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Weingut Josef Spreitzer – Rheingau-Riesling mit Leichtigkeit aus Oestrich

Weingut Josef Spreitzer in Oestrich-Winkel: filigrane Rheingau-Rieslinge der Brüder Bernd und Andreas. Geschichte, Stil, Steckbrief und Lagen im Porträt.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 1Familienbetrieb in Oestrich-Winkel mit Wurzeln bis ins Jahr 1641 – eines der ältesten Weingüter des Ortes.
  2. 2Seit 1997 führen die Brüder Bernd und Andreas Spreitzer das Gut gemeinsam.
  3. 3Rund 35 Hektar Rebfläche mit etwa 97 % Riesling und einem kleinen Anteil Spätburgunder.
  4. 4VDP-Mitglied seit 1999, davor schon seit 1988 in der Rheingauer Charta.
  5. 5Aushängeschild ist der Riesling „Rosengarten“ – ein Großes Gewächs aus einer Filetparzelle der Oestricher Lenchen.

Zusammenfassung

Das Weingut Josef Spreitzer in Oestrich-Winkel gehört zu den feinsinnigsten Adressen des Rheingaus. Geführt wird der Familienbetrieb seit 1997 von den Brüdern Bernd und Andreas Spreitzer, die auf rund 35 Hektar fast ausschließlich Riesling kultivieren. Ihre Weine suchen nicht die Wucht, sondern die Balance: klare Frucht, feine Mineralität, lebendige Säure und ein Alkoholniveau, das den Weinen Leichtigkeit lässt. Aus den großen Lagen rund um Oestrich, Winkel und Hattenheim entstehen Große Gewächse, die zu den präzisesten trockenen Rieslingen der Region zählen – allen voran der Rosengarten aus einer kleinen Parzelle der Oestricher Lenchen.

Geschichte

Die Wurzeln des Guts reichen weit zurück: Am Standort in Oestrich werden bereits seit 1641 Trauben verarbeitet, und der Gewölbekeller aus dem Jahr 1743 dient bis heute der Fasslagerung. Damit gehört Spreitzer zu den ältesten Betrieben des Ortes.

Das Weingut in seiner heutigen Form geht auf Heinrich Spreitzer zurück, der als Gastronom in Mannheim gearbeitet hatte und sich 1899 am Ortsrand von Oestrich den Traum vom eigenen Weinberg erfüllte. Sein Sohn Josef Spreitzer, der Namensgeber des Guts, übernahm 1929 und machte sich als Kellermeister einen Namen – ihm gelang ein Wein mit einem legendär hohen Mostgewicht, das über Jahrzehnte als Rekord galt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Bernhard Spreitzer den Betrieb zu einer international beachteten Adresse aus; seine Weine fanden namhafte Abnehmer bis hin zum britischen Königshaus, 1983 erhielt er den Staatsehrenpreis. 1988 trat er der Rheingauer Charta bei, jener Vereinigung, die früh für trockenen, herkunftsgeprägten Rheingau-Riesling eintrat. 1997 übergab er an seine Söhne Bernd und Andreas, die den Betrieb seither gemeinsam leiten – Bernd im Weinberg und im Vertrieb, Andreas im Keller. Zwei Jahre später, 1999, wurde das Gut in den VDP aufgenommen.

Lage & Terroir

Oestrich-Winkel liegt im Herzstück des Rheingaus, dort wo der Rhein auf seinem Weg nach Westen fast schon nach Süden blickt. Die Weinberge fallen von den bewaldeten Höhen des Taunus sanft zum Fluss hin ab und profitieren gleich mehrfach: Der Taunus schirmt kalte Nordwinde ab, der breite Rheinstrom wirkt als Wärmespeicher und Lichtreflektor und verlängert die Vegetationsperiode bis weit in den Herbst.

Die Böden sind vielfältig. In den höher gelegenen Parzellen des Doosbergs dominieren Löss und Lehm, durchsetzt mit Quarzit – daraus entstehen straffe, kühl wirkende Rieslinge. Die flussnahen Lagen der Lenchen sind wärmer und tiefgründiger; hier reifen die Trauben früher, was fülligere Weine und in guten Jahren edelfaule Beeren begünstigt. Diese Bandbreite erlaubt dem Gut, von rassig-trocken bis edelsüß ein außergewöhnlich breites Riesling-Spektrum abzubilden.

