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Château Margaux – Premier Grand Cru Classé und die Eleganz des Médoc

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
30. August 2026
chateau margauxbordeauxcabernet sauvignon

Château Margaux in der Appellation Margaux: Premier Grand Cru Classé von 1855, Cabernet-dominierte Grand Vins und Pavillon Blanc. Geschichte, Terroir und Steckbrief.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Premier Grand Cru Classé der 1855er Klassifikation – bei der damaligen Bewertung stand Margaux an der Spitze des Feldes.
  • 2Rund 80 Hektar Reben auf einem etwa 260 Hektar großen Gut in der Appellation Margaux im Médoc.
  • 3Der Grand Vin ist klar Cabernet-Sauvignon-dominiert (etwa drei Viertel der Rotweinfläche), ergänzt um Merlot, Petit Verdot und Cabernet Franc.
  • 4Seit 1977 in Familienbesitz: André Mentzelopoulos kaufte das Gut, seine Tochter Corinne prägte es über vier Jahrzehnte.
  • 52015 wurde ein neues Kellergebäude von Stararchitekt Norman Foster eröffnet – 200 Jahre nach dem Bau des klassizistischen Schlosses.

Steckbrief

Region
Margaux (Médoc), Bordeaux, Frankreich
Gegründet
Weinbau seit dem 16. Jahrhundert; das heutige Schloss entstand ab 1810
Inhaber / Winzer
Familie Mentzelopoulos (seit 1977); Geschäftsführung Philippe Bascaules
Rebfläche
rund 80 Hektar Reben auf einem etwa 260 Hektar großen Gut
Leitrebsorten
Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot, Cabernet Franc, Sauvignon Blanc
Weinstile
Cabernet-dominierte Rotweine für lange Reife, dazu ein trockener Weißwein
Klassifikation
Premier Grand Cru Classé (1855er Klassifikation), AOC Margaux
Besonderheit
Pavillon Blanc – der weiße Sauvignon Blanc eines Premier Cru Classé im Médoc

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Zusammenfassung

Château Margaux ist der einzige Premier Grand Cru Classé, der seinen Namen mit seiner Appellation teilt – und für viele Weinliebhaber der stilistisch feinste der fünf First Growths von Bordeaux. Auf rund 80 Hektar Reben in der Gemeinde Margaux-Cantenac entstehen Cabernet-Sauvignon-dominierte Rotweine, die für ihre Duftigkeit, ihre samtige Tanninstruktur und ihr enormes Reifepotenzial berühmt sind. Seit 1977 gehört das Gut der Familie Mentzelopoulos, die es aus einer schwierigen Phase zurück an die absolute Weltspitze geführt hat. Das klassizistische Schloss aus dem frühen 19. Jahrhundert – oft „Versailles des Médoc" genannt – wurde 2015 um ein neues Kellergebäude von Norman Foster ergänzt.

Geschichte

Der Ort ist seit dem Mittelalter besiedelt: Im 12. Jahrhundert hieß das Anwesen La Mothe de Margaux, „der Hügel von Margaux" – ein Hinweis auf die leicht erhöhte Kieskuppe inmitten des ansonsten flachen Médoc. Zum Weingut im heutigen Sinn wurde es ab dem 16. Jahrhundert unter der Familie Lestonnac, die Getreidefelder in Reben umwandelte.

Ein entscheidender Schritt gelang um 1700 dem Verwalter Berlon. Er war einer der Ersten im Médoc, der rote und weiße Trauben konsequent getrennt vinifizierte, die Parzellen nach ihrer Qualität unterschied und auf sauberes Lesegut achtete – Grundlagen, die den modernen Bordeaux-Weinbau prägen sollten. Der Ruf des Weins reichte damals bereits weit; auch Thomas Jefferson notierte auf seiner Frankreichreise Ende des 18. Jahrhunderts seine Bewunderung für den Wein aus Margaux.

Das heutige Erscheinungsbild verdankt das Gut dem Marquis de la Colonilla, der ab 1810 den Architekten Louis Combes mit einem völlig neuen Schloss samt Kellern beauftragte. Der klassizistische Bau mit seiner Säulenfassade wurde zum Wahrzeichen des Médoc. 1855 wurde Château Margaux bei der berühmten Klassifikation zum Premier Cru Classé erhoben.

Im 20. Jahrhundert folgten Höhen und Tiefen. Nach schwachen Jahrzehnten und wirtschaftlichem Druck musste die Familie Ginestet das Gut 1977 verkaufen: Käufer war der griechischstämmige Unternehmer André Mentzelopoulos, der massiv investierte – in Drainagen, Neubepflanzungen und den Keller. Er starb bereits 1980; seine Tochter Corinne Mentzelopoulos übernahm und führte das Gut über vier Jahrzehnte zurück an die Weltspitze. 2023 gab sie die Leitung an ihren Sohn Alexis Leven-Mentzelopoulos weiter. Prägend war zudem der langjährige Direktor Paul Pontallier (ab den 1980er-Jahren bis zu seinem Tod 2016); heute führt Philippe Bascaules, der schon zuvor über zwei Jahrzehnte als technischer Direktor am Gut arbeitete.

