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Sangiovese

4. Dezember 2025
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Sangiovese ist Italiens wichtigste Rotweintraube. Entdecke die charakteristischen Aromen von Kirsche, Kräutern und Veilchen sowie perfekte Food Pairings.

Säure
sehr hohe Säure
Süße
trocken
Körper
vollmundiger Körper
Tannine
kräftige Tannine
Alkohol
12.5-14.5 % Alk.

Typische Aromen

  • Rote KirscheRote Kirsche
  • Getrocknete KräuterGetrocknete Kräuter
  • VeilchenVeilchen
  • LederLeder
  • black-teablack tea

Sangiovese Charakteristik: sehr hohe Säure, trocken,vollmundiger Körper, kräftige Tannine, Alkoholgehalt 12.5-14.5%. Typische Aromen: red-cherry, dried-herbs, violet, leather, black-tea.

Sangiovese ist die unbestrittene Königin unter Italiens Rotweintrauben und das Herzstück einiger der berühmtesten Weine der Welt. Von den sanften Hügeln der Toskana bis zu den Weinbergen der Emilia-Romagna prägt diese vielseitige Rebsorte seit Jahrhunderten die italienische Weinkultur. Was Sangiovese so besonders macht, ist ihre einzigartige Kombination aus lebendiger Säure, eleganten Tanninen und einem Aromenspektrum, das von frischen roten Kirschen bis zu würzigen Kräuternoten reicht.

Auf einen Blick

  • Heimat: Toskana, Italien – seit der Römerzeit kultiviert
  • Bedeutung: Meistangebaute Rotweintraube Italiens mit über 70.000 Hektar Rebfläche
  • Berühmte Weine: Chianti Classico, Brunello di Montalcino, Vino Nobile di Montepulciano
  • Charakteristik: Hohe Säure, kräftige Tannine, mittlerer bis voller Körper
  • Aromen: Sauerkirsche, getrocknete Kräuter, Veilchen, erdige Noten
  • Lagerpotenzial: Von jung und fruchtig bis zu jahrzehntelanger Reifefähigkeit

Geschmacksprofil & Charakteristik

Sangiovese zeigt sich von ihrer charmantesten Seite mit einem Bouquet aus saftigen roten Kirschen, die an frisch gepflückte Sauerkirschen erinnern. Diese Fruchtigkeit wird elegant von einer Kräuterwürzigkeit umrahmt, die an mediterrane Macchia, getrockneten Thymian und Salbei denken lässt. Veilchennoten verleihen dem Wein eine florale Eleganz, während dezente Anklänge von schwarzem Tee und Tabak für Komplexität sorgen.

Was Sangiovese wirklich auszeichnet, ist die markante Säurestruktur. Diese lebendige Säure macht die Weine unglaublich food-friendly und sorgt dafür, dass sie niemals schwer oder ermüdend wirken. Die Tannine sind präsent und griffig, aber bei guter Reife seidig und elegant. Der Körper variiert je nach Anbaugebiet und Ausbau von elegant-mittelgewichtig bis kraftvoll und konzentriert.

Je nach Klima und Terroir zeigt Sangiovese unterschiedliche Facetten. In kühleren Lagen wie dem Chianti-Gebiet entstehen lebendige, säurebetonte Weine mit knackiger Kirschfrucht und kräuteriger Frische. In wärmeren Regionen wie Montalcino entwickeln sich vollere, konzentriertere Weine mit reiferen Fruchtaromen von dunklen Kirschen und Pflaumen.

Mit zunehmendem Alter entwickeln Sangiovese-Weine faszinierende tertiäre Aromen. Die frische Kirschfrucht wandelt sich in Noten von getrockneten Kirschen und eingekochten Früchten. Es entstehen komplexe Anklänge von Leder, Tabak, Waldboden und Trüffel. Die Tannine integrieren sich vollständig und hinterlassen einen seidigen, langen Abgang.

