Zusammenfassung
Das Weingut Eymann in Gönnheim an der Mittelhaardt gehört zu den Pionieren des ökologischen Weinbaus in der Pfalz. Schon 1982 stellte Rainer Eymann den 1961 gegründeten Familienbetrieb auf Bio um, seit 2006 wird nach den Regeln von Demeter biodynamisch gearbeitet. Seit 2015 führt sein Sohn Vincent Eymann Weinberg und Keller – mit klarem Fokus auf Riesling, Spätburgunder und traditionell flaschenvergorenen Sekt. Handlese, Spontangärung und langes Hefelager ersetzen önologische Hilfsmittel; herausgekommen ist ein Stil, der Falstaff 2021 zur Nominierung als Newcomer des Jahres veranlasste.
Geschichte
Das Weingut wurde 1961 als klassischer Familienbetrieb in Gönnheim gegründet, einem kleinen Weindorf zwischen Bad Dürkheim und Neustadt. Die entscheidende Weichenstellung kam 1982, als Rainer Eymann den Betrieb übernahm und ihn sofort auf ökologischen Weinbau umstellte. Damals wurde er dafür in der Nachbarschaft noch belächelt – heute gilt er als einer der Öko-Pioniere Deutschlands.
Der nächste Schritt folgte rund zwei Jahrzehnte später: Der Betrieb ging zur biodynamischen Bewirtschaftung über und ist seit 2006 Demeter-Vertragsmitglied. Kompostpräparate, Rücksicht auf den Naturhaushalt und der Verzicht auf synthetische Mittel prägen seither die Arbeit im Weinberg.
2015 übernahm Vincent Eymann die Regie in Weinberg und Keller. Er verschlankte das Sortiment, rückte Riesling und Spätburgunder ins Zentrum und gab den Weinen eine wiedererkennbare Handschrift. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Bei seiner ersten Teilnahme am Falstaff-Weinguide 2021 wurde er direkt als Newcomer des Jahres nominiert.
Lage & Terroir
Die knapp 18 Hektar Reben verteilen sich auf drei Gemarkungen der Mittelhaardt: Gönnheim, Bad Dürkheim und Wachenheim. Gönnheim liegt etwas östlich der Haardt in der Rheinebene – die Böden sind hier von Löss und Kalkstein geprägt, die den Weinen Fülle und zugleich eine kühle, kalkige Spannung geben. In Wachenheim und Bad Dürkheim kommen Parzellen näher am Hang hinzu, teils mit sehr alten, zum Teil wurzelechten Riesling-Reben.
Das Klima der Mittelhaardt ist eines der wärmsten Deutschlands: Der Pfälzerwald schirmt Regen ab, die Sonne sorgt für zuverlässige Reife. Im biodynamischen Anbau setzt das Gut auf lebendige Böden, Begrünung und Artenvielfalt – der Weinberg soll als Organismus funktionieren, nicht als Monokultur.
Stil & Philosophie
Die Philosophie ist schnell erklärt: Handlese, Spontangärung und ein langes Hefelager sorgen für natürliche Stabilität, sodass auf önologische Zusätze verzichtet werden kann. Ziel ist es, Terroir, Klima und Jahrgang unverfälscht in die Flasche zu bringen.
Die Weißweine – allen voran der Riesling – werden vornehmlich im großen Holz, im Stückfass oder Doppelstück, ausgebaut. Das gibt ihnen Textur und Ruhe, ohne die Frucht zu überdecken. Der Spätburgunder reift je nach Wein zwischen neun und 18 Monaten in französischen Tonneaux und Barriques – mit dem Ziel eleganter, feingliedriger Rotweine statt marmeladiger Wucht.
Ein dritter Schwerpunkt ist der Sekt: Er entsteht ausschließlich in traditioneller Flaschengärung und profitiert von der Frische, die die kalkhaltigen Böden den Grundweinen mitgeben.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar gestuft – von Guts- und Ortsweinen bis zu den Lagen- und Selektionsweinen:
- Gönnheimer Sonnenberg – die Kernlage des Hauses für Riesling und Spätburgunder auf Löss und Kalk
- Gönnheimer Mandelgarten – zweite Gönnheimer Spitzenlage
- Wachenheimer Schlossberg – Riesling näher am Haardtrand
- Bad Dürkheimer Fuchsmantel – alte Reben in einer der bekanntesten Dürkheimer Lagen
- Toreye – die Selektionslinie: spontan vergorene, lange auf der Hefe gereifte Weine aus ausgewählten Parzellen
Der Gönnheim Riesling trocken als Ortswein gilt als guter Einstieg in den Stil des Hauses; die Toreye-Weine zeigen, wohin Vincent Eymann das Gut führen will.
Auszeichnungen
Der größte Erfolg der jüngeren Zeit war die Nominierung als Newcomer des Jahres im Falstaff-Weinguide 2021 – bei der ersten Teilnahme überhaupt und im Alter von unter 30 Jahren. Einzelne Weine wie der Gönnheim Riesling trocken erreichten in derselben Bewertung rund 90 Falstaff-Punkte. Über die Punkte hinaus steht das Gut vor allem für etwas anderes: über 40 Jahre konsequent ökologischen und seit zwei Jahrzehnten biodynamischen Weinbau in der Pfalz.
