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Weingut Raddeck – Bio-Riesling vom Roten Hang in Nierstein

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
24. August 2026
raddeckrheinhessenriesling

Weingut Raddeck in Nierstein: Bio-Rieslinge vom Roten Hang aus Pettenthal, Ölberg und Orbel. Geschichte, Stil, Steckbrief und Lagen des Familienguts im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Familienweingut in Nierstein mit Reben in den berühmten Lagen des Roten Hangs – Pettenthal, Ölberg, Orbel und Heiligenbaum.
  • 2Seit 2003 zertifizierter Bio-Betrieb: Begrünung statt Herbizide, kein synthetischer Mineraldünger (EU-Öko-Kontrollstelle DE-ÖKO-039).
  • 3Rund 30 Hektar Rebfläche, davon etwa 17 Hektar in den Niersteiner Spitzenlagen.
  • 4Geführt von Anna-Karina und Stefan Raddeck; die Familie ist seit Generationen in Nierstein im Weinbau verwurzelt.
  • 52009 entstand das neue Betriebsgebäude mitten in der Lage Paterberg mit Blick über Nierstein und den Rhein.

Steckbrief

Region
Rheinhessen – Nierstein am Roten Hang, Deutschland
Gegründet
Familientradition im Weinbau seit rund 300 Jahren; als Weingut seit etwa 1900 geführt, neues Betriebsgebäude 2009
Inhaber / Winzer
Familie Raddeck – Anna-Karina und Stefan Raddeck, zuvor Hans und Birgit Raddeck
Rebfläche
rund 30 Hektar (Angaben schwanken je nach Quelle), davon etwa 17 Hektar in den Niersteiner Lagen
Leitrebsorten
Riesling, Weißburgunder, Spätburgunder; dazu Silvaner, Grauburgunder, Müller-Thurgau, Scheurebe, Dornfelder
Weinstile
trockene Guts-, Orts- und Lagenweine, Réserve-Weine, Rotweine aus dem Holzfass, Sekt und Secco, edelsüße Raritäten
Klassifikation
zertifizierter Bio-Betrieb seit 2003 (DE-ÖKO-039); dreistufige Qualitätspyramide von Guts- bis Lagenwein
Besonderheit
Rieslinge vom Roten Hang – rotbrauner Schiefer als geologische Rarität in Deutschland

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Zusammenfassung

Das Weingut Raddeck liegt in Nierstein, dem wohl bekanntesten Weinort Rheinhessens, und bewirtschaftet Reben in den Kernlagen des berühmten Roten Hangs. Der Familienbetrieb wurde bereits zu Beginn der 2000er-Jahre auf ökologischen Weinbau umgestellt und arbeitet seit 2003 zertifiziert biologisch – zu einer Zeit, als Bio in Rheinhessen noch die Ausnahme war. Im Mittelpunkt steht der Riesling von rotbraunem Schiefer und Tonstein, ergänzt durch Weißburgunder, Silvaner, Spätburgunder und eine breite Palette an Sekt, Secco und edelsüßen Spezialitäten. Geführt wird das Gut heute von Anna-Karina und Stefan Raddeck.

Geschichte

Die Familie Raddeck ist seit vielen Generationen in Nierstein im Weinbau verwurzelt; das Gut selbst verweist auf eine Familientradition von rund 300 Jahren. Als eigenständiges Weingut geführt wird der Betrieb seit etwa 1900 – über Jahrzehnte in der für Rheinhessen typischen Mischung aus Fassweinverkauf, Flaschenweinen und Direktvermarktung.

Die prägende Wende kam mit der Generation von Hans und Birgit Raddeck. Als ihr Sohn Stefan seine Winzerlehre bei einem Bio-Betrieb absolvierte, brachte er die Idee des ökologischen Weinbaus mit nach Hause. Die Familie stellte den Betrieb um und arbeitet seit 2003 nach den Richtlinien des zertifizierten Bio-Weinbaus. Stefan Raddeck kehrte 2006 nach seiner Ausbildung ins Weingut zurück; Anna-Karina Raddeck kam 2009 dazu, nachdem sie unter anderem in Neuseeland und an der Hessischen Bergstraße Erfahrung gesammelt hatte.

Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung ist das 2009 eröffnete Betriebsgebäude mitten in den Reben der Lage Paterberg, oberhalb des Ortes und mit weitem Blick über Nierstein und den Rhein. Kellerei, Vinothek und Verkauf rückten damit direkt in den Weinberg – ein Schritt, der auch die Gästearbeit des Guts stark verändert hat.

Lage & Terroir

Nierstein liegt am Rheinknie zwischen Mainz und Worms, dort wo der Strom nach Norden schwenkt. Der Fluss wirkt als Wärmespeicher, mildert Spätfröste und sorgt für Luftbewegung; zugleich schützt der Odenwald die Region gegen Osten. Rheinhessen zählt damit zu den trockensten und wärmsten Anbaugebieten Deutschlands.

Der eigentliche Star ist die Geologie. Der Rote Hang ist eine steile, nach Osten und Südosten geneigte Rheinfront aus rotbraunem Schiefer- und Tonstein des Rotliegenden – ein rund 280 Millionen Jahre altes Gestein, das in Deutschland fast nur hier den Weinbau prägt. Die dunklen Böden erwärmen sich schnell, speichern Wärme bis in die Nacht und geben den Rieslingen eine unverwechselbare, würzig-rauchige Note mit feiner Salzigkeit.

