Weingüter

Foradori – Teroldego, Amphoren und Biodynamie aus dem Trentino

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
25. August 2026
foradoritrentinoteroldego

Azienda Agricola Foradori in Mezzolombardo: Elisabetta Foradori rettete den Teroldego. Geschichte, Biodynamie, Amphoren, Granato und Steckbrief im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Elisabetta Foradori gilt als die Frau, die den fast vergessenen Teroldego zu internationalem Ansehen geführt hat.
  • 2Rund 29 Hektar im Campo Rotaliano und in den Hügeln über Trient – etwa 70 % Teroldego.
  • 3Biodynamischer Anbau seit 2002, zertifiziert von Demeter und ICEA seit 2009.
  • 4Ausbau in bauchigen und zylindrischen Tonamphoren, handgefertigt vom spanischen Töpfer Juan Padilla.
  • 5Der Granato aus den ältesten Pergola-Reben ist das Flaggschiff des Guts und vielfacher Tre-Bicchieri-Gewinner.

Steckbrief

Region
Trentino – Mezzolombardo im Campo Rotaliano, Italien
Gegründet
1901; seit 1939 in Familienbesitz (Vittorio Foradori), seit den 1980er-Jahren unter Elisabetta Foradori
Inhaber / Winzer
Familie Foradori Zierock – Emilio (Keller), Theo (Vertrieb), Myrtha (Landwirtschaft)
Rebfläche
rund 29 Hektar, etwa 180.000 Flaschen im Jahr
Leitrebsorten
Teroldego (rund 70 %), Manzoni Bianco, Pinot Grigio, Nosiola
Weinstile
Trockene Rotweine aus Teroldego, Weißweine mit Maischestandzeit, Amphorenweine
Klassifikation
Teroldego Rotaliano DOC sowie Vigneti delle Dolomiti IGT
Besonderheit
Biodynamie seit 2002 und Ausbau in handgetöpferten Tonamphoren

Entdecke Weine von Foradori – Teroldego, Amphoren und Biodynamie aus dem Trentino in der Grape Guru App.

Jetzt kostenlos scannen

Zusammenfassung

Die Azienda Agricola Foradori in Mezzolombardo ist das bekannteste Weingut des Trentino – und eines der einflussreichsten Italiens. Elisabetta Foradori hat aus einer regionalen Massenrebsorte, dem Teroldego, einen international beachteten Charakterwein gemacht: durch jahrelange Selektion alter Reben, durch die Umstellung auf Biodynamie und durch den Ausbau in Tonamphoren. Auf rund 29 Hektar entstehen heute Rotweine mit alpiner Frische, Kräuterwürze und feinem Tannin sowie eigenwillige Weißweine aus Manzoni Bianco, Nosiola und Pinot Grigio. Inzwischen führen ihre Kinder Emilio, Theo und Myrtha den Betrieb.

Geschichte

Der Betrieb geht auf das Jahr 1901 zurück und kam 1939 durch Vittorio Foradori in Familienbesitz. Prägend wurde die dritte Generation: Elisabetta Foradori übernahm nach dem frühen Tod ihres Vaters sehr jung Verantwortung und begann Mitte der 1980er-Jahre, nach ihrer Ausbildung an der Weinbauschule San Michele all'Adige, den eigenen Weg zu gehen.

Damals galt der Teroldego im Campo Rotaliano als ertragreiche Alltagssorte, gezogen an hohen Pergolen, verschnitten zu einfachem Literwein. Elisabetta Foradori hielt dagegen. Sie durchkämmte alte Anlagen nach besonders kleinbeerigen, ausdrucksstarken Stöcken, legte eine eigene Massenselektion an und vermehrte die besten Pflanzen in einer eigenen Rebschule. 1986 füllte sie mit dem Granato erstmals einen Teroldego, der als großer Wein gedacht war – der Beginn des Rufs, den das Gut heute genießt.

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Agrarwissenschaftler Rainer Zierock, vertiefte sie das Verständnis für Boden und Pflanze. 2002 stellte sie den Betrieb auf biodynamische Bewirtschaftung um, 2009 folgte die Zertifizierung durch Demeter und ICEA. Heute teilen sich die drei Kinder die Aufgaben: Emilio verantwortet die Weinbereitung, Theo Handel und Vertrieb, Myrtha die landwirtschaftliche Arbeit – während Elisabetta sich zusätzlich der handwerklichen Käseherstellung widmet.

Lage & Terroir

Das Herz des Guts liegt im Campo Rotaliano, einer nur wenige Quadratkilometer großen Schwemmebene nördlich von Trient, wo der Fluss Noce in die Etsch mündet. Steile Felswände der Dolomiten rahmen die Ebene ein und kanalisieren die Luftströme; die Ora, ein verlässlicher Wind vom Gardasee, sorgt für Belüftung und kühle Nächte. Die Böden sind tiefgründige, kalkhaltige Schotter- und Sandböden aus dem Geröll des Noce – durchlässig, warm und ideal für den spät reifenden Teroldego, der hier traditionell an der Pergola trentina gezogen wird.

