Zusammenfassung
Das Weingut Heinrich Vollmer in Ellerstadt gehört zu den größten Weingütern in Privatbesitz in Deutschland und ist zugleich eines der eigenwilligsten der Pfalz. Auf rund 104 Hektar rund um den Ort wachsen neben Riesling und Spätburgunder vor allem französisch geprägte Sorten – Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Grauburgunder. Das ist kein Zufall: Heinrich Vollmer lernte als Jugendlicher im Burgund und brachte von dort eine Vorstellung von Wein mit, die in der Pfalz der 1970er-Jahre exotisch wirkte. Berühmt wurde er, weil er Cabernet Sauvignon pflanzte, lange bevor die Sorte in Deutschland überhaupt zugelassen war – ein Konflikt, der 1987 sogar vor Gericht landete.
Geschichte
Heinrich Vollmer wurde 1948 in Durbach in Baden geboren, in eine Winzerfamilie. Prägend wurde für ihn nicht das Elternhaus, sondern ein Austausch nach Frankreich: Ab Mitte der 1960er-Jahre arbeitete er mehrere Jahre beim renommierten Burgunder-Haus Bouchard Père et Fils. Dort lernte er eine Weinkultur kennen, in der Herkunft, Holzfassausbau und Rotwein selbstverständlich zusammengehörten.
Nach der Rückkehr aus Frankreich kam es zum Bruch mit dem väterlichen Betrieb. Vollmer ging in die Pfalz und erwarb 1972 in Ellerstadt ein heruntergewirtschaftetes Weingut. Was folgte, war ein rasanter Ausbau: Innerhalb weniger Jahre wuchs der Betrieb zu einem der größten privaten Weingüter Deutschlands. Vollmer setzte dabei konsequent auf Sorten, die damals in der Pfalz kaum jemand im Weinberg stehen hatte.
Genau das brachte ihn in Konflikt mit dem deutschen Rebsortenrecht. 1987 wurde er verurteilt, weil er Cabernet Sauvignon anbaute – eine Sorte, die zu diesem Zeitpunkt in Deutschland noch nicht zugelassen war. Das Verfahren wurde später eingestellt, die Sorte inzwischen längst legalisiert. Im selben Jahr gründete Vollmer mit der Bodega Enrique Vollmer im argentinischen Valle de Uco ein zweites Weingut auf rund 1.100 Metern Höhe.
Lage & Terroir
Ellerstadt liegt zwischen Bad Dürkheim und Ludwigshafen, dort wo die östlichen Ausläufer der Haardt in die Oberrheinebene übergehen. Das ist nicht die klassische Mittelhaardt-Kulisse mit ihren Steilhängen, sondern flacheres, wärmeres Gelände – und genau das ist für Vollmers Sortenspiegel ein Vorteil.
Die Böden im Ellerstadter Umfeld bestehen überwiegend aus Löss und Lösslehm, dazu Sand und Kies aus dem Rheingraben, örtlich ergänzt durch Kalk- und Tonmergel. Löss speichert Wasser und Wärme, sandig-kiesige Partien erwärmen sich schnell und sorgen für gute Durchlüftung. Das kommt spätreifenden Sorten wie Cabernet Sauvignon entgegen, die anderswo in Deutschland Mühe haben, überhaupt reif zu werden. Die Pfalz zählt ohnehin zu den wärmsten und trockensten Weinbaugebieten Deutschlands – Mandel- und Feigenbäume gehören hier zum Ortsbild.
Stil & Philosophie
Die Handschrift des Guts ist französisch geerdet. Weißweine werden kühl im Edelstahl vergoren und bleiben bis zur Füllung auf der Feinhefe – das gibt Textur, ohne die Frucht zuzudecken. Rotweine werden traditionell offen auf der Maische vergoren und reifen anschließend teils im großen Holzfass, die Spitzenweine der Linie ALTUM bis zu 18 Monate im Barrique. Der unterirdische Keller in Ellerstadt umfasst rund 2.000 Quadratmeter und hält konstante Temperatur- und Feuchtebedingungen.
Im Weinberg setzt das Gut nach eigenen Angaben auf einen möglichst schonenden Ansatz und verzichtet insbesondere auf Herbizide; gesunde Böden gelten als Voraussetzung für Weine mit Charakter. Die Jahresproduktion liegt bei etwa 450.000 Litern Weißwein und einer ähnlichen Menge Rotwein – eine Größenordnung, die zeigt, dass Vollmer kein Nischenbetrieb ist, sondern Qualität in Breite denkt.
Bekannte Lagen & Weine
Die Weinberge verteilen sich auf mehrere Einzellagen rund um Ellerstadt und in der Nachbarschaft. Zu den Lagen, die im Zusammenhang mit dem Gut genannt werden, zählen:
- Ellerstadter Bubeneck
- Ellerstadter Kirchenstück – gemeinsam mit der Gemarkung Gönnheim
- Ellerstadter Sonnenberg
- Deidesheimer Hofstück
Beim Sortiment lohnt der Blick auf drei Bausteine: die zugänglichen Guts- und Lagenweine aus Riesling, Weiß- und Grauburgunder, Chardonnay, Dornfelder und Portugieser; die Meisterstück-Cuvée, für die Cabernet Sauvignon und Merlot mit den neueren Züchtungen Acolon und Regent verschnitten werden; und ganz oben die ALTUM-Linie mit Cabernet Sauvignon, Spätburgunder und Grauburgunder. Dazu kommen Sekte und einige seltenere Sorten wie Gelber Muskateller und Auxerrois.
Auszeichnungen
Vollmer-Weine sammeln regelmäßig Medaillen bei Landes- und Bundesweinprämierungen – ausgezeichnet wurden unter anderem der ALTUM Cabernet Sauvignon trocken Barrique 2009 mit Gold bei der Landesweinprämierung und die ALTUM Spätburgunder Auslese trocken 2015. Bekannter als jede einzelne Medaille ist aber die Rolle, die Heinrich Vollmer für den deutschen Weinbau gespielt hat: Er hat vorgemacht, dass Bordeaux- und Burgundersorten in der Pfalz funktionieren – und damit einer ganzen Generation von Pfälzer Rotweinwinzern den Weg geebnet. Die Weine gehen heute in den deutschen Fachhandel und die gehobene Gastronomie, an Airlines und in Exportmärkte bis nach Nordamerika und Asien.
