Rotwein im Winter: Warum wir mehr davon trinken
Entdecke, warum Rotwein im Winter besonders gut schmeckt, welche Sorten ideal sind und wie du die perfekte Serviertemperatur findest. Mit Weinempfehlungen für kalte Tage.
Wenn draußen die Temperaturen sinken, der erste Schnee fällt und die Tage kürzer werden, greifen wir instinktiv zu Rotwein. Ein Glas Spätburgunder vor dem Kamin, ein kräftiger Barolo zum Weihnachtsbraten oder ein samtiger Merlot an einem gemütlichen Winterabend – Rotwein und Winter gehören einfach zusammen.
Aber warum ist das eigentlich so? Ist es nur Gewohnheit oder gibt es tatsächliche Gründe, warum Rotwein in der kalten Jahreszeit besonders gut schmeckt? In diesem Artikel erfährst du, warum wir im Winter mehr Rotwein trinken, welche Sorten besonders gut zur Jahreszeit passen und wie du das Maximum aus deinem Winterrotwein herausholst.
Warum schmeckt Rotwein im Winter besser?
Die Vorliebe für Rotwein im Winter ist keine Einbildung – es gibt tatsächlich handfeste Gründe dafür, warum wir in der kalten Jahreszeit zu roten statt zu weißen Weinen greifen.
Die Psychologie der Wärme
Rotwein wird wärmer serviert als Weißwein – ideal zwischen 16 und 18 Grad Celsius. Diese Temperatur fühlt sich im Winter angenehmer an als ein gekühlter Weißwein. Der Wein ist nicht eiskalt, sondern wohlig temperiert, was zu unserer Sehnsucht nach Wärme und Gemütlichkeit passt.
Hinzu kommen die Aromen: Während Weißweine oft mit Frische, Zitrus und Sommer assoziiert werden, erinnern Rotweine an dunkle Beeren, Gewürze, Schokolade und manchmal sogar an Tabak oder Leder. Diese Aromen passen perfekt zur winterlichen Stimmung.
Schwere und in Holz gereifte Weine sollten vorzugsweise nicht gekühlt getrunken werden – zum Glück sind das genau die Weine, nach denen wir im Winter ohnehin mehr Lust haben.
Das Food-Pairing im Winter
Im Winter essen wir anders als im Sommer. Statt leichten Salaten und gegrilltem Fisch gibt es herzhafte Schmorgerichte, Wild, Gänsebraten und würzige Eintöpfe. Diese kräftigen, oft fettreichen Speisen verlangen nach Weinen mit Körper und Tanninen.
Ein kräftiger Rotwein kann die Fettigkeit eines Gänsebratens durchbrechen, die Würze eines Wildgerichts ergänzen und die Aromen eines Schmorbratens hervorheben. Ein leichter Weißwein würde bei solchen Gerichten einfach untergehen.
Die historische Perspektive
Interessanterweise stammt die Regel, Rotwein bei "Zimmertemperatur" zu trinken, aus einer Zeit, als Zimmertemperatur noch etwas ganz anderes bedeutete. Im deutschen Kaiserreich, als diese Regel etabliert wurde, lag die Zimmertemperatur bei etwa 18 Grad Celsius – die Räume wurden mit Kachelöfen geheizt, nicht mit moderner Zentralheizung.
Heute sind unsere Wohnzimmer oft 21 Grad oder wärmer, was bedeutet: Wir trinken Rotwein generell zu warm! Aber dazu später mehr.
Die besten Rotwein-Stile für den Winter
Nicht jeder Rotwein ist ein perfekter Winterwein. Hier sind die Stile, die besonders gut zur kalten Jahreszeit passen.
Kraftvolle Barrique-Weine
Im Barrique-Fass ausgebaute Rotweine entwickeln komplexe Aromen von Vanille, Schokolade, Tabak und Röstaromen. Diese Weine haben oft einen höheren Alkoholgehalt und eine vollmundige Struktur – perfekt für gemütliche Winterabende.
Top-Empfehlungen:
- Barolo oder Barbaresco: Die Nebbiolo-Weine aus dem Piemont sind die Könige des Winters – kraftvoll, tanninreich und komplex
- Bordeaux: Eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot, idealerweise mit einigen Jahren Reife
- Rioja Reserva oder Gran Reserva: Tempranillo-Weine mit langem Ausbau im Eichenfass
Diese Weine brauchen Zeit zum Atmen – plane mindestens 30-60 Minuten Dekantieren ein, damit sie sich vollständig öffnen können.
