Weingüter

Fontanafredda – königliches Barolo-Erbe aus Serralunga d'Alba

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
6. August 2026
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Fontanafredda in Serralunga d'Alba: Barolo aus königlichem Erbe, seit 1858, heute Bio-Pionier im Piemont. Geschichte, Stil, Steckbrief und Lagen im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Gegründet 1858 als Landsitz von König Vittorio Emanuele II. – eines der geschichtsträchtigsten Weingüter des Piemont.
  • 2Rund 120 Hektar eigene, biozertifizierte Rebfläche – damit einer der größten Bio-Betriebe der Region.
  • 3Eigene Barolo-Einzellage (MGA) namens Fontanafredda in Serralunga d'Alba – eine Seltenheit im Barolo.
  • 4Seit 2008 im Besitz der Eataly-Gründer Oscar Farinetti und Luca Baffigo, die das Gut zum Villaggio Narrante entwickelt haben.
  • 5Breites Langhe-Sortiment: Barolo und Barbaresco DOCG, Barbera und Nebbiolo d'Alba, Moscato d'Asti sowie Alta-Langa-Schaumwein.

Steckbrief

Region
Piemont – Serralunga d'Alba (Langhe), Italien
Gegründet
1858 als königlicher Landsitz; Weinhandel ab 1878 unter Emanuele Alberto di Mirafiore
Inhaber / Winzer
Oscar Farinetti und Luca Baffigo (seit 2008); Kellerleitung Andrea Farinetti, Önologe Giorgio Lavagna
Rebfläche
rund 120 Hektar eigene Rebfläche, vollständig biozertifiziert
Leitrebsorten
Nebbiolo, Barbera, Dolcetto, Moscato, Arneis
Weinstile
Klassischer Barolo und Barbaresco, fruchtbetonte Langhe-Rotweine, Moscato d'Asti, Metodo-Classico-Schaumwein
Klassifikation
Barolo DOCG, Barbaresco DOCG, Alta Langa DOCG, Barbera d'Alba DOC, Nebbiolo d'Alba DOC
Besonderheit
Eigene Barolo-Einzellage (MGA) Fontanafredda und einer der größten Bio-Betriebe des Piemont

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Zusammenfassung

Fontanafredda in Serralunga d'Alba ist eines der geschichtsträchtigsten Weingüter des Piemont – und zugleich eines der ungewöhnlichsten. Das Gut geht auf 1858 zurück, als der spätere erste König Italiens, Vittorio Emanuele II., den Landsitz in den Langhe erwarb. Aus dem königlichen Jagd- und Sommersitz wurde ein Weinbetrieb, der bis heute prägend für den Barolo ist. Auf rund 120 Hektar eigener, biozertifizierter Rebfläche entstehen klassisch strukturierte Nebbiolo-Weine sowie ein breites Langhe-Sortiment. Seit 2008 gehört Fontanafredda den Eataly-Gründern Oscar Farinetti und Luca Baffigo, die das Anwesen konsequent auf biologischen Anbau umgestellt und zu einem offenen Wein- und Kulturdorf entwickelt haben.

Geschichte

Die Geschichte des Guts beginnt als Liebesgeschichte. 1858 erwarb Vittorio Emanuele II. – damals König von Sardinien-Piemont, wenige Jahre später erster König des geeinten Italien – das Anwesen in den Langhe und schenkte es Rosa Vercellana, seiner langjährigen Gefährtin, die später zur Gräfin von Mirafiore und Fontanafredda erhoben wurde.

Zum Weingut im heutigen Sinn wurde Fontanafredda unter ihrem Sohn Emanuele Alberto di Mirafiore, der ab 1878 den kommerziellen Weinhandel unter dem Namen Casa E. di Mirafiore aufbaute. Er ließ die charakteristischen gelb-ockerfarbenen Gebäude errichten, experimentierte früh mit neuen Kellertechniken und machte den Barolo des Hauses international bekannt.

Nach wirtschaftlich schwierigen Jahrzehnten wurde die Marke Mirafiore 1931 verkauft; das Weingut selbst ging in Bankbesitz über und blieb dort über Generationen. Die Wende kam 2008, als die Eataly-Gründer Oscar Farinetti und Luca Baffigo Fontanafredda übernahmen und in piemontesische Hände zurückführten. Sie stellten die Weinberge schrittweise auf biologischen Anbau um – der Jahrgang 2018 war der erste vollständig zertifizierte – und öffneten das Anwesen als Villaggio Narrante mit Restaurants, Hotels und Kulturprogramm für Besucher.

Lage & Terroir

Fontanafredda liegt im gleichnamigen Weiler unmittelbar bei Serralunga d'Alba, im östlichen Teil der Barolo-Zone. Serralunga gilt als jene Gemeinde, die den strengsten, langlebigsten Barolo-Stil hervorbringt: Die Böden aus der Formation von Lequio sind sandiger, kalkhaltiger und ärmer als im Westen der Appellation, was zu kleinbeerigen Trauben mit dichtem Tannin und markanter Säure führt.

