Zusammenfassung
Das Sektgut Christmann & Kauffmann in Gimmeldingen ist eines der ambitioniertesten Sektprojekte Deutschlands. 2019 gegründet, verbindet es zwei Welten: die Pfälzer Terroir-Kompetenz von Steffen Christmann – jahrelang Präsident des VDP – und seiner Tochter Sophie Christmann mit der Champagner-Erfahrung von Mathieu Kauffmann, der über ein Jahrzehnt lang Chef de Cave bei Bollinger war. Auf rund 12 Hektar am Haardtrand entstehen biodynamisch erzeugte Sekte in traditioneller Flaschengärung, die mehrere Jahre auf der Hefe reifen und ohne Dosage gefüllt werden.
Geschichte
Die Idee entstand aus einer Beobachtung: Deutschland hat mit dem Riesling eine Rebsorte, die für Schaumwein prädestiniert ist – und dennoch war deutscher Sekt lange kein Thema an der Weltspitze. Steffen Christmann, Inhaber des Pfälzer VDP-Weinguts A. Christmann und über viele Jahre Präsident des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter, wollte das ändern. Gemeinsam mit seiner Tochter Sophie Christmann gründete er im Jahr 2019 ein eigenständiges Sektgut.
Der entscheidende Partner war Mathieu Kauffmann. Der aus dem Elsass stammende Kellermeister leitete von 2000 bis 2013 als Chef de Cave den Keller des Champagnerhauses Bollinger – eine der prestigeträchtigsten Positionen der Champagne – und war danach Kellermeister beim Deidesheimer VDP-Gut Reichsrat von Buhl, wo er bereits mit Pfälzer Sekt Aufsehen erregte. Für die Trauben pachtete Christmann rund 12 Hektar vom benachbarten Weingut Mugler in Gimmeldingen. Von Anfang an stand fest, dass diese Flächen biodynamisch bewirtschaftet werden.
Lage & Terroir
Gimmeldingen liegt am Haardtrand, dem östlichen Abfall des Pfälzerwaldes, nördlich von Neustadt an der Weinstraße. Die Region ist warm und sonnenreich – für Schaumwein an sich eine Herausforderung, denn Sekt braucht Trauben mit moderatem Zucker und lebendiger Säure.
Genau deshalb sind die Details entscheidend: höhere, kühlere Parzellen, frühe Lesetermine und Böden, die den Reben Frische bewahren. Die genutzten Lagen rund um Gimmeldingen – darunter Biengarten, Kapellenberg und Quacken – bieten unterschiedliche Kombinationen aus Buntsandstein, Kalk und Lehm. Die biodynamische Bewirtschaftung soll die Vitalität der Reben stärken und, wie Steffen Christmann es formuliert, den Terroirausdruck möglichst unverfälscht in die Flasche bringen.
Stil & Philosophie
Die Arbeitsweise orientiert sich eng an der Champagne, ohne sie zu kopieren. Gelesen wird von Hand in kleine Kisten, gefolgt von einer sehr schonenden Pressung. Die Grundweine vergären spontan in gebrauchtem Holz und durchlaufen den biologischen Säureabbau. Danach folgt die traditionelle Flaschengärung und ein mehrjähriges Hefelager – aktuell liegen die Cuvées rund 32 Monate auf der Hefe, teils deutlich länger.
Der konsequenteste Schritt kommt am Ende: Die Sekte werden ohne Dosage gefüllt, also als Brut Nature. Es gibt keinen Zucker, der Kanten glättet – Frucht, Säure, Hefereife und Terroir stehen ungeschminkt da. Das funktioniert nur mit physiologisch reifem, absolut sauberem Lesegut, und es macht den Stil des Hauses aus: straff, klar, salzig-mineralisch und mit feiner, cremiger Perlage.
Bekannte Lagen & Weine
Statt Jahrgängen tragen die Sekte fortlaufende Cuvée-Nummern, die jeweils eine Tirage bezeichnen:
- 100er-Reihe – die reinsortigen Riesling-Sekte, das Alleinstellungsmerkmal des Guts
- 200er-Reihe – Cuvées aus den Burgundersorten Chardonnay, Weißburgunder und Spätburgunder, stilistisch näher an der Champagne
- Lagenparzellen in Gimmeldinger Biengarten, Kapellenberg und Quacken liefern das Traubenmaterial
Der Riesling-Sekt gilt dabei als das eigentliche Statement: Er zeigt, dass die deutsche Leitsorte auch als Schaumwein Weltniveau erreichen kann – mit einer Aromatik, die kein Champagner nachbilden kann.
Auszeichnungen
Obwohl das Gut erst seit 2019 besteht, wurde es von der Fachpresse außergewöhnlich schnell in die erste Reihe der deutschen Schaumweinerzeuger gestellt und in Fachmedien wiederholt als Maßstab für hochwertigen deutschen Sekt beschrieben. Mathieu Kauffmanns Ruf aus der Champagne und Steffen Christmanns Renommee als Terroir-Winzer haben dabei sicher geholfen – überzeugend sind aber vor allem die Sekte selbst, die dem Kategoriebegriff „deutscher Sekt" einen neuen Anspruch gegeben haben.