Würzige Syrah und Shiraz
Syrah aus der Rhône oder Shiraz aus Australien bringen intensive Pfefferaromen, dunkle Früchte und eine angenehme Würze mit. Diese Weine sind wie gemacht für Wintergerichte mit kräftigen Gewürzen.
Perfekt zu:
- Wildschweinbraten mit Wacholderbeeren
- Lammkeule mit Rosmarin
- Herzhaften Eintöpfen mit Paprika
Ein Châteauneuf-du-Pape oder ein Hermitage sind hier die Premium-Varianten, aber auch ein guter Côtes du Rhône kann überzeugen.
Elegante Pinot Noir
Pinot Noir (oder Spätburgunder) ist der vielseitigste Winterrotwein. Er ist nicht zu schwer, hat elegante Tannine und bringt Aromen von Kirschen, Waldbeeren und oft erdige Noten mit.
Warum Pinot Noir im Winter?
- Passt zu einer breiten Palette an Wintergerichten
- Nicht zu wuchtig, sodass man auch mehrere Gläser genießen kann
- Entwickelt bei kühleren Trinktemperaturen (14-16°C) wunderbare Aromatik
Besonders empfehlenswert sind Pinot Noir aus dem Burgund, aus dem deutschen Baden oder aus dem Willamette Valley in Oregon.
Kräftige Italiener
Italien bietet eine Fülle an kraftvollen Rotweinen, die perfekt zum Winter passen:
- Amarone: Aus getrockneten Trauben, intensiv und süßlich
- Brunello di Montalcino: Sangiovese in seiner besten Form
- Primitivo: Kraftvoll und fruchtig aus Apulien
- Chianti Classico Riserva: Toskana-Klassiker mit Reifepotenzial
Diese Weine sind die perfekte Begleitung zum Kaminfeuer und machen ein Weihnachtsmenü erst so richtig stimmungsvoll.
Die richtige Serviertemperatur im Winter
Einer der häufigsten Fehler beim Rotwein-Genuss im Winter: Wir trinken ihn zu warm! Die moderne Zentralheizung macht unsere Räume deutlich wärmer als früher, und der Wein erwärmt sich im Glas schnell.
Die idealen Temperaturen nach Weinstil:
Leichte, fruchtige Rotweine (Beaujolais, junger Pinot Noir): 14-16°C
Mittelschwere Rotweine (Merlot, Cabernet Franc, Chianti): 16-18°C
Vollmundige, tanninreiche Rotweine (Cabernet Sauvignon, Syrah, Barolo): 18-20°C
Die Serviertemperatur sollte etwa 1-2 Grad unter der optimalen Trinktemperatur liegen, da der Wein sich im Glas und durch die Raumtemperatur relativ schnell erwärmt.
Was passiert bei falscher Temperatur?
Zu warm (über 20°C): Der Wein schmeckt breit, süßlich und unharmonisch. Alkohol und Glycerin treten unangenehm in den Vordergrund, während die fruchtig-frischen Akzente nicht mehr gut zur Geltung kommen.
Zu kalt (unter 14°C): Der Wein ist verschlossen, schmeckt bitter und besondere Geschmacksnoten werden unterdrückt. Die Tannine wirken härter und aggressiver.
Praktische Tipps für die richtige Temperatur
-
Kühlschrank nutzen: Auch Rotwein darf kurz in den Kühlschrank! 15-20 Minuten vor dem Servieren reichen meist aus.
-
Weinkühler verwenden: Im warmen Wohnzimmer verhindert ein Weinkühler, dass der Wein zu warm wird.
-
Thermometer einsetzen: Ein Weinthermometer für 10-15 Euro nimmt das Rätselraten aus der Gleichung.
-
Keller nutzen: Im Winter ist ein unbeheizter Keller oft die perfekte Lagerung – die Temperatur liegt meist bei idealen 10-15°C.
Rotwein zu klassischen Wintergerichten
Lass uns konkret werden: Was trinkt man zu den typischen Wintergerichten?