Stil & Philosophie

Die Handschrift der Brüder lässt sich in einem Satz zusammenfassen, den Bernd Spreitzer gern zitiert: „Das Leichte ist immer das Schwerste.“ Gemeint ist, dass ein Wein, der mühelos und trinkfreudig wirkt, im Weinberg und im Keller die größte Disziplin verlangt. Entsprechend liegt der Fokus auf früher Ertragsregulierung, sorgfältiger Selektion und moderaten Lesezeitpunkten, damit die Weine Frische und ein moderates Alkoholniveau behalten – viele Gutsweine bleiben spürbar unter 12,5 % Vol.

Im Keller wird zurückhaltend gearbeitet: schonende Pressung, langsame kühle Gärung und ein Ausbau, der die Frucht nicht überlagert. Für die Spitzenweine kommen die historischen Holzfässer im Keller von 1743 zum Einsatz, von denen manche seit Jahrzehnten in Gebrauch sind – sie geben Struktur, aber keinen Holzton. Das Ergebnis sind Rieslinge mit klarer Zitrus- und Steinobstfrucht, feiner Kräuterwürze und salziger Mineralität.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment ist nach der VDP-Pyramide aufgebaut: Gutsweine, Ortsweine wie der Oestrich Riesling „Muschelkalk“, dann Lagenweine und Große Gewächse. Zu den wichtigsten Lagen zählen:

  • Oestricher Lenchen mit der kleinen Filetparzelle Rosengarten – Herkunft des gleichnamigen Großen Gewächses und des Aushängeschilds des Guts
  • Oestricher Doosberg – kühler, straffer, mit klarer mineralischer Kante
  • Winkeler Jesuitengarten – flussnah, südlich bis südwestlich ausgerichtet und früh reifend
  • Hattenheimer Wisselbrunnen – eine der klassischen Spitzenlagen westlich von Oestrich

Neben den trockenen Lagenweinen sind die restsüßen Prädikatsweine ein Markenzeichen: Kabinett und Spätlese mit filigranem Süße-Säure-Spiel, dazu in geeigneten Jahren Auslesen, Beerenauslesen und Eiswein. Der kleine Spätburgunder-Anteil rundet das Sortiment ab.

Auszeichnungen

Seit den 2000er-Jahren zählt Spreitzer konstant zur Spitzengruppe des Rheingaus. Im Gault&Millau WeinGuide Deutschland wurde das Gut erstmals 2005 mit vier von fünf Trauben bewertet, bei Eichelmann steht es ebenfalls seit Jahren bei vier von fünf Sternen. Auch international finden die Weine – insbesondere die Großen Gewächse und die edelsüßen Prädikate – regelmäßig Beachtung in der Fachpresse. Zusätzlich ist der Betrieb nach einem Nachhaltigkeitsstandard zertifiziert und dokumentiert damit seinen Anspruch, die historischen Lagen langfristig zu bewahren.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Josef Spreitzer bekannt?

Spreitzer steht für filigrane, klar gezeichnete Rheingau-Rieslinge mit frischer Säure, feiner Mineralität und viel Trinkfluss. Die Brüder Bernd und Andreas Spreitzer arbeiten bewusst auf Leichtigkeit und Präzision hin statt auf Wucht – ihr Leitsatz „Das Leichte ist immer das Schwerste“ beschreibt die Handschrift des Guts recht genau.

Wo liegt das Weingut Josef Spreitzer?

Das Gut hat seinen Sitz in Oestrich, einem Ortsteil von Oestrich-Winkel im Rheingau, unmittelbar am Rhein zwischen Wiesbaden und Rüdesheim. Die Weinberge liegen in Oestrich, Winkel und Hattenheim.

Welche Lagen bewirtschaftet Spreitzer?

Zu den wichtigsten Lagen zählen der Oestricher Doosberg und die Oestricher Lenchen mit ihrer Parzelle Rosengarten, dazu der Winkeler Jesuitengarten und der Hattenheimer Wisselbrunnen. Aus diesen Lagen stammen die Großen Gewächse und die besten edelsüßen Weine des Guts.

Ist Josef Spreitzer ein VDP-Weingut?

Ja. Das Weingut ist seit 1999 Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) und war bereits seit 1988 Teil der Rheingauer Charta, jener Vereinigung, die sich früh für trockenen Rheingau-Riesling und klare Qualitätsregeln eingesetzt hat.

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