Zusammenfassung
Der Forster Winzerverein ist die Winzergenossenschaft eines der berühmtesten Weinorte Deutschlands. In Forst an der Weinstraße, zwischen Deidesheim und Wachenheim gelegen, bewirtschaften rund 100 Mitglieder – etwa 26 Winzerfamilien – zusammen rund 130 Hektar Rebfläche. Was den Betrieb von vielen anderen Genossenschaften unterscheidet, ist zweierlei: der außergewöhnlich hohe Rieslinganteil von etwa 80 Prozent und der Zugang zu Lagen, die zur absoluten deutschen Spitze zählen – Kirchenstück, Jesuitengarten, Pechstein, Ungeheuer und Freundstück. Gegründet 1918, arbeitet der Winzerverein heute wie ein großes Weingut: mit gestaffeltem Sortiment, moderner Kellertechnik und einer langen Reihe von Staatsehrenpreisen.
Geschichte
Am 30. Mai 1918, in den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs, schlossen sich 55 Forster Winzer zu einer eingetragenen Genossenschaft zusammen. Der Hintergrund war der klassische: Einzelbetriebe waren zu klein, um Kellertechnik, Vermarktung und Preisrisiko allein zu stemmen. Gemeinsam ging es besser – und in einem Ort wie Forst, dessen Lagen schon im 19. Jahrhundert zu den teuersten Weinbergen der Welt zählten, war der Rohstoff von Anfang an außergewöhnlich.
Schon 1925 erwarb die junge Genossenschaft das Werle-Anwesen im Ort und schuf damit die räumliche Grundlage für den weiteren Ausbau. In den Nachkriegsjahrzehnten folgten mehrere Kellererweiterungen, besonders eine große Investition Ende der 1950er-Jahre. 1998 übernahm der Winzerverein die Bewirtschaftung des Mossbacherhofs in Pacht und erweiterte damit sein Spitzensegment deutlich. 2002 wurde der Betrieb als Erzeugerorganisation nach dem Marktstrukturgesetz anerkannt.
Zwischen 2011 und 2016 modernisierte der Winzerverein Kelterhaus und Verkaufsräume grundlegend. Heute gehören zum Betrieb auch gastronomische Angebote im Ort, darunter die Weinlounge Pechstein. Geführt wird die Genossenschaft von Geschäftsführer Dr. Patrick Staub, im Keller verantworten Michael Kiefer – seit 2001 erster Kellermeister und technischer Betriebsleiter – und Christoph Lutz den Ausbau der Weine.
Lage & Terroir
Forst liegt im Herzen der Mittelhaardt, jenem rund 20 Kilometer langen Abschnitt der Pfalz, der für die besten trockenen Rieslinge Deutschlands steht. Der Pfälzerwald schirmt das Gebiet nach Westen ab, die Rheinebene sorgt für Wärme: Die Region gehört zu den sonnenreichsten und trockensten Deutschlands, Feigen und Mandelbäume gedeihen zwischen den Weinbergen.
Die geologische Besonderheit von Forst ist der Basalt. Ein erloschener Vulkankegel am Pechsteinkopf lieferte über Jahrhunderte dunkles Gestein, das die Winzer bewusst in die Weinberge einbrachten. Der schwarze Basalt speichert Wärme und verleiht den Rieslingen – vor allem aus dem Pechstein – eine rauchig-salzige, straffe Mineralität. Daneben prägen Buntsandstein, Lehm und Kalkmergel die Lagen; das Kirchenstück etwa steht auf tiefgründigem, lehmig-sandigem Boden mit ausgeprägtem Wärmehaushalt. Die Mitglieder bewirtschaften Flächen in den Großlagen Mariengarten, Schnepfenflug an der Weinstraße und Hofstück, teils auch in den Nachbarorten Deidesheim, Wachenheim und Ungstein.
Stil & Philosophie
Der Winzerverein setzt konsequent auf trockenen Riesling. Rund 80 Prozent der Rebfläche entfallen auf die Sorte – ein Wert, den kaum eine andere Genossenschaft erreicht. Die Weine sind klar, saftig und auf Herkunft gebaut: Statt breitem Sortiments-Wildwuchs gibt es ein gestaffeltes System vom fruchtigen Gutswein über die Ortsweinlinie bis zu den Lagenweinen der Linie „Grand Terroir", in der die großen Forster Namen einzeln abgefüllt werden.
Ergänzt wird das Programm durch Weißburgunder und Grauburgunder, Sauvignon Blanc, Müller-Thurgau, Silvaner und Gewürztraminer sowie durch Rotweine aus Dornfelder und Blauem Portugieser – letztere in der Pfalz traditionell verankert. Dazu kommen Roséweine und Flaschengärsekte auf Rieslingbasis. Der Grundgedanke bleibt genossenschaftlich: Viele kleine Parzellen vieler Familien fließen in einen gemeinsamen Keller, der handwerklich präziser arbeiten kann, als es der einzelne Betrieb könnte.
Bekannte Lagen & Weine
Forst besitzt eine Dichte an Spitzenlagen, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Die Mitglieder des Winzervereins bewirtschaften Parzellen unter anderem in:
- Forster Kirchenstück – historisch die höchstbewertete Rieslinglage Deutschlands
- Forster Jesuitengarten – finessenreich, elegant, mit feiner Frucht
- Forster Pechstein – auf schwarzem Basalt, rauchig-salzig und straff
- Forster Ungeheuer – kraftvoll, würzig, mit breitem Körper
- Forster Freundstück, Musenhang, Elster, Stift und Bischofsgarten
Die Lagenweine erscheinen in der Linie „Grand Terroir", darunter Rieslinge aus Kirchenstück und Pechstein. Gerade weil diese Weine aus einem genossenschaftlichen Betrieb kommen, sind sie meist deutlich günstiger als vergleichbare Abfüllungen der berühmten Nachbarweingüter – für viele Weintrinker der erschwinglichste Weg, Forster Terroir kennenzulernen.
Auszeichnungen
Der Forster Winzerverein zählt zu den konstantesten Qualitätsproduzenten unter den deutschen Genossenschaften. Er erhielt den Staatsehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz in ununterbrochener Folge – zuletzt zum 16. Mal. Hinzu kommen Bewertungen in den führenden Weinführern, unter anderem ein Stern bei Falstaff und anderthalb Sterne bei VINUM, sowie regelmäßige Medaillen bei internationalen Wettbewerben wie der AWC Vienna. Die Auszeichnungen belegen, was die Betriebsstruktur ohnehin nahelegt: Der Winzerverein arbeitet weniger wie eine klassische Genossenschaft als wie ein großes, qualitätsorientiertes Weingut.
