Zusammenfassung
Das Weingut Herzog von Württemberg ist das Weingut des Hauses Württemberg – und mit rund 40 bis 42 Hektar zugleich das größte Privatweingut der Region Württemberg. Sein Sitz ist seit 1982 die Domäne Monrepos bei Ludwigsburg, jenes Seeschloss nördlich von Stuttgart, das die Herzöge im 18. Jahrhundert als Lustschloss errichten ließen. Die Weinberge selbst sind über das ganze Anbaugebiet verstreut: vom Steilhang in Untertürkheim über das Remstal bis an den Neckar bei Mundelsheim und nach Maulbronn. Stilistisch hält das Gut bewusst die Fahne der Württemberger Klassiker hoch – Riesling, Lemberger (Blaufränkisch), Trollinger und Spätburgunder –, gekeltert zu trockenen, geradlinigen Weinen, die eher auf Herkunft und Trinkfluss zielen als auf Effekt.
Geschichte
Kaum ein deutsches Weingut kann seine Herkunft so weit zurückverfolgen. Die Weinbautradition des Hauses Württemberg reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als die Grafen erste Weinberge rund um Stuttgart und bei Maulbronn erwarben und bewirtschaften ließen. Wein war damals kein Luxus, sondern Grundnahrungsmittel, Steuerwährung und Repräsentationsmittel zugleich – und der Weinbau des Hauses wuchs mit dem Territorium.
Einzelne Parzellen sind bis heute mit Erwerbsdaten verknüpft, die den langen Atem der Familie belegen: Der Stettener Brotwasser kam in den 1660er-Jahren in den Besitz des Hauses und wird bis heute als Alleinbesitz bewirtschaftet, Teile des Mundelsheimer Käsberg gehören seit dem frühen 18. Jahrhundert dazu. Der Name Brotwasser geht der Überlieferung nach auf eine Stettener Hofdame zurück, die ihr trockenes Brot lieber im Lieblingswein als in Wasser einweichte.
Nach dem Ende der Monarchie 1918 verwaltet die Hofkammer des Hauses Württemberg den Familienbesitz als privates Unternehmen; der Weinbau ist einer ihrer Kernbereiche. 1982 zog das Weingut auf die Domäne Monrepos bei Ludwigsburg – seither sind Keller, Vinothek und Verwaltung an einem Ort gebündelt. 1986 trat das Gut dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) bei. Seit dem Tod von Carl Herzog von Württemberg 2022 steht Wilhelm Herzog von Württemberg an der Spitze des Hauses, während Michael Herzog von Württemberg in der Direktion der Hofkammer das Weingut nach außen vertritt. Verantwortlich für Weinberg und Keller ist Weingutsleiter Joachim Fischer.
Lage & Terroir
Württemberg ist ein Anbaugebiet der Steillagen und der Flusstäler: Neckar, Rems, Enz und Kocher haben Hänge geschnitten, die heute die besten Weinberge tragen. Das Klima ist vergleichsweise warm und kontinental geprägt – ein Grund, warum hier weit mehr Rotwein wächst als im deutschen Durchschnitt.
Die Weinberge des Guts liegen bewusst verteilt, weil jede Lage etwas anderes kann. Prägend sind zwei Bodentypen: Muschelkalk und Schilfsandstein (Keuper). Muschelkalk, etwa am Neckar bei Mundelsheim, gibt straffe, salzig-mineralische Weine mit klarer Kontur. Der Schilfsandstein und die Gipskeuper-Böden der Stuttgarter und Remstäler Hänge – der Untertürkheimer Mönchberg fällt stellenweise bis zu 60 Prozent steil ab – liefern dagegen würzigere, kräftigere Weine und gelten seit jeher als Heimat von Riesling und Lemberger.
Die Steilheit ist dabei kein Marketingargument, sondern harte Arbeit: Terrassen und Trockenmauern lassen sich nur von Hand pflegen, die Lese erfolgt in vielen Parzellen ohne Maschine.
Stil & Philosophie
Das erklärte Ziel des Guts ist es, die traditionellen Württemberger Rebsorten und Lagen hochzuhalten – also gerade nicht dem internationalen Geschmack hinterherzulaufen. Entsprechend selbstverständlich stehen Trollinger und Lemberger neben Riesling und Spätburgunder im Sortiment.
Die Weißweine sind überwiegend trocken ausgebaut und setzen auf Frucht, Frische und Klarheit; der Riesling zeigt je nach Boden entweder die salzige Straffheit des Muschelkalks oder die Würze des Keupers. Bei den Roten wird zwischen zwei Handschriften unterschieden: unkomplizierte, saftige Alltagsweine – Trollinger, Zweigelt, leichter Lemberger – auf der einen Seite, und lagerfähige, im Holz gereifte Lagenweine bis hin zu den Großen Gewächsen auf der anderen. Ergänzt wird das Sortiment durch Sekt sowie internationale Sorten wie Cabernet und Merlot in Cuvées.
Nachhaltigkeit spielt betrieblich eine Rolle: Das Weingut ist nach dem Umweltmanagement-System EcoStep zertifiziert, das Betriebsabläufe, Energie- und Ressourceneinsatz einbezieht.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment folgt der VDP-Pyramide: Gutswein, Ortswein, Erste Lage, Große Lage. Zu den bekanntesten Weinbergen des Guts zählen:
- Untertürkheimer Mönchberg – steile Keuperlage über dem Neckar, eine der ältesten und besten Lagen Württembergs, stark für Riesling und Lemberger
- Mundelsheimer Käsberg – Muschelkalklage am Neckarbogen, seit dem frühen 18. Jahrhundert im Besitz des Hauses
- Stettener Brotwasser – Monopollage im Alleinbesitz unterhalb der Y-Burg im Remstal
- Maulbronner Eilfingerberg – historische Klosterlage bei Maulbronn
- Hohenhaslacher Kirchberg – unter anderem Herkunft eines eigenständigen Zweigelt
Als Einstieg in den Stil des Hauses empfiehlt sich ein Riesling aus dem Stettener Brotwasser: Er zeigt die Kombination aus Kräuterwürze, Zitrusfrucht und salzigem Nachhall, die in den Großen Lagen dann deutlich mehr Tiefe gewinnt.
Auszeichnungen
Die wichtigste Auszeichnung ist strukturell: Die Aufnahme in den VDP im Jahr 1986 und die Klassifikation mehrerer Weinberge als VDP.Große und VDP.Erste Lage bestätigen den Rang der Lagen – und damit auch, dass Württemberg mehr ist als Trollinger für den Viertelesschoppen. Das Gut wird regelmäßig in den führenden deutschen Weinführern wie Gault&Millau, Eichelmann und Falstaff geführt.
Hinzu kommt die Sichtbarkeit als Botschafter der Region: Die Vinotheken auf Monrepos und am Schloss Friedrichshafen machen das Sortiment direkt zugänglich, und als größtes Privatweingut Württembergs prägt das Haus die Außenwahrnehmung des Anbaugebiets mit.
