Zusammenfassung
Das Weingut Lucashof – Pfarrweingut liegt in Forst an der Weinstraße, jenem winzigen Dorf, dem die Pfalz einige ihrer berühmtesten Rieslinglagen verdankt. Auf rund 23 Hektar in Forst, Deidesheim und Wachenheim erzeugt die Familie Lucas Weine, die zu gut 90 Prozent aus Riesling bestehen – ein außergewöhnlich hoher Anteil, selbst für die Mittelhaardt. Der Betrieb ist biologisch zertifiziert, wird in dritter Generation weitergeführt und trägt den Zusatz „Pfarrweingut“, weil er vom Bistum Speyer die Zulassung zur Messwein-Erzeugung besitzt. Herausgekommen ist ein sympathisch bodenständiges Gut, dessen Rieslinge klar, mineralisch und erfreulich fair kalkuliert sind.
Geschichte
Die Geschichte des Guts beginnt Anfang der 1960er-Jahre, als die Brüder Hans und Klaus Lucas in Forst einen eigenen Betrieb aufbauten – nach verbreiteter Darstellung startete die Familie mit etwa fünf Hektar. Dass daraus über die Jahrzehnte ein Weingut mit rund 23 Hektar in den besten Gemeinden der Mittelhaardt wurde, ist das Ergebnis von geduldigem Zukauf und Tausch guter Parzellen, nicht von spektakulären Übernahmen.
Heute führt Klaus Lucas als Inhaber und Kellermeister gemeinsam mit seiner Frau Christine das Gut, während Hans Lucas als Betriebsleiter die Arbeit in den Weinbergen verantwortet. Die dritte Generation steht bereits in den Startlöchern: Die Tochter hat ihr Studium in Geisenheim abgeschlossen, der Sohn sammelt Erfahrung bei renommierten Kollegen – unter anderem in Rheinhessen. Zum Betrieb gehört außerdem ein Landhotel, das Weingäste direkt im Weinort einquartiert.
Eine Besonderheit ist die kirchliche Seite des Hauses: Das Bistum Speyer hat dem Gut die Zulassung erteilt, Messwein zu erzeugen. Messwein unterliegt besonderen Anforderungen an Reinheit und Herkunft – der Namenszusatz „Pfarrweingut“ verweist auf genau diese Tradition.
Lage & Terroir
Forst ist ein Sonderfall unter den Pfälzer Weinorten. Auf wenigen Hundert Hektar drängen sich hier einige der besten Rieslingparzellen Deutschlands – und der Grund dafür liegt im Boden. Unter den Weinbergen von Forst steht Basalt an, ein dunkles Vulkangestein, das Wärme speichert und den Weinen eine rauchig-salzige, straffe Mineralität mitgibt. Historisch wurde zerkleinerter Basalt sogar gezielt in benachbarte Lagen eingebracht, um deren Böden zu erwärmen.
Rund um diesen vulkanischen Kern liegen Löss-Lehm, Sand und Buntsandstein. Diese Mischung sorgt für die Bandbreite im Sortiment: Die Lehm- und Lössparzellen liefern füllige, zugängliche Weine, die basalt- und sandsteingeprägten Lagen dagegen die straffen, langlebigen Rieslinge. Über allem liegt das milde Klima der Deutschen Weinstraße: Der Haardtrand schirmt die Reben nach Westen ab, Feigen und Mandelbäume gedeihen im Ort, und die Trauben reifen zuverlässig aus.
Stil & Philosophie
Die Familie beschreibt ihre Arbeit als naturnahen, kontrolliert umweltschonenden Weinbau; das Gut ist biologisch zertifiziert. Der Anspruch ist weniger stilistisches Experiment als Präzision: Ertragsreduzierung, sorgfältige Lesetermine und ein zurückhaltender Ausbau, der die Herkunft nicht überdeckt.
Im Glas zeigen sich die Rieslinge typisch pfälzisch – mit Apfel- und Zitrusfrucht, dezenter Säure und einer markanten mineralischen Note, die aus den Basalt- und Sandsteinböden kommt. Der Schwerpunkt liegt klar auf trockenen Weinen, ergänzt um feinherbe und edelsüße Ausnahmen. Das Sortiment ist in der klassischen Pyramide aufgebaut: Gutsweine als unkomplizierter Einstieg, darüber Orts- und Lagenweine aus den großen Forster Gewannen.
Neben dem Riesling bauen die Lucas' die Burgundersorten Weißburgunder und Grauburgunder an, dazu Chardonnay, Silvaner, Gewürztraminer und Sauvignon Blanc. Auf der roten Seite ergänzen St. Laurent, Blanc de Noir und Rosé das Bild, ein Riesling-Secco rundet ab. Die Jahresproduktion liegt bei etwa 160.000 Flaschen.
Bekannte Lagen & Weine
Der Kern des Guts sind die Forster Lagen. Belegt sind unter anderem:
- Forster Ungeheuer – die kraftvoll-würzige Ikone des Ortes, hier eine der Aushängeschild-Lagen des Guts
- Forster Pechstein – auf schwarzem Basalt, für rauchig-mineralische, straffe Rieslinge
- Forster Musenhang – wärmer und weicher, oft mit etwas mehr Schmelz
- Forster Bischofsgarten – die breitere Basis für zugängliche Guts- und Ortsweine
- Deidesheimer Herrgottsacker – eine der bekanntesten Lagen des Nachbarorts
- Wachenheimer Luginsland – ergänzt das Lagenportfolio nach Norden
Dazu kommt die Einzelparzelle Linsenstück, die als eigenständiger Riesling gefüllt wird.
Auszeichnungen
Im Gault&Millau wird Lucashof mit zwei Trauben geführt und damit als verlässlich guter Betrieb der Pfalz eingeordnet. Bei der Berliner Wein Trophy sammelte das Gut wiederholt Medaillen – unter anderem Gold für einen trockenen Grauburgunder-Gutswein sowie Silber für einen Forster Ungeheuer und den Riesling aus dem Linsenstück. Insgesamt gilt Lucashof als eine jener Pfälzer Adressen, bei denen das Verhältnis von Lagenqualität zu Preis besonders günstig ausfällt: großes Forster Terroir, ohne den Aufschlag der berühmtesten Nachbarn.
