Zusammenfassung
Bodega Chacra ist das bekannteste Pinot-Noir-Weingut Patagoniens und eines der spannendsten Projekte Südamerikas. Gegründet hat es 2004 Piero Incisa della Rocchetta, Enkel jenes Marchese Mario Incisa della Rocchetta, der in der Toskana den legendären Sassicaia erschuf. Im Alto Valle des Río Negro fand er einen fast vergessenen Weinberg mit wurzelechten Pinot-Noir-Reben aus dem Jahr 1932 – der Grundstein für ein Gut, das heute biodynamisch arbeitet und Weine von bemerkenswerter Feinheit, Frische und Transparenz erzeugt. Seit 2017 ergänzt ein Chardonnay in Partnerschaft mit dem Burgunder Jean-Marc Roulot das Programm.
Geschichte
Piero Incisa della Rocchetta wuchs mit Wein auf: Seine Familie steht hinter der Tenuta San Guido in Bolgheri, wo sein Großvater mit dem Sassicaia einst bewies, dass große Weine auch an unerwarteten Orten entstehen können. Auf der Suche nach einem eigenen Projekt reiste Piero Anfang der 2000er-Jahre nach Patagonien.
Im Río-Negro-Tal stieß er auf einen verwahrlosten Weinberg mit wurzelechten Pinot-Noir-Reben, die bereits 1932 gepflanzt worden waren. Die alten Stöcke brachten so wenig Ertrag, dass selbst der Besitzer ihm vom Kauf abgeraten haben soll. Piero erwarb die Parzelle dennoch und gründete 2004 die Bodega Chacra – „Chacra“ bezeichnet in Argentinien einen kleinen Bauernhof. In den folgenden Jahren kamen weitere alte Weinberge hinzu, darunter Pflanzungen von 1955. 2016 begann die Partnerschaft mit Jean-Marc Roulot aus Meursault; der erste gemeinsame Chardonnay stammt aus dem Jahrgang 2017.
Lage & Terroir
Chacra liegt in Mainqué im Alto Valle des Río Negro, im Norden Patagoniens. Das Tal ist eine grüne Oase inmitten der Steppe, bekannt vor allem für seinen Obstanbau. Das Klima ist ausgesprochen trocken: Es fallen nur rund 180 mm Niederschlag im Jahr, die Luftfeuchtigkeit ist gering, die Sonneneinstrahlung hoch. Große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht bewahren die Säure und die aromatische Präzision der Trauben, der stetige patagonische Wind hält die Reben gesund.
Die Böden sind das Erbe eines alten Flussbetts: Kies und Kieselsteine, Sand, Lehm und kalkhaltige Anteile. Weil die Wüste ringsum eine natürliche Barriere bildet, hat die Reblaus das Tal nie erreicht – deshalb konnten die Reben ohne Unterlagen, also wurzelecht, auf ihrer ursprünglichen Massenselektion überdauern.
Stil & Philosophie
Piero Incisa della Rocchetta versteht Chacra als lebendiges Ökosystem. Die Weinberge werden biodynamisch und ökologisch bewirtschaftet – ohne synthetische Dünger, Pestizide oder Herbizide, mit biodynamischen Präparaten, eigenen Bienenvölkern und viel Handarbeit. Im Keller gilt Zurückhaltung: spontane Gärung, gebrauchte Holzfässer, teils auch Amphoren und Beton, wenig Eingriff.
Stilistisch sucht Chacra das Gegenteil des kraftvollen, fruchtbetonten Neue-Welt-Pinots. Die Weine sind leichtfüßig, frisch und feingliedrig, mit roter Frucht, Würze und einer mineralischen Spannung, die häufig mit Burgund verglichen wird. Der Chardonnay folgt derselben Idee: Er reift in gebrauchten Fässern aus Roulots Domaine in Meursault und zeigt Präzision statt Opulenz.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist nach den Pflanzjahren der Weinberge benannt:
- Treinta y Dos – Pinot Noir aus dem gut zwei Hektar großen Weinberg von 1932, das Flaggschiff des Guts
- Cincuenta y Cinco – Pinot Noir von wurzelechten Reben, die 1955 gepflanzt wurden
- Barda – der zugänglichste Pinot Noir, überwiegend von jüngeren Reben aus den 1990er-Jahren
- Sin Azufre – ein Pinot Noir ohne zugesetzten Schwefel, Pieros persönliches Experiment
- Mainqué Chardonnay und Chacra Chardonnay – gemeinsam mit Jean-Marc Roulot erzeugt
Treinta y Dos und Cincuenta y Cinco gehören zu den gesuchtesten und höchstbewerteten Pinot Noirs Südamerikas.
Auszeichnungen
Chacra erhält regelmäßig hohe Bewertungen von internationalen Kritikern und Fachmagazinen und wird von vielen als Referenz für Pinot Noir aus Argentinien genannt. Mehr noch als einzelne Punkte zählt dabei die Wirkung: Das Gut hat gezeigt, dass Patagonien – und insbesondere das Río-Negro-Tal mit seinen alten, wurzelechten Reben – eleganten, lagerfähigen Pinot Noir von Weltniveau hervorbringen kann.