Herkunft & Geschichte

Die Wurzeln der Sangiovese reichen tief in die italienische Geschichte zurück. Der Name leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen "Sanguis Jovis" ab – Blut des Jupiter. Schon die Etrusker und Römer kultivierten vermutlich Vorläufer dieser Rebsorte in der Toskana. Die erste dokumentierte Erwähnung unter dem Namen Sangiovese stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Ihren Ursprung hat die Rebsorte mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Toskana, wo sie seit Jahrhunderten das Rückgrat der lokalen Weinproduktion bildet. Im 19. Jahrhundert entwickelte Baron Bettino Ricasoli die klassische Chianti-Formel, bei der Sangiovese die Hauptrolle spielte. Diese Rezeptur legte den Grundstein für den internationalen Erfolg toskanischer Weine.

Heute ist Sangiovese mit über 70.000 Hektar Anbaufläche die meistangebaute Rotweintraube Italiens. Die Toskana bleibt das Herzstück mit legendären Appellationen wie Chianti Classico, Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano. Bedeutende Anbaugebiete finden sich auch in der Emilia-Romagna, den Marken, Umbrien und zunehmend in der Neuen Welt, insbesondere in Kalifornien und Argentinien.

Anbau & Terroir

Sangiovese ist eine anspruchsvolle Diva unter den Rebsorten. Sie bevorzugt warme, sonnige Lagen mit guter Drainage und zeigt sich empfindlich gegenüber zu viel Feuchtigkeit. Die Rebsorte reift spät und benötigt eine lange Vegetationsperiode, um ihre volle aromatische Komplexität zu entwickeln. In zu kühlen Jahren kann die Säure dominant werden, während zu heißes Klima die charakteristische Eleganz beeinträchtigt.

Die besten Sangiovese-Weine entstehen auf kalkhaltigen, lehm- oder mergelhaltigen Böden mit einem hohen Anteil an Galestro – dem typischen schieferhaltigen Kalkstein der Toskana. Diese Böden sorgen für optimale Drainage und verleihen den Weinen ihre mineralische Komplexität und ausgeprägte Struktur. In Montalcino profitiert Sangiovese von den kalkhaltigen, gut drainierten Hängen, die vollere, konzentriertere Weine hervorbringen.

Die Höhenlage spielt eine entscheidende Rolle für die Qualität. Sangiovese gedeiht besonders gut in Höhen zwischen 200 und 500 Metern, wo kühle Nächte die Säure bewahren und warme Tage die Reife fördern. Die Toskana mit ihren sanften Hügeln bietet ideale Bedingungen. Weitere wichtige Anbaugebiete sind die Emilia-Romagna rund um Bologna, Umbrien mit den DOCG-Weinen von Montefalco und Torgiano, sowie die Marken an der Adriaküste.

Weinstile & Varianten

Sangiovese zeigt eine bemerkenswerte Vielseitigkeit in der Weinbereitung. Der klassische Ausbau erfolgt in großen slawonischen Eichenfässern, den traditionellen Botti, die dem Wein Struktur verleihen, ohne ihn mit aufdringlichen Holzaromen zu überdecken. Diese Methode findet sich vor allem bei traditionellen Chianti Classico und Brunello di Montalcino. Das Ergebnis sind elegante Weine mit Fokus auf Frucht und Terroir.

Modernere Ausbauarten setzen auf kleinere französische Barriques, die dem Sangiovese zusätzliche Vanille-, Schokoladen- und Röstnoten verleihen. Dieser Stil, populär geworden durch die Super Tuscans in den 1970er-Jahren, erzeugt vollere, international ausgerichtete Weine mit weicheren Tanninen. Viele Spitzenproduzenten kombinieren heute beide Methoden geschickt.

Regional zeigt Sangiovese deutliche Unterschiede. Chianti Classico präsentiert sich als eleganter, säurebetonter Wein mit lebendiger Kirschfrucht. Brunello di Montalcino – reinsortiger Sangiovese unter dem lokalen Namen "Sangiovese Grosso" – zeigt sich kraftvoller, konzentrierter und lagerfähiger. Vino Nobile di Montepulciano bietet einen Mittelweg mit eleganter Struktur und guter Alterungsfähigkeit.

Als Cuvée-Partner harmoniert Sangiovese hervorragend mit internationalen Rebsorten. Die klassische Chianti-Mischung enthält traditionell kleine Anteile Canaiolo und Colorino. Die berühmten Super Tuscans kombinieren Sangiovese mit Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah, was zusätzliche Struktur, Farbe und internationale Anziehungskraft bringt.