Ein zweites Standbein liegt deutlich höher und kühler: In den Hügeln oberhalb von Trient bewirtschaftet das Gut die Lage Fontanasanta auf lehmig-kalkhaltigem Boden. Dort reifen die weißen Sorten Manzoni Bianco und Nosiola langsamer aus und behalten Säure und Duft. Der Pinot Grigio für den Wein Fuoripista stammt von einer schottrigen Parzelle.

Stil & Philosophie

Foradori arbeitet konsequent von der Pflanze her: möglichst vitale Böden, Begrünung, Kompost und biodynamische Präparate, dazu Tiere und Gemüsebau als Teil eines landwirtschaftlichen Organismus. Im Keller folgt darauf betonte Zurückhaltung – spontane Gärung mit weinbergseigenen Hefen, kein Schönen, kein Filtrieren im großen Stil, sehr wenig Schwefel.

Das auffälligste Werkzeug sind die Tonamphoren, gefertigt vom spanischen Töpfer Juan Padilla aus Villarrobledo. Die Rotweine aus den Einzelparzellen vergären und reifen etwa sieben bis neun Monate mitsamt Schalen in bauchigen Amphoren (panciuta); ein Teil wandert anschließend für rund ein weiteres Jahr in zylindrische Amphoren (cilindrica). Die Weißweine bleiben rund acht Monate im Ton, meist mit mehrtägiger Maischestandzeit. Ton atmet stärker als Stahl, gibt aber – anders als Barrique – keine Röstaromen ab. Das Ergebnis sind Weine mit klarer Frucht, salziger Textur und griffigem, feinkörnigem Tannin. Alkoholisch bleiben sie moderat, oft deutlich unter 14 % Vol.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment ist überschaubar und klar gestaffelt:

  • Granato – der Spitzenwein aus den ältesten Pergola-Reben (im Schnitt rund 70 Jahre), reinsortiger Teroldego, benannt nach dem Granatapfel
  • Morei und Sgarzon – zwei Einzelparzellen-Teroldego, in Amphoren ausgebaut; Sgarzon gilt als der kühlere, filigranere, Morei als der dunklere, dichtere Wein
  • Foradori Teroldego – der Gutswein aus den Massenselektions-Anlagen
  • Lezèr – ein leichter, saftiger Teroldego aus jungen Reben, kühl zu trinken
  • Fontanasanta Manzoni Bianco und Fontanasanta Nosiola – Weißweine aus den Hügeln über Trient
  • Fuoripista – Pinot Grigio mit langer Maischestandzeit im Ton, kupferfarben statt blass

Auszeichnungen

Der Granato zählt zu den meistdekorierten Rotweinen Norditaliens und hat bei Gambero Rosso wiederholt die Höchstbewertung Tre Bicchieri erhalten. Elisabetta Foradori selbst wird in der internationalen Fachpresse regelmäßig als eine der prägenden Winzerinnen Italiens geführt – nicht nur wegen der Qualität ihrer Weine, sondern weil sie eine ganze Rebsorte vor der Bedeutungslosigkeit bewahrt und der Amphorenvinifikation in Italien den Weg bereitet hat. Für viele Sommeliers ist Foradori heute die erste Adresse, wenn es um Teroldego geht.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Foradori bekannt?

Foradori steht für die Wiederentdeckung des Teroldego, der autochthonen Rotweinsorte des Trentino. Elisabetta Foradori selektierte über Jahre alte Klone, stellte den Betrieb auf Biodynamie um und baut die Weine seit den 2010er-Jahren in Tonamphoren aus. Das Ergebnis sind lebendige, kräuterwürzige Rotweine mit alpiner Frische statt breiter Marmelade.

Wo liegt das Weingut Foradori?

Der Sitz ist Mezzolombardo im Campo Rotaliano, einer flachen Schwemmebene nördlich von Trient im italienischen Trentino, umrahmt von den Felswänden der Dolomiten. Weitere Parzellen liegen in den kühleren Hügeln oberhalb von Trient, etwa die Lage Fontanasanta.

Was ist der Granato von Foradori?

Granato ist der Spitzenwein des Guts, ein reinsortiger Teroldego aus den ältesten Pergola-Reben mit im Schnitt rund 70 Jahren. Der Name spielt auf den Granatapfel an. Erstmals 1986 gefüllt, gilt er als Referenzwein der Rebsorte und hat bei Gambero Rosso wiederholt die Höchstnote Tre Bicchieri erhalten.

Arbeitet Foradori biodynamisch?

Ja. Elisabetta Foradori stellte das Gut 2002 auf biodynamische Bewirtschaftung um; seit 2009 ist der Betrieb von Demeter und ICEA zertifiziert. Dazu gehören eigene Präparate, Begrünung, Tierhaltung und Gemüsebau – das Weingut versteht sich als landwirtschaftlicher Gesamtorganismus, nicht als reiner Weinbetrieb.

Weine von Foradori in der App entdecken

Entdecke die Weine dieses Guts und finde deine neuen Favoriten mit dem KI-gestützten Weinscanner von Grape Guru.

Das könnte dich auch interessieren