Zusammenfassung
Collegium Wirtemberg ist die größte Winzergenossenschaft der Landeshauptstadt Stuttgart – und zugleich einer der ambitioniertesten Genossenschaftsbetriebe in ganz Württemberg. Rund 150 Hektar Reben verteilen sich rund um den Hausberg Württemberg, in Hang-, Terrassen- und Steillagen über dem Neckar. Entstanden ist der Betrieb 2007 aus der Fusion der beiden Stuttgarter Weingärtnergenossenschaften Rotenberg und Uhlbach. Rot dominiert: Trollinger, Lemberger und Spätburgunder machen den Großteil der Fläche aus, beim Weißwein führt der Riesling. Über allem thront das Wahrzeichen des Hauses – die Grabkapelle auf dem Württemberg.
Geschichte
Der Weinbau rund um den Württemberg ist jahrhundertealt: Auf dem Berg stand einst die Stammburg des Hauses Württemberg, und die Hänge darunter wurden schon im Mittelalter mit Reben bepflanzt. Wie fast überall in Württemberg organisierten sich die Wengerter – so heißen die Winzer hier – im Lauf des 20. Jahrhunderts in Genossenschaften: Die kleinen Familienbetriebe konnten Kelter, Keller und Vermarktung allein kaum stemmen.
Rotenberg und Uhlbach, zwei benachbarte Stuttgarter Weinorte, betrieben lange jeweils eine eigene Weingärtnergenossenschaft. 2007 schlossen sich beide zusammen und gaben sich mit Collegium Wirtemberg einen gemeinsamen, bewusst historisch klingenden Namen – die Schreibweise mit „i" verweist auf die alte Form des Landesnamens. Aus zwei mittelgroßen Betrieben wurde so der größte Weinerzeuger Stuttgarts mit heute rund 200 Mitgliedern, etwa einem Dutzend Angestellten und einer Jahresproduktion von rund 1,3 Millionen Litern.
Seit Herbst 2023 führt Philipp Kollmar die Geschäfte; im Keller prägt Thomas Eckard als langjähriger Kellermeister die Handschrift der Weine. Vertrieben wird ein großer Teil der Produktion direkt – über die Vinotheken in beiden Ortsteilen, den Onlineshop und die Gastronomie.
Lage & Terroir
Die Rebflächen ziehen sich zwischen und rund um Rotenberg und Uhlbach die Hänge über dem Neckar hinauf. Es sind klassische Württemberger Steil- und Terrassenlagen: teils mit Trockenmauern gestützt, teils nur mit der Hand zu bewirtschaften. Der Fluss wirkt als Wärmespeicher, die nach Süden und Südwesten geneigten Hänge sammeln die Sonne – ein Mikroklima, das selbst spät reifende Sorten wie Lemberger und Cabernet-Kreuzungen zuverlässig ausreifen lässt.
Geologisch ist das Gebiet ein Lehrstück: Neben den für Württemberg typischen Keuper-, Mergel- und Tonböden finden sich hier Travertin mit noch sichtbaren Einschlüssen kleiner Meerestiere sowie Sandstein. Diese Kombination gibt den Weinen ihre besondere Würze – bei den Weißweinen eine salzig-mineralische Note, bei den Roten Struktur und Griff.
Die beiden bekanntesten Einzellagen des Hauses sind der Rotenberger Schlossberg und der Uhlbacher Götzenberg. Beide gelten als Filetstücke des Stuttgarter Weinbaus – und beide liegen im Blickfeld der Grabkapelle auf dem Württemberg, die König Wilhelm I. zwischen 1820 und 1824 für seine früh verstorbene Frau Katharina errichten ließ. Sie ist heute das Emblem der Genossenschaft.
Stil & Philosophie
Collegium Wirtemberg versteht sich als Brücke zwischen Tradition und Anspruch. Das Sortiment ist in vier klar abgestufte Linien gegliedert:
- Collegium – unkomplizierte Alltagsweine, die Sorte und Herkunft sauber abbilden
- Stuttgart – Weine aus ausgewählten Parzellen rund um den Württemberg, mit mehr Konzentration, aber erhaltener Frische
- Wirtemberg – die Premiumidee des Hauses: kraftvoll, fruchtbetont und dennoch elegant
- Réserve – die Spitze, mit langer Reife im Holzfass
Stilistisch heißt das: Der Trollinger bleibt, was er sein soll – ein leichter, saftiger Alltagsroter mit unter 12 % Vol. bei den klassischen Abfüllungen und angenehm feiner Säure. Lemberger, Spätburgunder und die Cuvées der oberen Linien dagegen werden konsequent trocken ausgebaut, oft im Barrique, und zeigen dunkle Frucht, Würze und tragfähiges Tannin. Bei den Weißweinen setzt das Haus auf trockene, klar gezeichnete Rieslinge sowie auf Grauburgunder und Chardonnay, die in der Réserve-Linie ebenfalls Holz sehen.
Bekannte Lagen & Weine
Das Herz des Betriebs sind die beiden Einzellagen:
- Rotenberger Schlossberg – die Lage unterhalb der Grabkapelle, Basis für Trollinger, Trollinger mit Lemberger und Riesling
- Uhlbacher Götzenberg – wärmebegünstigt und geschützt, prädestiniert für die späten roten Sorten
Zu den bekanntesten Weinen zählen die Réserve-Abfüllungen von Lemberger, Syrah, Spätburgunder und Chardonnay sowie die Grande Cuvée, eine holzgereifte Rotwein-Assemblage mit mediterran anmutender Würze. Daneben gibt es die Serie Denkmal und mit dem Riesling 411 n. n. einen Wein, dessen Name auf die Höhenlage anspielt. Der klassische Trollinger mit Lemberger ist bis heute der Wein, über den viele Stuttgarter das Haus zuerst kennenlernen.
Auszeichnungen
Collegium Wirtemberg gehört seit Jahren zu den am besten bewerteten Genossenschaften Deutschlands. Beim Deutschen Rotweinpreis 2023 landete das Haus gleich dreimal auf dem Treppchen: zweiter Platz in der Kategorie Lemberger für den 2019er Lemberger trocken „Réserve", dritte Plätze für die 2019er Grande Cuvée trocken „Réserve" und den 2019er Syrah trocken „Réserve". Die Fachzeitschrift WEINWIRTSCHAFT führte den Betrieb 2023 als zweitbeste deutsche Winzergenossenschaft.
Auch international läuft es rund: Bei der awc vienna 2024 gab es drei Gold- und fünf Silbermedaillen, bei der falstaff Spätburgunder Trophy 2025 93 Punkte für den 2020er Spätburgunder Réserve, dazu Medaillen beim vinum Riesling Champion und bei Meiningers Rotweinpreis. In den Weinführern vinum, falstaff und eichelmann wird das Haus regelmäßig für die Bandbreite seines Sortiments gelobt – vom günstigen Riesling bis zu den würzig-komplexen Réserve-Weinen.