Typische Aromen

Primäraromen (aus der Traube)

Sauerkirsche und rote Beeren: Das Herzstück des Sangiovese-Profils ist die leuchtende rote Kirschfrucht, die von frisch bis zu eingekochten Kirschen reicht. In kühleren Klimazonen dominieren helle, knackige Kirschnoten, während wärmere Lagen reifere, dunklere Kirschanklänge hervorbringen.

Mediterrane Kräuter: Charakteristisch sind Aromen von getrockneten italienischen Kräutern wie Thymian, Oregano und Salbei. Diese würzige Komponente ist besonders ausgeprägt bei Weinen aus der Toskana und verleiht ihnen ihre typisch mediterrane Identität.

Veilchen und florale Noten: Elegante Veilchendüfte und zarte Blumenaromen verleihen dem Sangiovese eine feminine, parfümierte Qualität, die besonders bei jungen bis mittelalten Weinen wahrnehmbar ist.

Erdige Noten: Anklänge an Waldboden, Unterholz und feuchte Erde spiegeln das Terroir wider und werden mit zunehmendem Alter intensiver. Diese erdige Komponente ist besonders charakteristisch für Sangiovese aus Chianti Classico.

Sekundäraromen (durch Weinbereitung)

Vanille und Gewürze: Bei Ausbau in neuen Barriques entwickeln sich Aromen von Vanille, Zimt und süßen Gewürzen. Diese Noten sind subtiler bei traditionellem Ausbau in großen Fässern.

Tabak und Leder: Durch längere Reifung in Holz entstehen würzige Tabak- und Ledernoten, die dem Wein zusätzliche Komplexität verleihen.

Tertiäraromen (durch Reifung)

Getrocknete Früchte: Mit der Flaschenreifung entwickeln sich Noten von getrockneten Kirschen, Pflaumen und Feigen. Die frische Frucht transformiert sich in konzentrierte, kompottartige Aromen.

Balsamische Noten: Gereifte Sangiovese-Weine zeigen faszinierende balsamische Anklänge, Trüffelnoten und eine tiefgründige Würzigkeit. Spitzen-Brunello können problemlos 20-30 Jahre reifen und entwickeln dabei außerordentliche Komplexität. Klassischer Chianti Classico Riserva zeigt sein Optimum nach 8-15 Jahren, während einfachere Chianti jung getrunken werden sollten.

Food Pairing

Perfekte Kombinationen

Klassische Pasta-Gerichte: Sangiovese und italienische Pasta sind ein Match made in heaven. Die hohe Säure des Weines schneidet durch reichhaltige Tomatensaucen und fetthaltige Fleischragùs. Ein Chianti Classico zu Pappardelle al Cinghiale (breite Bandnudeln mit Wildschweinragù) oder Tagliatelle al Ragù Bolognese ist eine zeitlose Kombination. Die Kräuternoten im Wein harmonieren perfekt mit mediterranen Gewürzen wie Rosmarin und Salbei.

Bistecca alla Fiorentina: Das berühmte toskanische T-Bone-Steak vom Chianina-Rind ist der klassische Partner für kraftvollen Brunello oder Chianti Classico Riserva. Die kräftigen Tannine des Weines harmonieren mit dem Fett des Fleisches, während die Säure die Reichhaltigkeit ausbalanciert. Würze das Steak nur mit Salz und hochwertigem Olivenöl, um die reinen Aromen von Wein und Fleisch zur Geltung zu bringen.

Gereifter Hartkäse: Pecorino Toscano oder Parmigiano Reggiano mit 24-36 Monaten Reifung sind ideale Begleiter zu gereiftem Sangiovese. Die salzigen, umami-reichen Käsenoten ergänzen die erdigen, balsamischen Aromen des Weines, während die Textur des Käses die Tannine mildert.

Pilzgerichte: Die erdigen Noten im Sangiovese finden in Pilzgerichten ihren perfekten Partner. Risotto ai Funghi Porcini (Steinpilz-Risotto) oder Tagliatelle mit gemischten Waldpilzen und Trüffelöl harmonieren wunderbar mit der würzigen, erdigen Komplexität reifer Sangiovese-Weine. Die cremige Textur des Risottos wird durch die Säure des Weines perfekt ausbalanciert.

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