Zusammenfassung
Die Azienda Agricola Foradori in Mezzolombardo ist das bekannteste Weingut des Trentino – und eines der einflussreichsten Italiens. Elisabetta Foradori hat aus einer regionalen Massenrebsorte, dem Teroldego, einen international beachteten Charakterwein gemacht: durch jahrelange Selektion alter Reben, durch die Umstellung auf Biodynamie und durch den Ausbau in Tonamphoren. Auf rund 29 Hektar entstehen heute Rotweine mit alpiner Frische, Kräuterwürze und feinem Tannin sowie eigenwillige Weißweine aus Manzoni Bianco, Nosiola und Pinot Grigio. Inzwischen führen ihre Kinder Emilio, Theo und Myrtha den Betrieb.
Geschichte
Der Betrieb geht auf das Jahr 1901 zurück und kam 1939 durch Vittorio Foradori in Familienbesitz. Prägend wurde die dritte Generation: Elisabetta Foradori übernahm nach dem frühen Tod ihres Vaters sehr jung Verantwortung und begann Mitte der 1980er-Jahre, nach ihrer Ausbildung an der Weinbauschule San Michele all'Adige, den eigenen Weg zu gehen.
Damals galt der Teroldego im Campo Rotaliano als ertragreiche Alltagssorte, gezogen an hohen Pergolen, verschnitten zu einfachem Literwein. Elisabetta Foradori hielt dagegen. Sie durchkämmte alte Anlagen nach besonders kleinbeerigen, ausdrucksstarken Stöcken, legte eine eigene Massenselektion an und vermehrte die besten Pflanzen in einer eigenen Rebschule. 1986 füllte sie mit dem Granato erstmals einen Teroldego, der als großer Wein gedacht war – der Beginn des Rufs, den das Gut heute genießt.
Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Agrarwissenschaftler Rainer Zierock, vertiefte sie das Verständnis für Boden und Pflanze. 2002 stellte sie den Betrieb auf biodynamische Bewirtschaftung um, 2009 folgte die Zertifizierung durch Demeter und ICEA. Heute teilen sich die drei Kinder die Aufgaben: Emilio verantwortet die Weinbereitung, Theo Handel und Vertrieb, Myrtha die landwirtschaftliche Arbeit – während Elisabetta sich zusätzlich der handwerklichen Käseherstellung widmet.
Lage & Terroir
Das Herz des Guts liegt im Campo Rotaliano, einer nur wenige Quadratkilometer großen Schwemmebene nördlich von Trient, wo der Fluss Noce in die Etsch mündet. Steile Felswände der Dolomiten rahmen die Ebene ein und kanalisieren die Luftströme; die Ora, ein verlässlicher Wind vom Gardasee, sorgt für Belüftung und kühle Nächte. Die Böden sind tiefgründige, kalkhaltige Schotter- und Sandböden aus dem Geröll des Noce – durchlässig, warm und ideal für den spät reifenden Teroldego, der hier traditionell an der Pergola trentina gezogen wird.
Ein zweites Standbein liegt deutlich höher und kühler: In den Hügeln oberhalb von Trient bewirtschaftet das Gut die Lage Fontanasanta auf lehmig-kalkhaltigem Boden. Dort reifen die weißen Sorten Manzoni Bianco und Nosiola langsamer aus und behalten Säure und Duft. Der Pinot Grigio für den Wein Fuoripista stammt von einer schottrigen Parzelle.
Stil & Philosophie
Foradori arbeitet konsequent von der Pflanze her: möglichst vitale Böden, Begrünung, Kompost und biodynamische Präparate, dazu Tiere und Gemüsebau als Teil eines landwirtschaftlichen Organismus. Im Keller folgt darauf betonte Zurückhaltung – spontane Gärung mit weinbergseigenen Hefen, kein Schönen, kein Filtrieren im großen Stil, sehr wenig Schwefel.
Das auffälligste Werkzeug sind die Tonamphoren, gefertigt vom spanischen Töpfer Juan Padilla aus Villarrobledo. Die Rotweine aus den Einzelparzellen vergären und reifen etwa sieben bis neun Monate mitsamt Schalen in bauchigen Amphoren (panciuta); ein Teil wandert anschließend für rund ein weiteres Jahr in zylindrische Amphoren (cilindrica). Die Weißweine bleiben rund acht Monate im Ton, meist mit mehrtägiger Maischestandzeit. Ton atmet stärker als Stahl, gibt aber – anders als Barrique – keine Röstaromen ab. Das Ergebnis sind Weine mit klarer Frucht, salziger Textur und griffigem, feinkörnigem Tannin. Alkoholisch bleiben sie moderat, oft deutlich unter 14 % Vol.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist überschaubar und klar gestaffelt:
- Granato – der Spitzenwein aus den ältesten Pergola-Reben (im Schnitt rund 70 Jahre), reinsortiger Teroldego, benannt nach dem Granatapfel
- Morei und Sgarzon – zwei Einzelparzellen-Teroldego, in Amphoren ausgebaut; Sgarzon gilt als der kühlere, filigranere, Morei als der dunklere, dichtere Wein
- Foradori Teroldego – der Gutswein aus den Massenselektions-Anlagen
- Lezèr – ein leichter, saftiger Teroldego aus jungen Reben, kühl zu trinken
- Fontanasanta Manzoni Bianco und Fontanasanta Nosiola – Weißweine aus den Hügeln über Trient
- Fuoripista – Pinot Grigio mit langer Maischestandzeit im Ton, kupferfarben statt blass
Auszeichnungen
Der Granato zählt zu den meistdekorierten Rotweinen Norditaliens und hat bei Gambero Rosso wiederholt die Höchstbewertung Tre Bicchieri erhalten. Elisabetta Foradori selbst wird in der internationalen Fachpresse regelmäßig als eine der prägenden Winzerinnen Italiens geführt – nicht nur wegen der Qualität ihrer Weine, sondern weil sie eine ganze Rebsorte vor der Bedeutungslosigkeit bewahrt und der Amphorenvinifikation in Italien den Weg bereitet hat. Für viele Sommeliers ist Foradori heute die erste Adresse, wenn es um Teroldego geht.
