Zusammenfassung
Das Weingut Kopp in Sinzheim-Ebenung bei Baden-Baden ist eine der spannendsten jungen Adressen der Ortenau. Was Ewald Kopp 1996 mit einem einzigen Hektar begann, führt sein Sohn Johannes Kopp seit 2012 als biodynamisch arbeitendes Gut mit heute rund 32 Hektar in den besten Lagen rund um den Fremersberg. Im Mittelpunkt stehen Spätburgunder und Riesling, ergänzt durch Chardonnay und die weißen Burgundersorten – Weine, die die unterschiedlichen Böden der nördlichen Ortenau von Buntsandstein bis Porphyr abbilden sollen. Demeter-Zertifikat, eigene Hochlandrinder, ein Raritätenkeller und das 2022 eröffnete Restaurant EBANAT machen den Betrieb zu einem Gesamtkonzept, das weit über den Wein hinausgeht.
Geschichte
Die Familie Kopp ist bereits seit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg im Weinbau tätig, lange jedoch nur als Traubenlieferant. Den Schritt zum eigenen Weingut wagte Ewald Kopp erst 1996: Mit gerade einmal einem Hektar Reben kelterte er seinen ersten Wein selbst. In den folgenden Jahren wuchs der Betrieb Stück für Stück, indem die Familie Parzellen in den besten Lagen rund um Sinzheim, Varnhalt und Baden-Baden hinzunahm.
Die entscheidende Zäsur kam früh und unerwartet: Während seiner Ausbildung verlor Johannes Kopp seinen Vater. 2012 übernahm er mit nur 21 Jahren die alleinige Verantwortung für das Weingut. Vorbereitet war er dennoch gut – auf eine Weinküferlehre folgten Stationen bei renommierten Betrieben wie Dr. Bürklin-Wolf in der Pfalz und Bleasdale in Australien. Statt das Erbe einfach zu verwalten, stellte er den Betrieb neu auf: Ab 2013 verzichtete er auf Mineraldünger, wenig später auf Herbizide, und richtete das gesamte Gut biodynamisch aus. Seit November 2021 ist Kopp Demeter-Mitglied, ab dem Jahrgang 2022 sind die Weine Demeter-zertifiziert.
Mit dem Kauf der Lage Balzenberg in Baden-Baden (2017) und dem Bau eines neuen Weingutsgebäudes mit Gastronomie, Veranstaltungsräumen und großer Glasfront (2022) hat sich Kopp innerhalb einer Generation von einem Ein-Hektar-Betrieb zu einem der prägenden Weingüter der Ortenau entwickelt. Heute führt Johannes Kopp das Gut gemeinsam mit Alina Kopp.
Lage & Terroir
Ebenung liegt am Fuß des Fremersbergs, rund fünf Kilometer von Baden-Baden entfernt, im nördlichen Teil der Ortenau. Die Weinberge steigen hier vom Rheintal in die ersten Hänge des Schwarzwalds auf – mit Blick über die Rheinebene bis zum Straßburger Münster. Das Klima ist warm und sonnenreich, gleichzeitig sorgen die kühle Luft aus den Schwarzwaldtälern und die Höhenlage der Steilhänge für Frische und Säurestruktur.
Prägend ist die Vielfalt der Böden: Im Feigenwäldchen dominiert Buntsandstein, an den Varnhalter Steillagen finden sich verwitterte Urgesteinsböden wie Porphyr, die den Spätburgundern Würze und Mineralität geben. Genau diese Unterschiede bilden das Fundament der Kopp-Philosophie – Burgunder und Riesling wurden nicht zufällig zu den Leitsorten, sondern weil sie die verschiedenen Untergründe der Ortenau am deutlichsten übersetzen.
Das Herzstück ist die Monopollage Kloster Fremersberger Feigenwäldchen: rund 4,8 Hektar, vollständig nach Süden ausgerichtet, ein Teil davon terrassiert und mit altem Riesling-Rebbestand. Die Lage gehörte einst zum Klostergut auf dem Fremersberg, das 1426 gegründet wurde und dessen Weine bis in die 1960er-Jahre unter dem VDP-Adler vermarktet wurden.