Zum Gänsebraten an Weihnachten
Die fettreiche Gans braucht einen Wein mit Tanninen und Säure, der die Fettigkeit durchbricht:
- Bordeaux (idealerweise mit etwas Reife)
- Barolo oder Barbaresco
- Burgundischer Pinot Noir
- Chianti Classico Riserva
Zu Wild (Reh, Hirsch, Wildschwein)
Das intensive, oft leicht gamelige Aroma von Wild verlangt nach kraftvollen Weinen:
- Châteauneuf-du-Pape
- Amarone della Valpolicella
- Gereifter Rioja Gran Reserva
- Deutscher Spätburgunder aus dem Barrique
Zu Rinderbraten und Schmorgerichten
Klassische Sonntagsbraten harmonieren mit:
- Merlot-dominierte Weine aus Pomerol oder Saint-Émilion
- Malbec aus Argentinien
- Syrah/Shiraz
- Primitivo aus Apulien
Zu Käse nach dem Essen
Ein mittelschwerer Rotwein ist ideal zur Käseplatte:
- Pinot Noir zu Weichkäse
- Barolo zu altem Hartkäse
- Dornfelder zu würzigem Schnittkäse
Glühwein: Die winterliche Rotwein-Tradition
Kein Artikel über Rotwein im Winter wäre komplett ohne Glühwein! Die Tradition des gewürzten, erhitzten Rotweins reicht Jahrhunderte zurück und ist aus der Winterzeit nicht wegzudenken.
Die besten Rebsorten für selbstgemachten Glühwein:
- Spätburgunder: Elegant und nicht zu tanninreich
- Merlot: Weich und fruchtig
- Tempranillo: Würzig und aromatisch
- Dornfelder: Deutscher Klassiker, kräftig und fruchtig
Der Wein muss nicht teuer sein – für Glühwein reicht ein solider Alltagswein zwischen 5 und 10 Euro völlig aus. Die Gewürze und der Zucker überdecken ohnehin viele Nuancen.
Winterrotweine lagern und genießen
Der Winter ist auch die perfekte Jahreszeit, um den Weinkeller zu plündern. Viele kräftige Rotweine haben in den Sommermonaten im Keller gelegen und sind jetzt perfekt gereift.
Welche Weine jetzt trinken?
Bordeaux: Jahrgänge 2015-2018 sind jetzt in einem wunderbaren Trinkreifefenster – noch fruchtig, aber schon mit Tertiäraromen.
Barolo: Ein 2016er oder 2017er Barolo hat nach 7-8 Jahren die ideale Trinkreife erreicht.
Rioja Reserva: Die Mindestreifezeit ist abgeschlossen, jetzt zeigen sich die komplexen Aromen.
Die richtige Lagerung im Winter
Auch wenn draußen Minusgrade herrschen: Dein Weinkeller sollte nicht zu kalt werden. Die ideale Lagertemperatur liegt ganzjährig bei 10-15°C. Extreme Temperaturschwankungen – auch im Winter – können dem Wein schaden.
Meine persönlichen Winter-Favoriten
Nach Jahren der Weinverkostung habe ich ein paar Rotweine, die für mich den Winter perfekt einfangen:
Für gemütliche Abende vor dem Kamin: Ein Châteauneuf-du-Pape – die Würze und Komplexität passen perfekt zur knisternden Atmosphäre.
Zum Weihnachtsessen: Ein gereifter Bordeaux aus Pauillac – klassisch, elegant und festlich.
Für lange Winternächte mit Freunden: Ein Amarone – kraftvoll genug für angeregte Gespräche bis spät in die Nacht.
Als besonderes Geschenk: Ein Barolo Riserva – der König der Winterweine.
Fazit: Rotwein und Winter – eine perfekte Symbiose
Rotwein im Winter zu trinken ist mehr als nur eine Gewohnheit – es ist eine natürliche Reaktion auf die Jahreszeit, die Temperaturen und die Art, wie wir im Winter essen und leben. Die kräftigen Aromen, die wärmere Serviertemperatur und die perfekte Harmonie zu Wintergerichten machen Rotwein zum idealen Begleiter durch die kalte Jahreszeit.
Mein Tipp: Nutze den Winter, um dich durch verschiedene Rotwein-Stile zu probieren. Entdecke die Unterschiede zwischen einem eleganten Pinot Noir und einem kraftvollen Barolo. Experimentiere mit Serviertemperaturen. Und vor allem: Genieße jeden Schluck in vollen Zügen.
Der Winter ist die Jahreszeit des Rotweins – also mach das Beste daraus und lass dich von der Vielfalt verzaubern. Ob zum Festtagsbraten, vor dem Kamin oder einfach an einem gemütlichen Sonntagabend – ein guter Rotwein macht die kalte Jahreszeit noch ein bisschen wärmer. Prost!
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