Zusammenfassung
Plaimont ist keine klassische Weingutsadresse, sondern ein Kollektiv: Die Winzergenossenschaft mit Sitz in Saint-Mont im Département Gers bündelt die Rebflächen von rund 800 bis 1.000 Familienbetrieben in der Gascogne und am Fuß der Pyrenäen. Mit etwa 5.300 Hektar ist sie der mit Abstand größte Weinerzeuger im Südwesten Frankreichs. Bemerkenswert ist dabei weniger die Menge als die Haltung: Plaimont hat die Appellation Saint-Mont überhaupt erst aufgebaut, kämpft seit Jahrzehnten für den Erhalt fast verschwundener lokaler Rebsorten und hütet mit den vorphylloxerischen Reben von Sarragachies eines der ältesten Weinbergsdenkmäler Europas.
Geschichte
Die Geschichte von Plaimont beginnt 1979 – und sie beginnt aus einer Notlage heraus. Die Gascogne war damals vor allem Lieferant für die Armagnac-Brennerei; sinkende Nachfrage nach Branntwein drohte den Weinbau der Region mit sich zu reißen. Der Winzer und Genossenschaftsmanager André Dubosc überzeugte die drei Kellereien von Plaisance, Aignan und Saint-Mont, sich zusammenzuschließen. Aus den ersten Silben ihrer Namen entstand das Kunstwort PL-AI-MONT.
Der Zusammenschluss verschaffte den kleinen Betrieben Marktmacht, technische Ausstattung und vor allem eine Idee: nicht länger anonymen Fasswein liefern, sondern eigenständige Flaschenweine mit klarem Herkunftsprofil erzeugen. Der größte Erfolg dieser Strategie ist die Anerkennung der Region Saint-Mont als eigene Appellation, die Plaimont über Jahrzehnte vorbereitet und begleitet hat. 1999 wuchs die Gruppe durch den Beitritt der Genossenschaften von Crouseilles und Condom weiter. Seit 2012 steht Olivier Bourdet-Pees an der Spitze, ein ausgebildeter Önologe, der zuvor seit 2008 technischer Direktor des Hauses war.
Lage & Terroir
Das Einzugsgebiet liegt im Piémont Pyrénéen, dem hügeligen Vorland der Pyrenäen zwischen Adour und Armagnac. Die Weinberge verteilen sich über die Départements Gers, Landes und Pyrénées-Atlantiques – eine Landschaft aus sanften Kuppen, Bauernhöfen und Maisfeldern, die vom Massentourismus weitgehend unberührt geblieben ist.
Klimatisch treffen hier zwei Einflüsse aufeinander: die milde, feuchte Atlantikluft aus dem Westen und der warme, trockene Föhnwind, der über die Pyrenäen streicht. Das Ergebnis sind lange, sonnige Herbste, die spät gelesene Weißweintrauben ausreifen lassen, ohne dass die Säure verloren geht. Die Böden sind ausgesprochen vielfältig: eisenhaltige Kiesel und Sande auf den Terrassen, tonig-kalkige Hänge im Gebiet von Madiran und Pacherenc du Vic-Bilh. Gerade die sandigen Böden erklären auch, warum einzelne Parzellen die Reblaus im 19. Jahrhundert überlebten.
Stil & Philosophie
Der rote Kern der Genossenschaft ist Tannat, eine Sorte mit außergewöhnlich viel Tannin und dunkler Frucht. Plaimont hat wesentlich dazu beigetragen, den früher fast rustikalen Madiran zugänglicher zu machen – durch sorgfältige Selektion, angepasste Extraktion und Ausbau im Holz. In Saint-Mont wird Tannat traditionell mit Pinenc (dem lokalen Namen für Fer Servadou) sowie Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc verschnitten, was den Weinen Würze, Frische und eine feinere Textur gibt.
Bei den Weißweinen zeigt sich das andere Gesicht der Gascogne: Gros Manseng, Petit Manseng, Petit Courbu und Arrufiac ergeben in Saint-Mont und Pacherenc du Vic-Bilh würzige, zitrus- und exotikbetonte Weine – trocken oder, aus spät gelesenen Petit-Manseng-Trauben, edelsüß. Aus Colombard und Ugni Blanc entstehen in der IGP Côtes de Gascogne die knackigen, preiswerten Alltagsweißweine, für die die Region international bekannt ist.
Prägend ist die Forschungsarbeit: Seit 2002 unterhält Plaimont ein ampelographisches Konservatorium, in dem alte, fast verschwundene lokale Sorten gesammelt, identifiziert und vermehrt werden. Manche von ihnen sind inzwischen wieder in Weinen zu finden – ein Ansatz, der angesichts des Klimawandels weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit findet.
Bekannte Lagen & Weine
Am berühmtesten ist die winzige Parzelle in Sarragachies: ein nie umgepflanzter, wurzelechter Weinberg, dessen Reben aus der Zeit vor der Reblauskatastrophe stammen und der 2012 als erste Weinbergparzelle Frankreichs als Monument historique unter Denkmalschutz gestellt wurde. In ihr stehen neben Tannat und Pinenc auch Sorten, die anderswo nicht mehr existieren.
Daraus und aus einer weiteren alten Parzelle bei Saint-Mont entsteht die Rarität Vignes Préphylloxériques, von der nur wenige, nummerierte Flaschen im Jahr abgefüllt werden. Daneben stehen die bekannten Linien des Hauses: dichte Madiran-Rotweine, die Saint-Mont-Cuvées in Rot und Weiß, die trockenen und süßen Pacherenc du Vic-Bilh sowie die frischen Weißweine der Côtes de Gascogne.
Auszeichnungen
Plaimont gilt in der internationalen Fachpresse als Musterbeispiel dafür, wie eine Genossenschaft Qualität und Herkunft ernst nehmen kann, und wird regelmäßig in Weinführern und bei Wettbewerben ausgezeichnet. Besondere Anerkennung erhält die Arbeit am ampelographischen Erbe: Die Einstufung der Reben von Sarragachies als Baudenkmal und die Wiederbelebung verschollener Sorten haben Plaimont einen Ruf als Bewahrer des genetischen Erbes des französischen Südwestens eingebracht.