Stil & Philosophie
Johannes Kopp versteht das Weingut als geschlossenen Kreislauf. Die biodynamische Arbeit umfasst Kompostwirtschaft und Präparate, Begrünung, den Verzicht auf synthetische Mittel – und eine eigene Herde schottischer Hochlandrinder, die zur Landschaftspflege eingesetzt werden und deren Fleisch im Restaurant EBANAT auf den Teller kommt. Eine eigene Wasserquelle versorgt den Betrieb in trockenen Jahren.
Im Keller gilt: so wenig Eingriff wie nötig. Die Weine des Guts gliedern sich in drei Stufen:
- Gutsweine: sortenbetont, überwiegend im Edelstahl ausgebaut, teils mit kleinen Anteilen aus dem Barrique
- Terroirweine: kräftiger und körperreicher, im Holzfass gereift
- Lagenweine (Erste und Große Lage): die Spitze des Sortiments – rote Lagenweine reifen mindestens zwei Jahre im Barrique, weiße rund ein Jahr
Die Rieslinge aus dem Feigenwäldchen zeigen die Handschrift besonders deutlich: Der Riesling Buntsandstein wird im Stahltank ausgebaut, der Riesling Terrassen vergärt spontan im Pfälzer Eichenholzfass und bleibt bis zu einem Jahr auf der Hefe. Dazu kommen traditionell flaschenvergorene Sekte, darunter ein Blanc de Blancs Extra Brut mit mehrjährigem Hefelager, ein Feigenwäldchen-Riesling-Sekt und die Grande Cuvée.
Der Raritätenkeller
Seit dem ersten Jahrgang 1996 legt die Familie von jedem Wein Flaschen zurück. Der so entstandene Raritätenkeller dokumentiert die Entwicklung des Guts und zeigt, wie gut die Ortenau-Burgunder und -Rieslinge reifen.
Bekannte Lagen & Weine
Kopp bewirtschaftet Parzellen in mehreren Spitzenlagen der nördlichen Ortenau, darunter Steillagen, die nur in Handarbeit zu pflegen sind:
- Kloster Fremersberger Feigenwäldchen – die Monopollage des Guts, Riesling auf Buntsandstein, Herkunft der Rieslinge Buntsandstein und Terrassen
- Balzenberg in Baden-Baden – seit 2017 im Besitz der Familie
- Sommerhalde und Klosterbergfelsen in Varnhalt – Steillagen, Heimat der großen Spätburgunder
- Varnhalter Sonnenberg und Altenberg – weitere Burgunder- und Riesling-Lagen
Zu den bekanntesten Weinen zählt der Spätburgunder Roter Porphyr, der den würzig-mineralischen Charakter der Porphyrböden trägt, sowie die Chardonnays und Weißburgunder aus dem Holzfass. Das gesamte Sortiment reicht von zugänglichen Gutsweinen über Terroirweine bis zu den langlebigen Lagen-Spätburgundern und den Sekten.
Auszeichnungen
Das Weingut Kopp wird im Gault&Millau Weinguide mit drei roten Trauben geführt, einzelne Spätburgunder erreichten dort bis zu 92 Punkte. Beim Deutschen Rotweinpreis wurde das Gut ebenfalls prämiert. Das Magazin Vinum zählte Johannes Kopp 2017 zu den acht Weinmachern der deutschen Pinot-Noir-Elite und bewertete den 2014er Spätburgunder Roter Porphyr mit 17 von 20 Punkten. Neben den Weinbewertungen wird Kopp regelmäßig als Vorzeigebetrieb für biodynamischen Weinbau und für die Verbindung von Weingut, Landwirtschaft und Gastronomie genannt – zuletzt auch als Beispiel dafür, wie ein junger Betrieb der Weinkrise mit Innovation begegnet.
