die Cuvées reifen lange auf der Hefe, sodass sie bei der Markteinführung trinkreif sind.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar gegliedert – von der Basis bis zu den seltenen Prestige-Cuvées:
- La Cuvée (Brut) – der Brut ohne Jahrgang und Visitenkarte des Hauses, deutlich Chardonnay-betont
- Ultra Brut – 1981 eingeführt und einer der Wegbereiter der dosagefreien Champagner
- Cuvée Rosé – 1968 von Bernard de Nonancourt geschaffen, reinsortiger Pinot Noir nach der aufwendigen Mazerationsmethode, erkennbar an der bauchigen Flasche
- Blanc de Blancs – reinsortiger Chardonnay
- Grand Siècle – seit 1959 die Prestige-Cuvée: nie ein einzelner Jahrgang, sondern der Verschnitt aus drei komplementären Jahrgängen, überwiegend aus Grand-Cru-Material; die Ausgaben werden als „Itérations" nummeriert
- Alexandra Rosé – 1987 zur Hochzeit von Bernards Tochter Alexandra geschaffen, ein rarer Prestige-Rosé, der nur in großen Jahrgängen entsteht
Auszeichnungen
Laurent-Perrier zählt zu den international meistverkauften Champagnermarken und exportiert in weit über 100 Länder. Die größte Aufmerksamkeit erhält regelmäßig die Prestige-Cuvée: Grand Siècle Itération N°26 wurde von James Suckling mit 100 von 100 Punkten bewertet und zum „Wein des Jahres" gekürt. Auch die Cuvée Rosé gilt seit Jahrzehnten als Referenz für Rosé-Champagner nach der Mazerationsmethode – ein Stil, der lange als zu aufwendig galt und den das Haus gegen den Trend etabliert hat.
