Zusammenfassung
Das Weingut Ellermann-Spiegel im südpfälzischen Kleinfischlingen ist eine der auffälligsten Aufsteigergeschichten der jüngeren Pfälzer Weinszene. Bis Mitte der 2000er-Jahre lieferte der Familienbetrieb seine Weine praktisch komplett als Fassware an Genossenschaften. Dann stieg Frank Spiegel – gelernt bei Knipser und Münzberg, studiert in Geisenheim – 2007 in den Betrieb seines Stiefvaters Harald Ellermann ein, gab dem Gut mit dem Doppelnamen ein neues Gesicht und begann ab dem Jahrgang 2008, einen Teil der Ernte selbst auf die Flasche zu bringen. Innerhalb weniger Jahre standen die Weine auf den Karten ambitionierter Restaurants und Sterneküchen. Im Glas findest du vor allem trockene, klar gezeichnete Weißweine aus den Burgundersorten und Sauvignon Blanc, dazu Riesling, Spätburgunder und eine Reihe eigenwillig benannter Cuvées.
Geschichte
Die Ausgangslage war typisch für viele Betriebe der Vorderpfalz: Die Familie Ellermann bewirtschaftete in Kleinfischlingen eine für pfälzische Verhältnisse ansehnliche Rebfläche, verkaufte die Ernte aber fast vollständig als Fassware an Genossenschaften und Kellereien. Qualität wurde dabei kaum sichtbar – der Wein verschwand anonym in fremden Flaschen.
Der Bruch kam mit Frank Spiegel. Nach dem Abitur absolvierte er eine Winzerlehre bei zwei Häusern, die für pfälzische Spitzenqualität stehen – Knipser und Münzberg –, studierte anschließend Weinbau und Önologie in Geisenheim und sammelte Praxis in der Wachau, im Beaujolais und in Bordeaux. 2007 stieg er in den Betrieb seines Stiefvaters ein. Um den Kurswechsel auch nach außen sichtbar zu machen, wurde aus dem Weingut Ellermann das Weingut Ellermann-Spiegel.
Ab dem Jahrgang 2008 ging ein wachsender Teil der Ernte in die eigene Flasche – zunächst die Trauben von rund zehn Hektar. Der Erfolg kam schnell: Schon im ersten Jahr platzierte Spiegel Weine in mehreren sternedekorierten Restaurants, und die Weinführer wurden auf das Gut aufmerksam. Seither ist der Anteil der Selbstvermarktung Schritt für Schritt gewachsen.
Lage & Terroir
Kleinfischlingen liegt in der Südpfalz zwischen Neustadt an der Weinstraße und Landau, ein Stück östlich der Deutschen Weinstraße im flacheren Vorderpfälzer Tiefland. Mit rund 300 Einwohnern ist es einer der kleinsten Weinorte der Region – ein stiller Ort, umgeben von Reben, mit Blick nach Westen auf die Haardt und nach Osten weit in die Rheinebene.
Klimatisch profitiert der Betrieb von einer der wärmsten und sonnenreichsten Ecken Deutschlands. Der Pfälzerwald und der Haardtrand schirmen die Weinberge nach Westen ab und sorgen für ein mildes, vergleichsweise trockenes Klima, in dem auch spät reifende Sorten wie Cabernet Sauvignon zuverlässig ausreifen.
Die Weinberge rund um Kleinfischlingen liegen überwiegend auf den sanften Lösshügeln südlich des Ortes. Löss- und Lehmböden sind der prägende Bodentyp: Sie speichern Wasser gut, geben den Weinen Fülle und weiche Textur und spielen damit besonders den Burgundersorten in die Karten. Genau hier liegt eine Stärke des Guts – Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay finden auf diesen Böden ideale Bedingungen.
Stil & Philosophie
Frank Spiegels Ansatz ist unprätentiös und auf den Punkt gebracht: Ein Wein muss vor allem schmecken. Der Betrieb formuliert das selbst mit dem Leitsatz „Dir muss es schmecken" – und meint damit Weine, die Trinkfluss, Klarheit und Frische bieten, ohne dafür einen Sammlerpreis zu verlangen.
Handwerklich heißt das: sorgfältige Arbeit im Weinberg mit reduzierten Erträgen, selektive Lese, schonende Verarbeitung und ein Ausbau, der die Frucht nicht überdeckt. Die meisten Weißweine werden trocken und im Edelstahl ausgebaut, um Sortenaroma und Säurespiel zu erhalten. Bei den ambitionierteren Weinen – etwa den Goldkapsel-Abfüllungen – kommt Holz ins Spiel, dann aber als Rahmen und nicht als Hauptdarsteller.
Beim Rotwein deckt das Gut eine große Bandbreite ab: von saftigen, unkomplizierten Alltagsweinen aus Portugieser und St. Laurent bis zu dichteren Spätburgundern und Cuvées mit Cabernet Sauvignon. Charakteristisch sind die eigenwilligen Weinnamen, mit denen sich der Betrieb vom klassischen Etikettendeutsch absetzt.
Ein Gut mit Sinn für Nebenwege
Zum Bild gehört auch die Lust am Ausprobieren. Neben Stillwein und Rosé sind über die Jahre alkoholfreie Varianten, Sondereditionen für einzelne Händler und sogar ein Wermut auf Riesling-Basis entstanden – Letzterer in Zusammenarbeit mit einem spanischen Weinimporteur. Solche Projekte bleiben Randnotizen im Sortiment, zeigen aber gut, wie das Gut tickt: neugierig, handwerklich und ohne Ehrfurcht vor Konventionen.
Bekannte Lagen & Weine
Anders als die großen Namen der Mittelhaardt vermarktet Ellermann-Spiegel seine Weine nicht in erster Linie über Einzellagen, sondern über Rebsorte, Stilistik und Cuvée-Namen. Die Sortimentspyramide ist trotzdem klar gestaffelt:
- Guts- und Sortenweine – trockener Weißburgunder, Grauburgunder, Sauvignon Blanc, Chardonnay und Riesling als Basis des Programms
- Goldkapsel-Selektionen – ausgesuchte Partien mit mehr Dichte und Holzeinsatz, unter anderem beim Spätburgunder
- Cuvées mit eigenem Namen – darunter Rotweine wie Anno XVI, No Name und Simsalabim
- Rosé – etwa die Windrosé, die den frischen, fruchtbetonten Stil des Hauses zeigt
Der Weißburgunder gilt im Haus als die leise Paradesorte der Pfalz und ist ein guter Einstieg, wenn du den Stil kennenlernen willst; der Sauvignon Blanc ist einer der meistverkauften Weine des Guts.
Auszeichnungen
Die Anerkennung kam für ein so junges Selbstvermarkter-Projekt bemerkenswert schnell. 2015 wurde Frank Spiegel vom Magazin Der Feinschmecker zu den besten Winzern Deutschlands gezählt. Der Gault&Millau Weinguide Deutschland nahm das aufstrebende Gut auf, weitere Bewertungen folgten bei Falstaff und Vinum. 2017 wurde ein Spätburgunder aus der Goldkapsel-Linie beim Meininger Rotweinpreis ausgezeichnet.
Mindestens ebenso aussagekräftig wie die Punktebewertungen ist die Präsenz auf Weinkarten: Schon kurz nach dem Start der Flaschenweinvermarktung standen die Weine in mehreren sternedekorierten Restaurants. Frank Spiegel ist zudem seit 2009 Mitglied der Nachwuchsinitiative Generation Riesling und der Gastronomenvereinigung Chaîne des Rôtisseurs.