Lage & Terroir

Margaux ist die südlichste der großen Médoc-Appellationen und liegt am linken Ufer der Gironde. Charakteristisch sind tiefgründige, magere Kiesterrassen, die von den Flüssen aus den Pyrenäen und dem Massif Central angeschwemmt wurden. Diese Kiese speichern tagsüber Wärme, geben sie nachts an die Reben ab und sorgen für eine hervorragende Drainage: Die Wurzeln müssen tief wachsen, der Ertrag bleibt natürlich niedrig.

Unter dem Kies liegen je nach Parzelle Lehm-, Mergel- und Kalkschichten. Diese kleinräumige Vielfalt erklärt, warum das Gut mit einem großen Puzzle aus Einzelparzellen arbeitet, die getrennt gelesen und vinifiziert werden. Das atlantisch geprägte Klima ist mild, die Gironde puffert Frost und Hitze ab. Zusammen ergibt das ideale Bedingungen für den spät reifenden Cabernet Sauvignon – und für den floralen, feingliedrigen Stil, für den die Appellation Margaux berühmt ist.

Stil & Philosophie

Der Grand Vin ist ein Lehrbuchbeispiel für klassischen Médoc: Cabernet Sauvignon bildet mit etwa drei Vierteln der Rotweinfläche das Rückgrat, ergänzt um Merlot sowie kleine Anteile Petit Verdot und Cabernet Franc. Je nach Jahrgang liegt der Cabernet-Anteil in der finalen Assemblage sogar noch höher.

Stilistisch gilt Château Margaux als der duftigste und eleganteste der First Growths: Veilchen und Rosenblätter, Cassis, Zedernholz und feine Würze, dazu ein Tannin, das eher seidig als muskulös wirkt. Diese Zartheit täuscht – die Weine reifen über Jahrzehnte. Die Selektion ist streng: Nur ein Teil der Ernte geht in den Grand Vin, der Rest fließt in Pavillon Rouge oder den dritten Wein.

Im Keller setzt das Gut auf jahrgangsgenaue Arbeit, parzellenweise Vinifikation und Ausbau in neuen französischen Barriques aus eigener Küferei. Sichtbarster Ausdruck dieses Anspruchs ist das 2015 eröffnete Kellergebäude von Norman Foster, das Vinothek, Küferei und Forschungsräume unter einem leicht wirkenden Flachdach vereint – 200 Jahre nach dem Schlossbau von Louis Combes.

Bekannte Lagen & Weine

Anders als in Burgund gibt es hier keine Einzellagen-Etiketten, sondern eine klare Hierarchie der Cuvées:

  • Château Margaux – der Grand Vin, Premier Grand Cru Classé aus der AOC Margaux
  • Pavillon Rouge du Château Margaux – der Zweitwein, stilistisch früher zugänglich
  • Pavillon Blanc du Château Margaux – trockener Weißwein aus reinem Sauvignon Blanc, von rund zwölf Hektar eigener Weißweinparzellen; da die AOC Margaux nur Rotwein umfasst, wird er als Bordeaux Blanc gefüllt
  • Margaux du Château Margaux – der dritte Rotwein des Guts

Auszeichnungen

Als Premier Grand Cru Classé gehört Château Margaux zum engsten Kreis der weltweit begehrtesten Rotweine. Mehrere Jahrgänge erhielten von führenden Kritikern die Höchstbewertung, darunter 1990, 2000, 2015 und 2019; historisch legendär sind zudem 1900, 1953 und 1961. Der Jahrgang 2015 erschien mit einem besonderen Etikett – zum einen wegen des neuen Foster-Kellers, zum anderen als Hommage an den kurz zuvor verstorbenen Direktor Paul Pontallier. Auf internationalen Auktionen zählen die großen Jahrgänge des Guts zuverlässig zu den höchstgehandelten Weinen des Médoc.

Häufige Fragen

Wofür ist Château Margaux bekannt?

Château Margaux ist eines der fünf Premiers Grands Crus Classés von Bordeaux und gilt als der eleganteste und duftigste der First Growths. Berühmt ist das Gut für seine Cabernet-Sauvignon-dominierten Rotweine aus der Appellation Margaux, für das klassizistische Schloss – oft als Versailles des Médoc bezeichnet – und für den Pavillon Blanc, einen reinsortigen Sauvignon Blanc.

Wo liegt Château Margaux?

Das Gut liegt in der Gemeinde Margaux-Cantenac im Médoc, rund 30 Kilometer nordwestlich der Stadt Bordeaux am linken Ufer der Gironde. Die Appellation Margaux ist die südlichste der großen Médoc-Appellationen und für ihre besonders feinen, parfümierten Rotweine bekannt.

Was ist der Zweitwein von Château Margaux?

Der Zweitwein heißt Pavillon Rouge du Château Margaux und stammt aus Parzellen und Fässern, die es nicht in den Grand Vin schaffen. Dazu kommen der weiße Pavillon Blanc aus Sauvignon Blanc und ein dritter Rotwein mit dem Namen Margaux du Château Margaux.

Welche Jahrgänge von Château Margaux gelten als legendär?

Als Jahrhundertjahrgänge gelten unter anderem 1900, 1953 und 1961. In der jüngeren Geschichte zählen 1990, 2000, 2015, 2016 und 2019 zu den höchstbewerteten Weinen des Guts – mehrere davon erhielten von führenden Kritikern die Höchstnote.

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