Das Gut bewirtschaftet einen der größten zusammenhängenden Weinbergskomplexe der Langhe. Die Parzellen liegen überwiegend zwischen etwa 250 und 420 Metern Höhe und verteilen sich neben Serralunga auch auf Nachbargemeinden wie Barolo, Diano d'Alba und Alba. Diese Streuung erlaubt es, Nebbiolo für strukturbetonte Barolo-Weine ebenso zu ernten wie Barbera, Dolcetto und Moscato für die zugänglicheren Linien.

Stil & Philosophie

Fontanafredda steht stilistisch für einen klassischen, unmodischen Barolo: lange Maischestandzeiten, Ausbau überwiegend im großen Holzfass, kein Streben nach früher Trinkreife. Die Weine zeigen typische Serralunga-Signatur – Rosenblüte, Teer, getrocknete Kirsche, dazu ein festes, körniges Tanningerüst, das erst mit Flaschenreife weich wird.

Parallel dazu verfolgt das Haus einen ausgesprochen breiten Ansatz. Neben den Spitzen-Barolo entstehen unkomplizierte Langhe-Weine, ein Moscato d'Asti sowie Metodo-Classico-Schaumweine, deren Tradition auf die Linie Contessa Rosa aus dem Jahr 1959 zurückgeht. Die Umstellung auf biologischen Anbau ist dabei kein Nebenaspekt, sondern das Leitmotiv der jüngeren Betriebsgeschichte: Fontanafredda zählt heute zu den größten biozertifizierten Weingütern des Piemont.

Bekannte Lagen & Weine

Eine Besonderheit ist, dass Fontanafredda in Serralunga d'Alba einer eigenen Barolo-Einzellage (MGA) den Namen gibt. Innerhalb dieser MGA liegen mehrere historische Parzellen des Guts. Zu den bekanntesten Weinen und Lagen zählen:

  • Barolo Vigna La Rosa – der Aushängeschild-Barolo aus der historischen Kernparzelle in der MGA Fontanafredda
  • Barolo Lazzarito Vigna La Delizia – aus einer der renommiertesten Lagen Serralungas
  • Barolo del Comune di Serralunga d'Alba – der Gemeinde-Barolo als stilistische Visitenkarte
  • Vigna San Pietro, Vigna Bianca und Vigna Gallareto – weitere historische Parzellen der MGA Fontanafredda
  • Barbera d'Alba, Nebbiolo d'Alba und Moscato d'Asti – das breitere Langhe-Sortiment

Auszeichnungen

Fontanafredda wird von den internationalen Weinkritikern regelmäßig für seine Barolo-Weine ausgezeichnet; besonders der Barolo Vigna La Rosa zählt zu den konstant hoch bewerteten Weinen Serralungas – der Jahrgang 2008 fand Aufnahme in die Top-100-Liste des Wine Spectator. 2006 war Fontanafredda offizieller Wein der Olympischen Winterspiele in Turin. Über Einzelwertungen hinaus wird das Gut heute vor allem für seine Rolle als Bio-Pionier und für das Villaggio Narrante wahrgenommen, das Weinbau, Gastronomie und Kultur in den Langhe zusammenführt.

Häufige Fragen

Wofür ist Fontanafredda bekannt?

Fontanafredda ist eines der historischen Barolo-Häuser und steht für klassisch strukturierte Nebbiolo-Weine aus Serralunga d'Alba. Berühmt ist das Gut für sein königliches Erbe, für die eigene Einzellage Fontanafredda und dafür, dass es heute eines der größten biozertifizierten Weingüter des Piemont ist.

Wo liegt Fontanafredda?

Das Gut liegt im Weiler Fontanafredda bei Serralunga d'Alba, mitten in den Langhe im Piemont. Die zusammenhängende Anlage aus Kellerei, historischen Gebäuden und Weinbergen gilt als eines der größten geschlossenen Weingüter der Langhe.

Wem gehört Fontanafredda heute?

Seit 2008 gehört Fontanafredda den Eataly-Gründern Oscar Farinetti und Luca Baffigo. Zuvor war das Gut über Jahrzehnte in Bankbesitz. Unter der neuen Führung wurden die Weinberge auf biologischen Anbau umgestellt und das Gelände zu einem offenen Wein- und Kulturdorf ausgebaut.

Was ist der Unterschied zwischen Fontanafredda und Mirafiore?

Beide Namen gehen auf dieselbe Familiengeschichte zurück: Emanuele Alberto di Mirafiore gründete 1878 den Weinhandel auf dem Gut. Die Marke Mirafiore wurde 1931 verkauft und später wieder ins Haus geholt, wird heute aber als eigenständige Linie mit eigenem Stil geführt – Fontanafredda bleibt das Hauptgut.

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