Direkt gegenüber liegt der Paterberg, wo helle Kalk- und Mergelböden dominieren. Diese Kombination erlaubt dem Gut zwei sehr unterschiedliche Handschriften: die kühl-würzigen, straffen Weine vom Roten Hang und die etwas breiteren, cremigeren Weine von Kalk.

Stil & Philosophie

Der Leitgedanke des Guts lautet, feine Weine im Einklang mit der Natur zu erzeugen. Im Weinberg bedeutet das dauerhafte Begrünung zwischen den Zeilen, Verzicht auf Herbizide und synthetische Mineraldünger, Förderung der Bodenlebewesen und moderate Erträge. Ziel ist eine Rebe, die auch in trockenen Sommern im Gleichgewicht bleibt.

Im Keller wird eher zurückhaltend gearbeitet. Die Weißweine vergären langsam und kühl, meist im Edelstahl, und reifen anschließend länger auf der Feinhefe – das gibt Textur, ohne die Frucht zu überdecken. Die Rotweine, allen voran Spätburgunder, erhalten eine längere Maischestandzeit und reifen im großen Holzfass oder im Barrique. Das Sortiment ist klar gestaffelt: Literweine und Gutsweine für den Alltag, darüber Ortsweine, Réserve-Weine und die Lagenweine als Spitze.

Auffällig ist die Bandbreite: Neben trockenen Weißweinen führt das Gut Sekt und Secco, Rosé, Rotweine, alkoholfreie Alternativen und immer wieder edelsüße Spezialitäten aus botrytisbefallenen Trauben.

Bekannte Lagen & Weine

Die Herzstücke des Betriebs sind die Niersteiner Einzellagen, die sich stilistisch deutlich unterscheiden:

  • Pettenthal – der steile, kühl nach Osten ausgerichtete Kern des Roten Hangs; besonders straffe, mineralische Rieslinge
  • Ölberg – südlich exponiert und wärmer; Weine mit mehr Kraft und reifer Frucht
  • Orbel – im südwestlichen Teil des Roten Hangs, würzig und ausgewogen
  • Heiligenbaum – klassische Niersteiner Lage mit zugänglicher, saftiger Stilistik
  • Paterberg – helle Kalkmergelböden rund um das Weingut, Basis für runde Weiß- und Burgundersorten
  • Schloss Schwabsburg – Lage rund um die Burg im Niersteiner Ortsteil Schwabsburg

Die Lagenrieslinge werden trocken ausgebaut und zeigen den Unterschied zwischen den Böden sehr direkt. Ein Klassiker des Guts sind daneben die Burgundersorten sowie Cuvées, die unter eigenen Namen als Réserve oder Trilogie erscheinen.

Auszeichnungen

Nach der Übernahme durch Stefan Raddeck 2006 fand das Weingut rasch Eingang in die führenden deutschen Weinführer. Gault&Millau führte den Betrieb 2017 mit zwei Trauben, Eichelmann bewertet die Kollektion als sehr gut und hebt vor allem das gleichmäßig hohe Basisniveau und die klar differenzierten Lagenrieslinge hervor. Für die Rotweine gab es 2017 eine Auszeichnung beim Deutschen Rotweinpreis des Fachmagazins Vinum.

Aus der Bio-Schiene stammt eine weitere Trophäe: Beim internationalen Weinpreis der BioFach wurde 2009 eine Huxelrebe Beerenauslese des Jahrgangs 2007 mit Gold in der Kategorie Dessertwein ausgezeichnet. Bereits 2008 hatte die Stadt Nierstein das Gut als Weingut des Jahres geehrt. Wichtiger als einzelne Trophäen ist jedoch die Rolle, die der Betrieb für den ökologischen Weinbau in Rheinhessen spielt: Raddeck gehört zu den Gütern, die früh gezeigt haben, dass Bio und große Lagen kein Widerspruch sind.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Raddeck bekannt?

Raddeck steht für biologisch erzeugte Rieslinge vom Niersteiner Roten Hang. Die rotbraunen Schiefer- und Tonsteinböden der Lagen Pettenthal, Ölberg und Orbel geben den Weinen eine würzig-rauchige, kühl wirkende Mineralität. Dazu kommen Weißburgunder, Silvaner und Spätburgunder sowie Sekt und edelsüße Spezialitäten.

Wo liegt das Weingut Raddeck?

Das Gut hat seinen Sitz in Nierstein in Rheinhessen, südlich von Mainz direkt am Rhein. Das 2009 eröffnete Betriebsgebäude steht in der Lage Paterberg oberhalb des Ortes, gegenüber dem Roten Hang.

Arbeitet Raddeck biologisch?

Ja. Die Familie hat den Betrieb zu Beginn der 2000er-Jahre umgestellt und arbeitet seit 2003 nach den Richtlinien des zertifizierten ökologischen Weinbaus. Dazu gehören dauerhafte Begrünung der Rebzeilen, Verzicht auf Herbizide und synthetische Dünger sowie ein sparsamer Umgang mit Ressourcen im Keller.

Welche Weine sollte man vom Weingut Raddeck probieren?

Der Einstieg gelingt über die trockenen Gutsweine aus Riesling und Weißburgunder. Spannender wird es bei den Ortsweinen und den Lagenrieslingen vom Roten Hang, die den Unterschied zwischen Pettenthal, Ölberg und Orbel zeigen. Ergänzt wird das Sortiment durch Spätburgunder, Sekt und gelegentliche edelsüße Raritäten.

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