Zusammenfassung
Das Weingut Lukas Kesselring in Ellerstadt ist ein Familienbetrieb mit sehr langer Geschichte und einem sehr jungen zweiten Leben. Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1648 zurück; die eigene Weinkollektion gibt es dagegen erst seit 2012. Dazwischen liegt die Entscheidung von Lukas Kesselring, den Betrieb 2009 zu übernehmen, die rund 25 Hektar auf ökologischen Anbau umzustellen und die Trauben nicht länger zu verkaufen, sondern selbst auszubauen. Das Ergebnis ist ein durchgehend biologisch und vegan erzeugtes Sortiment aus der Pfalz – klar, sauber gezeichnet und preislich bemerkenswert zugänglich.
Geschichte
Die Familie Kesselring ist in Ellerstadt seit langer Zeit mit dem Weinbau verbunden. Die Betriebsgeschichte wird bis ins Jahr 1648 zurückgeführt – die Zeit des Westfälischen Friedens, also unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg, der die Pfalz schwer getroffen hatte. Über die Jahrhunderte blieb der Betrieb das, was viele Pfälzer Familienweingüter waren: ein Traubenerzeuger, dessen Ernte überwiegend an Dritte ging.
Die Zäsur kam 2009. Lukas Kesselring, damals 21 Jahre alt, übernahm die Verantwortung – und traf gleich zwei weitreichende Entscheidungen. Erstens stellte er die Rebflächen auf ökologische Bewirtschaftung um. Zweitens beendete er nach und nach den reinen Traubenverkauf, um die eigene Ernte selbst zu vinifizieren. Vorbereitet hatte er sich darauf mit einem Weinbaustudium in Geisenheim und Praktika bei Weingütern im In- und Ausland.
2012 kam die erste eigene Kollektion auf den Markt. Für einen Betrieb, der zuvor jahrhundertelang unter fremdem Etikett verschwunden war, ist das ein später Anfang – und einer, der zügig Beachtung fand.
Lage & Terroir
Ellerstadt liegt im Landkreis Bad Dürkheim, im östlichen Teil der Pfalz. Das Dorf liegt damit nicht am Haardtrand, wo die berühmten Steillagen von Forst und Deidesheim stehen, sondern etwas weiter östlich in Richtung Rheinebene – flacher, offener und mit deutlich anderen Böden.
Prägend sind hier sandige Lehm- und Kiesböden. Kies erwärmt sich schnell und speichert Wärme; er sorgt für eine zügige, gleichmäßige Reife und gibt den Weinen eine gewisse Geradlinigkeit. Der Lehmanteil hält Wasser und puffert Trockenphasen ab – in den zunehmend heißen Pfälzer Sommern ein realer Vorteil. Dazu kommt die pfälzische Grundausstattung: viel Sonne, milde Winter, wenig Niederschlag. Es ist ein Klima, das reife, zugängliche Weine begünstigt und die ökologische Bewirtschaftung erleichtert, weil der Pilzdruck geringer ausfällt als in feuchteren Anbaugebieten.
Stil & Philosophie
Die beiden Leitplanken des Guts sind schnell benannt: ökologisch und vegan.
Ökologisch bedeutet hier Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, dafür sorgfältige Bodenbearbeitung, Begrünung und mehr Handarbeit im Weinberg. Vegan bedeutet, dass auf tierische Schönungsmittel vollständig verzichtet wird – die Weißweine werden nicht mit Gelatine oder Hausenblase geschönt, die Rotweine nicht mit Eiklar geklärt. Beides zusammen ist ein Anspruch, den viele Güter erst deutlich später oder gar nicht umgesetzt haben.
Stilistisch geht es nicht um maximale Kraft, sondern um Klarheit. Die Weißweine sind überwiegend trocken, frisch und sortentypisch gezeichnet, ohne aufdringliche Holznote. Die Burgundersorten bekommen etwas mehr Textur, die Rotweine bleiben saftig statt schwer. Auffällig ist, wie breit das Sortenspektrum ist – von Riesling und den Burgundern über Scheurebe, Gelben Muskateller und Gewürztraminer bis zu Spätburgunder, St. Laurent und den Bordeauxsorten.
Bekannte Lagen & Weine
Das Gut arbeitet nicht mit einer Handvoll berühmter Einzellagen, sondern mit den Flächen in und um Ellerstadt. Der Schwerpunkt liegt entsprechend auf Guts- und Sortenweinen statt auf Lagenhierarchien. Charakteristisch für das Sortiment sind:
- Riesling in trockener Ausbauweise, das Rückgrat des Weißweinprogramms
- Cuvées und sortenreine Weine aus Chardonnay und Weißburgunder
- Aromatische Sorten wie Scheurebe, Gelber Muskateller und Gewürztraminer
- Spätburgunder und St. Laurent bei den Roten, dazu Cabernet Franc und Merlot
- Secco und Sekt als spritzige Ergänzung
Alle Weine tragen sowohl das Bio- als auch das Vegan-Merkmal – im Sortiment gibt es keine Ausnahmen.
Auszeichnungen
Schon der erste eigene Jahrgang fand Beachtung in der Fachpresse und im gehobenen Weinfachhandel. Besonders hervorgehoben wird immer wieder das Preis-Genuss-Verhältnis: Die vegane Chardonnay-Weißburgunder-Cuvée wurde von Falstaff zu den 100 besten Preis-Genuss-Weinen Deutschlands gezählt. Genau darin liegt die eigentliche Leistung des Guts – Bio und vegan ohne Aufpreis-Rhetorik, sondern als Selbstverständlichkeit im Alltagssortiment.
