Zusammenfassung
Fantini – bis vor Kurzem besser bekannt als Farnese Vini – ist eine der erfolgreichsten Weingeschichten Süditaliens. 1994 in Ortona an der Adriaküste der Abruzzen gegründet, ist das Unternehmen zu einer Gruppe mit mehreren Kellereien in Italien und Spanien gewachsen und füllt heute Schätzungen zufolge rund 24 Millionen Flaschen im Jahr ab. Das Besondere: Fantini besitzt kaum eigene Weinberge, sondern arbeitet mit einem großen Netz kleiner Familienwinzer zusammen. Im Mittelpunkt stehen Montepulciano d'Abruzzo und die international gefeierte Edizione Cinque Autoctoni, eine Cuvée aus fünf autochthonen Rebsorten Süditaliens.
Geschichte
Die Geschichte von Fantini beginnt 1994, als drei Freunde – Valentino Sciotti, der Piemonteser Önologe Filippo Baccalaro und ihr Partner Camillo – in Ortona ein eigenes Weinhaus gründeten. Das Kapital war klein, eigene Weinberge gab es praktisch keine. Die Idee dahinter war umso größer: Man wollte beweisen, dass sich in Süditalien hochwertige Weine erzeugen lassen, ohne riesige Güter zu besitzen – durch enge Zusammenarbeit mit den Winzerfamilien, die das Land seit Generationen bewirtschaften.
Unter dem Namen Farnese Vini baute das Team rasch einen Exportschwerpunkt auf. Sitz und Aushängeschild wurde das restaurierte Castello Caldora in Ortona, in dessen Kellern die Spitzenweine reiften. Ab 1996 entstand gemeinsam mit renommierten Beratern die Edizione Cinque Autoctoni, die zum internationalen Durchbruch wurde.
In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Gruppe durch weitere Kellereien in Apulien, der Basilikata, Sizilien, Sardinien und schließlich in Spanien. Beteiligungsgesellschaften stiegen ein; seit 2020 gehört das Unternehmen dem US-Investor Platinum Equity. Parallel wurde der Auftritt vereinheitlicht: Aus Farnese Vini wurde Fantini Wines – benannt nach der bekanntesten Weinlinie des Hauses.
Lage & Terroir
Ortona liegt in der Provinz Chieti, dem rebenreichsten Teil der Abruzzen. Zwischen dem Massiv von Majella und Gran Sasso im Westen und der Adria im Osten ziehen sich sanfte Hügel bis ans Meer. Tagsüber sorgen Sonne und Meeresnähe für Reife, nachts kühlen Fallwinde aus den Bergen die Weinberge ab – ein Wechselspiel, das dem Montepulciano Frucht und zugleich Frische gibt. Die Böden sind überwiegend lehmig-kalkhaltig.
Fantini bezieht seine Trauben aus der Umgebung von Ortona sowie aus weiteren Teilen der Abruzzen, etwa den Colline Teramane im Norden. Für Cuvées wie die Edizione kommen zudem Trauben aus Apulien hinzu, vor allem aus dem Salento rund um Sava und San Marzano. Da die Partnerwinzer im Schnitt nur etwa 1,5 Hektar bewirtschaften, begleiten die Önologen der Gruppe die Betriebe eng bei Rebschnitt, Ertragsbegrenzung und Lesezeitpunkt.
Stil & Philosophie
Fantini steht für einen bewusst zugänglichen, fruchtbetonten Stil: reife dunkle Beeren, weiche Tannine und oft ein Hauch Süße im Eindruck, verbunden mit einer Qualität, die für das Preisniveau bemerkenswert ist. Die Kellerarbeit liegt in den Händen von Chefönologe Filippo Baccalaro, der aus einer piemontesischen Winzerfamilie stammt, und seinem Team.
Kernidee bleibt die Partnerschaft statt Landbesitz: Fantini versteht sich als Brücke zwischen vielen kleinen Erzeugern und dem Weltmarkt. Kritiker sehen darin eher einen Großerzeuger als ein klassisches Weingut; unbestritten ist aber, dass die Gruppe die Rebsorte Montepulciano und die Weine der Abruzzen international sichtbar gemacht hat.
Bekannte Lagen & Weine
Statt einzelner Lagen gliedert sich das Sortiment in Linien. Zu den bekanntesten Weinen zählen:
- Edizione Cinque Autoctoni – unfiltrierte Cuvée aus Montepulciano, Primitivo, Sangiovese, Negroamaro und Malvasia Nera; jede Ausgabe ist nummeriert
- Opi – Montepulciano d'Abruzzo Colline Teramane DOCG Riserva, der ambitionierteste Montepulciano des Hauses
- Fantini Montepulciano d'Abruzzo – der zugängliche Klassiker und eines der meistverkauften Etiketten
- Fantini Trebbiano d'Abruzzo und Fantini Pecorino – frische, unkomplizierte Weißweine
- Fantini Sangiovese und Primitivo – fruchtige Rotweine aus den Abruzzen bzw. Apulien
Zur Gruppe gehören außerdem eigenständige Kellereien wie Caldora, Vigneti del Salento, Vigneti del Vulture und Vigneti Zabù, die jeweils eigene Porträts verdienen.
Auszeichnungen
Fantini gehört zu den meistprämierten Erzeugern Italiens bei internationalen Wettbewerben. Nach Angaben des Unternehmens wurde die Gruppe mehrfach als bester italienischer Produzent ausgezeichnet, 2017 zudem als Produzent des Jahres beim Mundus Vini, und hat weit über 70 internationale Goldmedaillen und Trophäen gesammelt. Die Edizione Cinque Autoctoni erhielt wiederholt Titel als „Wein des Jahres" und erscheint regelmäßig in Bestenlisten. Für Weinfreunde ist Fantini damit vor allem eines: ein zuverlässiger, preiswerter Einstieg in die Rotweinwelt der Abruzzen.
